Bibliothek der Gründerzeit
Gründerzeit
Baukultur
Historismus

Unser erstes Projekt: Die Bibliothek der Gründerzeit

Mit der Bibliothek der Gründerzeit machen wir historische Bau- und Architekturbücher wieder lesbar, durchsuchbar und nutzbar. Den Anfang macht Der Maurer aus dem Handbuch des Bautechnikers.

Michael von Hohnhorst6 Minuten Lesezeit
Buchüberblick von Der Maurer mit Kapitelkarten und Abbildungsvorschau

Schöne Städte entstehen nicht von alleine. Sie brauchen Wissen über Materialien, Konstruktionen, Proportionen und handwerkliche Techniken. Und sie brauchen die Frage, die uns seit Jahren nicht loslässt: Warum wirken manche Gebäude auch nach über hundert Jahren noch stabil, schön und selbstverständlich?

Mit der Bibliothek der Gründerzeit beantworten wir diese Frage nicht abstrakt, sondern an den Quellen selbst. Sie ist das erste Teilprojekt von Civitas Aurea, unserem Vorhaben, die Baukultur der Gründerzeit wieder sichtbar zu machen. Dazu gehören Schönheit und menschlicher Maßstab, dichte und lebendige Viertel, Materialien mit Bestand und der Gedanke einer europäischen Stadt, die für Menschen gebaut ist.

Civitas Aurea, die goldene Stadt, steht für den Anspruch, wieder ambitioniert zu bauen und zu denken. Orte sollen nicht austauschbar sein, sondern zu ihrer Stadt, ihrer Region, ihren Menschen und ihrer Geschichte passen. Orte mit Aussagekraft und Charakter.

Warum eine Bibliothek der Gründerzeit?

In der Gründerzeit sind zahlreiche deutsche Städte erst zu Großstädten geworden. Ganze Viertel, Bahnhöfe, Schulen, Rathäuser, Wohnhäuser und Stadtvillen entstanden in wenigen Jahrzehnten. Vieles davon ist bis heute geblieben, nicht nur wegen der Fassaden, sondern weil diese Bauten Dichte, Alltagstauglichkeit, Reparierbarkeit und städtische Lebendigkeit verbinden.

Uns interessiert, was dahintersteckt. Wie wurden diese Häuser konstruiert? Welche Materialien und Techniken kamen zum Einsatz? Wie entstanden Fassaden, die wie massiver Naturstein wirken, obwohl sie aus gut beherrschten Bautechniken und Materialien mit handwerklicher Präzision zusammengesetzt wurden?

Die Antworten liegen unter anderem in den Büchern jener Zeit. Sie sind praxisnah und reich illustriert, aber heute schwer zugänglich. Eines der wichtigsten Werke ist das Handbuch des Bautechnikers, herausgegeben von Hans Issel, eine umfangreiche Reihe zu allen Gewerken des Bauwesens um 1900. Genau solche Quellen wollen wir erschließen.

Aus historischen Quellen werden digitale Ausgaben

Die Bibliothek der Gründerzeit macht gemeinfreie Bau- und Architekturbücher aus der Gründerzeit und dem Historismus wieder nutzbar. Nicht als PDF-Scan, sondern als moderne, durchdachte Leseerfahrung im Browser.

Wir erfassen Text und Bilder, strukturieren Kapitel, bereiten Tafeln und Abbildungen auf, erstellen Suchindizes und überführen alles in eine Form, die für den Leser von heute gut zugänglich ist. Jedes Werk erhält ein Inhaltsverzeichnis, eine kapitelweise Navigation und ein Glossar, das es im Original nicht gab. Die Abbildungen sind oft der eigentliche Schatz dieser Bücher. Deshalb extrahieren wir sie einzeln, beschreiben sie im Kontext ihres Kapitels und verknüpfen sie mit Fachbegriffen. Beim Lesen springt man fließend zwischen Text, Zeichnung und Erklärung hin und her, ohne das Buch verlassen zu müssen.

Der erste Band: Der Maurer

Den Anfang macht Der Maurer von Adolf Opderbecke, erschienen 1900 bei Bernh. Friedr. Voigt in Leipzig. Es ist der zweite Band des Handbuchs des Bautechnikers, aber für uns der richtige Einstieg. Mauerwerk ist die Grundlage der meisten Gründerzeitbauten. Wer verstehen will, wie diese Häuser gebaut wurden, beginnt bei Ziegeln, Wandkonstruktionen, Deckenanschlüssen, Putz und Fugen.

Die digitale Ausgabe bietet eine kapitelweise Leseansicht, eine modernisierte Fassung neben dem historischen Text, hunderte Abbildungen und Tafeln, ein eigenes Glossar, Ausgabeangaben und Verlinkungen zwischen Begriffen, Zeichnungen und Textstellen. Der Maurer ist online. Man kann ihn lesen, nachschlagen und Stück für Stück entdecken. Das ist unser erster veröffentlichter Band, und er gibt einen ersten Eindruck davon, was die Bibliothek der Gründerzeit zu bieten hat. Mehr ist bereits in Arbeit.

Wie wir arbeiten

Hinter jedem Band steckt ein Prozess, den wir Schritt für Schritt aufgebaut haben. Inhaltsverzeichnis erkennen, Kapitel strukturieren, Text und Abbildungen erfassen, Glossare aufbauen, Qualität prüfen, exportieren. Moderne Werkzeuge helfen dabei, aber das Ziel ist nicht Automatisierung um ihrer selbst willen. Wir wollen ausgewähltes Wissen wieder zugänglich machen, mit hohem Anspruch an Gestaltung und Qualität, für ein gutes Leseerlebnis und hohen praktischen Nutzen.

Wir entwickeln diesen Prozess ständig weiter und teilen unsere Fortschritte. Wir zeigen, woran wir arbeiten, was funktioniert und wo es hakt. Wer mitliest, kann von Anfang an dabei sein, als Leser, als kritische Stimme mit Anregungen und Ideen oder als jemand, dem gute Baukultur wichtig ist.

Wir freuen uns über Rückmeldungen

Die Bibliothek richtet sich an alle, die sich für historische Baukultur interessieren. An Architekten, Denkmalpfleger, Handwerker, Bauherren, Stadtliebhaber, Studierende und alle, die wissen wollen, wie gute Gebäude früher konstruiert wurden. Der Maurer ist der Anfang. Es folgen weitere Gewerke, Bücher zu Materialien, Konstruktionen, Stadtplanung, Ornamentik und vielem mehr.

Die Bibliothek der Gründerzeit ist live. Lest Der Maurer, teilt uns eure Gedanken und helft mit, die spannendsten Quellen der europäischen Baukultur wieder sichtbar zu machen.

Hier geht es zur Bibliothek der Gründerzeit.

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