Abschnitt 103

Untergrundvorbereitung für Mauerwerk und Holz

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Unter Putzen versteht man das Überziehen von Mauer- oder Deckenflächen mit Mörtel, um diese gegen die Einflüsse der Witterung oder des Feuers zu schützen oder um ihnen ein besseres Aussehen zu verleihen. Oft erfahren die geputzten Flächen noch eine weitere Behandlung durch Anstriche, malerische oder plastische Ausschmückungen, die dem Schutz oder der Verzierung dienen.

Die Ausführung der Putzarbeiten erfolgt in manchen Gegenden durch Maurer oder durch speziell für diese Arbeiten ausgebildete Putzmaurer (Putzer), in anderen Gegenden durch Tüncher oder Weißbinder.

Für die Herstellung des Putzes wird hauptsächlich Luft- oder hydraulischer Kalkmörtel, Zement- und Kalk-Zement-Mörtel verwendet. Daneben kommen noch Lehm, Gips, Tripolith und Terranova infrage. Die beiden erstgenannten Stoffe können wegen ihrer geringen Wetterbeständigkeit nur in sehr geschützter Lage, also vor allem im Inneren von Gebäuden, angewendet werden. Über Tripolith und Terranova sind die Meinungen hinsichtlich ihrer Wetterbeständigkeit noch sehr geteilt, weshalb bei ihrer Verwendung Vorsicht ratsam ist.

Auf die Behandlung des Putzes hat die Art des Untergrunds – ob Mauerwerk oder Holz – wenig Einfluss; ein Unterschied besteht nur in der Vorbereitung des Untergrunds.

Jede Mauerfläche muss, bevor sie verputzt wird, möglichst trocken sein und sich vollständig gesetzt haben. Danach sind die Fugen mindestens 1 cm tief auszukratzen, die Flächen mit stumpfen Reisigbesen oder Bürsten von Staub und Schmutz zu reinigen und anschließend gut mit Wasser vorzunässen – und zwar umso mehr, je stärker der Untergrund die Feuchtigkeit aufsaugt.

Die Vorbereitung des Holzwerks zur Aufnahme von Putz kann wie folgt geschehen:

  1. Durch Auf- oder Rauhacken des Holzes mit einem scharfen Maurerhammer, besser mit einer Queraxt, sodass die Späne am Holz sitzen bleiben und nur von der Fläche abgebogen werden. Bei senkrechten oder geneigten Flächen muss man von oben nach unten hacken, damit die Späne an ihrem unteren Ende hängen bleiben. Dieses Verfahren ist nicht zu empfehlen, besonders nicht auf Außenflächen, da der Putz durch das Schwinden des Holzes leicht abfällt.
  2. Durch Berohren , indem man 5 bis 10 mm starke Schilfrohrstängel in Zwischenräumen, die ihrer Stärke entsprechen, parallel zueinander, aber rechtwinklig zur Holzfaser mit Draht und breitköpfigen Rohrnägeln befestigt. Die Drähte werden in Abständen von 10 bis 15 cm in Zickzacklinien () oder rechtwinklig zur Richtung der Rohrstängel () gespannt und durch die verbandmäßig in Abständen von 12 bis 15 cm eingetriebenen Nägel gehalten werden.
Fig. 591: Schematische Darstellung des Berohrens von Holzkonstruktionen zur Putzvorbereitung mit im Zickzack geführten Drähten.
Fig. 592: Schematische Darstellung einer Berohrung auf einer Holzfläche zur Vorbereitung von Putzarbeiten.

:: Sind größere Flächen zu berohren , so verwendet man anstelle der Rohrstängel besser die fabrikmäßig hergestellten Rohrgewebe oder Rohrmatten. Diese werden so verlegt, dass die Längsrichtung der Stängel die Fugen des Holzwerks senkrecht kreuzt, damit die Bewegungen des Holzes beim Schwinden nicht auf das Rohr und den daran haftenden Putz übertragen werden.

Decken, die starken Erschütterungen ausgesetzt sind oder an denen schwere Stuckverzierungen befestigt werden sollen, überzieht man häufig mit zwei sich rechtwinklig kreuzenden Lagen Rohrgewebe. Die Befestigung erfolgt dann entweder auf einer Schalung oder auf Latten, die in Abständen von 20 cm quer unter die Balken genagelt sind ().

