Abschnitt 42

Erdstampfbau

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Der Erdstampfbau kommt nur für einfache ländliche Wirtschaftsgebäude (Stallungen ausgeschlossen) sowie für Gewerbebetriebe infrage, in denen keine Wasserdämpfe entstehen oder größere Wassermengen die Wände durchfeuchten könnten. Zur Ausführung eignet sich besonders Lehm, es können jedoch auch fast alle anderen Erdarten mit Ausnahme von Humus und reinem Sand verwendet werden.

Die ausgehobene Masse muss vor der Verwendung vorbereitet werden. Dazu wird sie mehrfach mit dem Spaten durchgearbeitet, wobei man alle Wurzeln und größeren Steine aussortiert. Kleinere Steine bis etwa zur Größe einer Walnuss können unbedenklich in der Erde verbleiben. Die Masse muss so feucht sein, dass sie sich in der Hand leicht zusammendrücken lässt, ohne dass jedoch Wasser auf der Handfläche sichtbar wird. Zu trockene Erde feuchtet man mit der Gießkanne an, zu nasse lässt man an der Luft trocknen oder mischt sie mit trockener Erde, um den richtigen Feuchtigkeitsgrad zu erreichen. Stark sandiger (magerer) Lehm oder fetter Ton sind ungeeignet, da Wände aus magerem Lehm nicht fest genug zusammenhalten, während fetter Ton beim Trocknen stark schwindet und Risse bildet. Oft mischt man beide Bodenarten, um eine optimale Masse zu erhalten.

Die vorbereitete Erdmasse wird in entsprechend konstruierte Formkästen1 in Lagen von 10 bis 15 cm Dicke eingefüllt und mit einer Handramme so lange gestampft, bis die Schicht auf etwa die Hälfte ihrer Dicke verdichtet ist. Ist der Formkasten auf seine ganze Höhe (60 bis 80 cm) vollgestampft, wird er gelöst und direkt an das fertige Mauerstück anschließend neu aufgestellt. Sobald das Mauerwerk des gesamten Gebäudes auf gleicher Höhe ist, setzt man den Formkasten für den nächsten Höhenabschnitt über dem ältesten, zuerst hergestellten Mauerteil an, da sich dieser inzwischen am stärksten gesetzt hat. Die Unterkanten des Formkastens lässt man dabei den darunterliegenden Mauerteil um etwa 10 cm überlappen. Nach vorsichtigem Anfeuchten der Oberseite des fertigen Wandteils wird das Einstampfen fortgesetzt, wobei der Formkasten in derselben Richtung wie beim ersten Durchgang versetzt wird. Tür- und Fensterecken werden meist mit gebrannten Ziegelsteinen eingefasst und überwölbt. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass sie auch vollständig aus Stampfmasse stabil genug sind, besonders wenn man die Ecken abrundet. Die Öffnungen können nach Fertigstellung des Rohbaus auch nachträglich mit dem Beil ausgehauen oder mit der Säge ausgeschnitten werden. Die Tür- und Fensterfutter werden dann als Ganzes eingesetzt, und eventuelle Unregelmäßigkeiten der Laibungen gleicht man mit Lehmmörtel aus.

An den Gebäudeecken stampft man oft krumme, trockene Äste in die Schichten ein, die sich über Eck gegenseitig überlappen. Um einen guten Verband zwischen Außen- und Innenmauern zu erzielen, empfiehlt es sich, die Außenmauern zeitgleich mit den Anschlüssen der Innenmauern einzustampfen. Weniger stabil, aber einfacher in der Ausführung ist es, eine dreieckige Nut in Breite der Innenwand aus der Außenmauer herauszuhauen und die Innenwand erst nach Fertigstellung der Außenwand anzustampfen.

Da Erdwände besonders vor Feuchtigkeit geschützt werden müssen, müssen die Fundamente und Sockel bis mindestens 50 cm über dem Erdboden aus Bruch- oder Ziegelsteinen gemauert und mit einer Isolierschicht abgedichtet werden. Zudem ist ein Putz oder eine Verkleidung der Außenwände mit Teerpappe unerlässlich. Der Außenputz, der am besten aus 3 Teilen Lehm, 1 Teil Kalkbrei und 2 Teilen Sand besteht, darf frühestens nach einem Jahr – also nach vollständiger Austrocknung der Wände – aufgetragen werden. Damit der Putz haftet, versieht man die Wände direkt nach der Herstellung im Abstand von etwa 10 cm mit circa 1 cm tiefen, hakenförmigen Kerben (Schlitzen). Zur Befestigung einer Teerpappenverkleidung dienen Holzdübel oder Leisten, die beim Bau direkt mit eingestampft werden. Zusätzlichen Schutz gegen Schlagregen bieten weit überstehende Walmdächer, besonders bei niedrigen, eingeschossigen Gebäuden.

Footnotes

  1. *) Vgl. Handbuch der Architektur, 2. Band, 1. Heft, Seite 118 und 119.

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