Abschnitt 29

Erkerausbildungen und Tafeln

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Die Erkerausbildung ist durch die bis klargelegt. Die Aufrisszeichnung () zeigt im unteren Teil die Auskragung des Erkers, die Herumführung des Gurtgesimses und den Anfang der Fensteröffnungen, im oberen Teil die Endigung der Fenster, die Herumführung des Hauptgesimses (bei welchem die Konsolen der Frontwände fehlen) und den Anfang der Fenster im Dachgeschoss. Die Auskragung des Erkers und der Übergang aus der Grundform eines regelmäßigen halben Zwölfecks in die kreisrunde Grundform sind durch die , und weiter veranschaulicht. Die Profilierung und kerbschnittartige Ornamentierung der Auskragung ist durch im Maßstab $1:10$ dargestellt.

Auf den und ist schließlich noch der Teil einer Fassade mit vorgekragtem Erkerausbau über dem Hauseingang veranschaulicht.

Der Erker ruht auf Konsolen (vgl. die Teilzeichnung auf ), welche von den seitlich vom Türgewände vor die Mauerflucht vortretenden Halbsäulen gestützt werden. Eigenartig ist hier der Übergang aus der kreisförmigen Grundform der Säulen in die ein halbes Achteck bildende Grundform des Kapitells und die über Eck gestellte, ein halbes Viereck bildende Grundform der unteren Konsolendigung sowie das Herauswachsen der Bogenverdachung über dem Hauseingang aus der Konsolendigung. Der in allen Teilen aus Werksteinen herzustellende Erker durchschneidet das weit ausladende, kräftig wirkende Hauptgesims (vgl. Aufriss und Grundriss auf ) und erhebt sich, als Giebel endend, bis zum First des Hauptdaches. Die Giebelbekrönung ist durch die mit entsprechender Bezeichnung versehenen Teilzeichnungen auf in Vorder- und Seitenansicht wiedergegeben.

Die vorliegende Arbeit bezweckt durch die Wiedergabe und Erläuterung brauchbarer, leicht verständlicher Bauformen, den Schülern der Baugewerbeschulen Motive an die Hand zu geben, die ihnen bei den Übungen im Entwerfen von Bauteilen oder ganzen Bauwerken im Stil mittelalterlicher Bauweise nützlich sein können.

Der dem Verfasser für diese Abhandlung zur Verfügung gestellte, äußerst knapp bemessene Raum schließt eine erschöpfende Behandlung des Stoffes aus; auch dürfte es weit über die Ziele einer gewerblichen Fachlehranstalt hinausgehen, wollte man von deren Schülern ein eingehendes Studium der verschiedenen Baustile verlangen.

Die Schüler sollen und können vielmehr nur angeleitet werden, das Charakteristische der einen von dem einer anderen Stilrichtung sicher zu unterscheiden, damit sie beim Entwerfen nicht aus Unkenntnis der Formen verschiedene Stilarten durcheinanderwürfeln.

Dieses Entwerfen an Baugewerbeschulen kann sich begreiflicherweise nur auf Profanbauten der einfachsten Art – in erster Linie also auf das bürgerliche Wohnhaus – erstrecken, sodass alle Monumentalbauten, seien sie für kirchliche oder weltliche Zwecke vorgesehen, von vornherein auszuschließen sind.

Demgemäß sind die hier vorgeführten Formen tunlichst für solche einfacheren Profanbauten gewählt; auch wurde ein Eingehen auf dekorative Ausschmückung der Bauteile durch das Ornament nahezu ganz vermieden.

Denen, die sich nach Absolvierung der Bauschule durch ein eingehenderes Studium mittelalterlicher Bauweisen weiterbilden wollen, sei vor allem der Besuch einer unserer Technischen Hochschulen sowie ein gründliches Studium der Werke von G. G. Ungewitter, Redtenbacher und des Franzosen Eugène Emmanuel Viollet le Duc empfohlen.

Auf eine kurze Besprechung der Entwicklung mittelalterlicher Bauweisen glaubte ich jedoch nicht verzichten zu können, um den Schülern das Werden und Wesen dieser Kunstepoche verständlich zu machen.

Möge diese Arbeit, die weit davon entfernt ist, irgendwelche unberechtigten Ansprüche auf eine erschöpfende Behandlung des Stoffes zu erheben – einige Teile des mittelalterlichen Werksteinbaus wie die Maßwerkkonstruktionen, die Ausbildung und Anordnung der Kreuzblumen, Krabben , Kapitelle und Säulenfüße mussten leider gänzlich außer Acht gelassen werden –, dennoch dem Baugewerbeschüler bei seinem Schaffen ein willkommenes Hilfsmittel sein. Möge sie ihn anregen und befähigen, sich zum eigenen Nutzen und dem des bauenden Publikums weiterzubilden, wenn er die Schule verlassen hat und in die Praxis zurückgekehrt ist.

Datenansicht

Detailzeichnung eines reich verzierten Fassadenabschnitts oder Erkers aus Werkstein im Renaissance-Stil.

Fig. 266

Detailzeichnung eines reich verzierten Fassadenabschnitts oder Erkers aus Werkstein im Renaissance-Stil.

Querschnitt eines kreisförmigen Baukörpers aus keilförmigen Werksteinen.

Fig. 267

Querschnitt eines kreisförmigen Baukörpers aus keilförmigen Werksteinen.

Technische Zeichnung (Horizontalschnitt) eines gekrümmten Mauerwerks aus Werksteinen mit radialen Konstruktionslinien.

Fig. 268

Technische Zeichnung (Horizontalschnitt) eines gekrümmten Mauerwerks aus Werksteinen mit radialen Konstruktionslinien.

Technische Zeichnung einer rechtwinkligen Eckverbindung (Winkel- oder Kropfverbindung) von Werksteinen im Schnitt.

Fig. 270

Technische Zeichnung einer rechtwinkligen Eckverbindung (Winkel- oder Kropfverbindung) von Werksteinen im Schnitt.