Fig. 593: Technische Zeichnung einer zweilagigen Deckenberohrung aus Rohrgewebe als Putzträger für stark beanspruchte Decken.
  1. Durch Aufnageln von Leistenschalungen oder Leistengeflechten, die in den verschiedensten Formen Anwendung finden. Im Rheinland werden besonders die konisch geschnittenen Wurf- oder Pliesterlatten verwendet, die in Abständen von 1,5 bis 2 cm an den Balken zu befestigen sind (). Die Leistengeflechte bestehen aus über Eck stehenden, quadratischen oder speziell profilierten Latten, die mit Draht zu einer Art Mattengewebe verbunden sind. Sie werden unter Verwendung von verzinktem Draht und verzinkten Haken entweder direkt an den Balken oder auf Latten befestigt, die in Abständen von etwa 60 cm quer unter die Balken genagelt sind.
Fig. 594: Querschnittsdarstellung einer Deckenkonstruktion mit konischen Wurf- oder Pliesterlatten als Putzträger.
Fig. 595: Querschnitt eines Holzleisten-Putzträgergeflechts nach dem System von Martin Schubert (Görlitz) mit Befestigungsdetails.

Von den vielen derartigen Geflechten wird in den bis das von Martin Schubert in Görlitz, in das von Ernst Loth & Komp. in Braunschweig und in das von Hermann Kahls in Chemnitz dargestellt.

Fig. 596: Technische Zeichnung eines Holzleistengeflechts zur direkten Befestigung an Deckenbalken als Putzträger.
Fig. 597: Schematische Darstellung eines Putzträger-Leistengeflechts (12 mm) auf einer Schalung aus quer unter Deckenbalken genagelten Latten.
Fig. 598: Eine schematische Darstellung eines zusammengerollten Holzleisten-Geflechts von Martin Schubert aus Görlitz.
Fig. 599: Querschnitt durch ein profiliertes Holzleistengeflecht (Putzträger) der Firma Ernst Loth & Komp. aus Braunschweig.
Fig. 600: Querschnittzeichnung eines Putzträger-Holzleistengeflechts nach dem System von Hermann Kahls aus Chemnitz.

Die Anbringung der Holzleisten-Geflechte erfolgt so, dass beim Aufrollen zunächst nur einige Leisten festgenagelt werden, damit die Matte vorläufig hängt. Danach erfolgt die eigentliche Befestigung: Der 2 mm starke verzinkte Draht wird in Abständen von etwa 1 m angenagelt, durch Hakennägel (vgl. ) in Entfernungen von 10 bis 15 cm fest angezogen und dadurch das Geflecht stramm an die Balken gepresst. Eine solche Befestigung muss auf jedem Balken beziehungsweise jeder Latte erfolgen. Wo zwei Matten aufeinandertreffen (am Stoß), müssen Verbindungs-Kreuzdrähte (vgl. und ) gespannt werden.

  1. Durch Verkleiden mit Gipsdielen oder durch Überspannen der bündig mit der Balkenunterkante verlegten Gipsdielen mit einem Drahtnetz. Im ersten Fall werden $2\frac{1}{2}$ bis 3 cm starke Gipsdielen – mit der glatten Fläche den Balken zugekehrt – mit verzinkten, breitköpfigen Drahtstiften von 7 bis 9 cm Länge quer unter die Balken je dreimal genagelt, wobei die Stöße der Dielen versetzt werden ( und ). Danach werden die Fugen, am besten von oben vor dem Einbringen der Zwischendecke, mit Gipsmörtel verstrichen und die aufgeraute Gipsdielenfläche mit einem 8 bis 10 mm starken Verputz versehen. Im zweiten Fall () werden auf die Unterseite der Balken Dachpappstreifen genagelt, deren raue Seite nach unten gerichtet ist. Anschließend werden in Abständen von 8 bis 9 cm verzinkte, 2 mm starke Drähte über die Balkenunterseite gezogen, die auf jedem Balken mit angelförmigen verzinkten Krampen befestigt werden. Damit die Drähte straff gespannt werden können, werden sie über je drei Balken nicht geradlinig, sondern in einem stumpfen Winkel so gezogen, dass der Draht mit der für den mittleren Balken bestimmten Krampe gedehnt werden kann.
Fig. 601: Technische Zeichnung eines Querschnitts durch eine Holzbalkendecke mit einer Unterverkleidung aus Gipsdielen.
Fig. 602: Technische Zeichnung einer Deckenunteransicht mit einer Verkleidung aus Gipsdielen und Putzschicht.
Fig. 603: Technische Zeichnung einer Deckenkonstruktion mit Gipsdielen und Drahtnetz-Unterspannung in Querschnitt, Längsschnitt und Untersicht.

