Es gibt gewisse Regeln, nach denen sich in der Renaissance die Dimensionen einzelner architektonischer Aufbauten bestimmen lassen. Es muss hierbei jedoch direkt angemerkt werden, dass es sich stets nur um Aufgaben eher monumentaler Art handelt. Wo wir beim bürgerlichen Wohnhaus, sei es freistehend oder eingebaut, zwar auf die Echtheit des Materials, aber auch auf eine sparsame Verwendung der Mittel zu achten haben, finden solche Regeln keine Anwendung. Hier müssen allein die Erfahrung und der gute Geschmack ausschlaggebend sein. Anders verhält es sich freilich bei prachtvollen Architekturen.
Schon das mit Quadern umrahmte Rundbogenfenster erfordert einige Aufmerksamkeit, wenn sich die Bogenquader harmonisch an die Wandquaderung anschließen sollen. Sie können hierbei separat als umrahmender Bogen behandelt werden. Dieser sieht jedoch immer besser aus, wenn er nach Art des Florentiner Bogens nach oben hin etwas überhöht wird (vgl. und ). Die Stärke des Bogens am Kämpfer entspricht in etwa der Hälfte des Bogenradius.
Sollen die Bogensteine mit den horizontal verlaufenden Wandschichten in Verbindung treten, so geschieht dies so, dass die äußerste Umgrenzungslinie der Quaderecken ebenfalls einen Spitzbogen beschreibt, dessen Stichpunkt sich gewöhnlich am gegenüberliegenden Kämpferpunkt befindet. Die Breite des Anfangsquaders entspricht etwa einem Drittel der lichten Fensterweite ().
Die Ausbildung prachtvollerer Stockwerksfenster gestaltet man im Sinne der italienischen Renaissance nach folgender Regel: Die Fensteröffnung wird als das Umrahmte betrachtet, der architektonische Aufbau selbst als der Rahmen. Ob dieser nun schlicht oder reich gestaltet ist – es sollte stets die Regel angewendet werden, dass der Rahmen zum Umrahmten im Ähnlichkeitsverhältnis steht. Dasselbe Verhältnis wenden wir z. B. bei der Umrahmung von Kupferstichen (das weiße Papier zum Druck) an, ebenso bei Druckseiten in normalen Büchern usw. Man bestimmt dieses Ähnlichkeitsverhältnis sehr einfach durch zwei Diagonalen, die durch die Ecken des Umrahmten gezogen werden. Verlängert man diese, so muss die gesamte Umrahmung zugleich seitlich und oberhalb durch eine solche Diagonale begrenzt sein. Selbstredend bezieht sich diese Grenze nur auf die Maße des Rahmens, nicht auf seine Profilausladungen.
Ein Anfänger, der solche Fenster- oder Türumrahmungen entwirft, geht immer sicher, wenn er sich an diese Verhältnisregel hält. Selbstredend kann ein architektonischer Aufbau auch dann gut wirken, wenn er nicht genau in diese Schablone passt.
nach Spetzler „Formen des Bausteinbaues“, bis , , nach Krauth u. Meyer „Das Steinmetzbuch“, , nach Hittenkofer „Der Fassadenbau“.