Auf das Drahtnetz werden dann die hohlen, 10 bis 12 cm starken Gipsdielenstücke quer zu den Balken mit 1 cm Abstand so verlegt, dass die raue Fläche nach unten zeigt. Ihre Fugen werden von oben mit Gipsmörtel verstrichen.

Nachdem die Dachpappstreifen unter den Balken mit Schilfrohr benagelt wurden, wird auf die gesamte Deckenfläche ein $1\frac{1}{2}$ bis $2\text{ cm}$ starker Verputz aufgebracht.

Datenansicht

Schematische Darstellung des Berohrens von Holzkonstruktionen zur Putzvorbereitung mit im Zickzack geführten Drähten.

Fig. 591

Schematische Darstellung des Berohrens von Holzkonstruktionen zur Putzvorbereitung mit im Zickzack geführten Drähten.

Schematische Darstellung einer Berohrung auf einer Holzfläche zur Vorbereitung von Putzarbeiten.

Fig. 592

Schematische Darstellung einer Berohrung auf einer Holzfläche zur Vorbereitung von Putzarbeiten.

Technische Zeichnung einer zweilagigen Deckenberohrung aus Rohrgewebe als Putzträger für stark beanspruchte Decken.

Fig. 593

Technische Zeichnung einer zweilagigen Deckenberohrung aus Rohrgewebe als Putzträger für stark beanspruchte Decken.

Querschnittsdarstellung einer Deckenkonstruktion mit konischen Wurf- oder Pliesterlatten als Putzträger.

Fig. 594

Querschnittsdarstellung einer Deckenkonstruktion mit konischen Wurf- oder Pliesterlatten als Putzträger.

Querschnitt eines Holzleisten-Putzträgergeflechts nach dem System von Martin Schubert (Görlitz) mit Befestigungsdetails.

Fig. 595

Querschnitt eines Holzleisten-Putzträgergeflechts nach dem System von Martin Schubert (Görlitz) mit Befestigungsdetails.

Technische Zeichnung eines Holzleistengeflechts zur direkten Befestigung an Deckenbalken als Putzträger.

Fig. 596

Technische Zeichnung eines Holzleistengeflechts zur direkten Befestigung an Deckenbalken als Putzträger.

Schematische Darstellung eines Putzträger-Leistengeflechts (12 mm) auf einer Schalung aus quer unter Deckenbalken genagelten Latten.

Fig. 597

Schematische Darstellung eines Putzträger-Leistengeflechts (12 mm) auf einer Schalung aus quer unter Deckenbalken genagelten Latten.

Eine schematische Darstellung eines zusammengerollten Holzleisten-Geflechts von Martin Schubert aus Görlitz.

Fig. 598

Eine schematische Darstellung eines zusammengerollten Holzleisten-Geflechts von Martin Schubert aus Görlitz.

Querschnitt durch ein profiliertes Holzleistengeflecht (Putzträger) der Firma Ernst Loth & Komp. aus Braunschweig.

Fig. 599

Querschnitt durch ein profiliertes Holzleistengeflecht (Putzträger) der Firma Ernst Loth & Komp. aus Braunschweig.

Querschnittzeichnung eines Putzträger-Holzleistengeflechts nach dem System von Hermann Kahls aus Chemnitz.

Fig. 600

Querschnittzeichnung eines Putzträger-Holzleistengeflechts nach dem System von Hermann Kahls aus Chemnitz.

Technische Zeichnung eines Querschnitts durch eine Holzbalkendecke mit einer Unterverkleidung aus Gipsdielen.

Fig. 601

Technische Zeichnung eines Querschnitts durch eine Holzbalkendecke mit einer Unterverkleidung aus Gipsdielen.

Technische Zeichnung einer Deckenunteransicht mit einer Verkleidung aus Gipsdielen und Putzschicht.

Fig. 602

Technische Zeichnung einer Deckenunteransicht mit einer Verkleidung aus Gipsdielen und Putzschicht.

Technische Zeichnung einer Deckenkonstruktion mit Gipsdielen und Drahtnetz-Unterspannung in Querschnitt, Längsschnitt und Untersicht.

Fig. 603

Technische Zeichnung einer Deckenkonstruktion mit Gipsdielen und Drahtnetz-Unterspannung in Querschnitt, Längsschnitt und Untersicht.