Eine fast ebenso weite Verbreitung hat die Schürmannsche Decke oder Gewölbeträger-Decke gefunden, deren Patentschutz vor Kurzem vom Erfinder der Kleineschen Decke erworben wurde. Sie unterscheidet sich von der eigentlichen Kleineschen Decke hauptsächlich dadurch, dass die Eiseneinlagen nicht in jede Lagerfuge, sondern in Abständen von 3 bis 5 Steinschichten eingelegt werden. Diese Einlagen () sind so geformt, dass die schrägen Ausbuchtungen als Widerlager für die benachbarten Steine dienen, während die entsprechenden Vertiefungen den Mörtel aufnehmen. Dadurch entsteht eine feste Verdübelung in der Mörtelfuge, und jede Verschiebung zwischen Stein und Eisen wird ausgeschlossen. Diese Buckelschienen werden meist in einer Höhe von 60 mm und einer Stärke von $1\ \frac{1}{4}\text{ mm}$ aus bestem Qualitätseisen gewalzt. Nach amtlichen Zugversuchen besitzen sie eine durchschnittliche Festigkeit von $5300\text{ kg/qcm}$.
Für die Ausführung der Decke ist wie bei der Kleineschen Decke eine Unterschalung erforderlich. Diese wird meist so angebracht, dass zwischen ihr und den unteren Trägerflanschen ein Spielraum von etwa 1 cm verbleibt. Dieser Spielraum wird erzielt, indem man eine 1 cm starke Leiste zwischen Schalung und Trägerflansch einlegt.
Die erste Steinschicht wird an das schräg zugehauene Widerlager der Mauer gelegt und erhält dadurch eine leicht geneigte Lage. Die folgende Schicht wird senkrecht auf die Schalung gesetzt, die dritte wieder schräg, passend zum Widerlager der danach einzulegenden Buckelschiene. Dadurch entstehen zwischen den einzelnen Steinschichten keilförmige Fugen (). Die Deckenfelder zwischen zwei Buckelschienen wirken wie flach gekrümmte Gewölbekappen (vgl. und ). Ihr Seitenschub wirkt in gleicher Richtung wie die Hauptträger, ist wegen der geringen Spannweite der Kappen jedoch so klein, dass eine Verstärkung oder Verankerung der Widerlagermauern nicht erforderlich ist. Anschließend wird die erste Steinschicht der zweiten Kappe wieder schräg gegen das andere Widerlager der Wellblechschiene verlegt und auf diese Weise mit dem Wölben bis zum vollständigen Schließen des Deckenfeldes fortgefahren. Das Vermauern der Steine erfolgt am besten in der in gezeigten Reihenfolge, damit die an den Buckelschienen anliegenden Steine in ihrer geneigten Lage bleiben.
Sobald ein Gewölbefeld vollständig geschlossen ist, gießt man dünnflüssigen Mörtel darüber und verteilt ihn mit dem Besen, um die Fugen ordentlich abzudichten. Bei kleineren Spannweiten (unter 1,20 m) kann die Schalung nach 2 bis 3 Tagen entfernt werden. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass das Abbinden des Mörtels durch trockenes Wetter beschleunigt und durch feuchtes Wetter verlangsamt wird.
Die Schalbretter werden entweder parallel zu den Deckenträgern verlegt und dann zweckmäßig auf hochkant gelegten, an den unteren Trägerflanschen befestigten Flacheisen (vgl. und ) gelagert, oder man ordnet sie in Querrichtung an. Im letzteren Fall nutzt man vorteilhaft die in dargestellten Rüsteisen. Diese bestehen aus 40 mm breitem und 8 mm starkem Flacheisen und sind so gebogen, dass die beiden Enden 12 cm weit voneinander abstehen. Die Höhe des Rüstholzes wird geregelt, indem man einen Holzkeil zwischen den oberen Trägerflansch und das darüber eingeschobene Steckeisen treibt. Die Schalung sollte bei Spannweiten bis 1,20 m mindestens 25 mm und bei größeren Spannweiten wenigstens 30 bis 35 mm stark sein, um ein Durchbiegen der Schalung und somit auch der Decke während der Arbeiten zu verhindern.
Eine bequeme und kostengünstige Einschalung waagerechter Decken ermöglichen auch die von Stadtbaumeister Hillbrecht in Husum erdachten anziehbaren Verschalungshalter1 ().
Diese werden in Abständen von 1,50 m mit dem Haken a über den oberen Trägerflansch geschoben. Danach legt man in den Haken c am unteren Ende des Bolzens b zwei Schalbretter hochkant als durchlaufende Träger der eigentlichen Schalung ein. Die Richtung dieser Bohlenträger kann parallel oder senkrecht zur Trägerrichtung gewählt werden, je nachdem, ob die Haken des Bolzens senkrecht oder parallel zur Trägerrichtung gedreht sind. Anschließend schiebt man die Schalbretter ein und presst sie durch Anziehen des Bolzens mit dem Schlüssel d fest gegen den unteren Trägerflansch. Das Ausschalen erfolgt durch langsames Zurückdrehen des Schlüssels d.
Die zulässigen Spannweiten für Gewölbeträger-Decken können der folgenden Tabelle entnommen werden:
| Bei Verlegung der Schienen in jeder | Bei Verwendung von flachseitig vermauerten Schwemmsteinen, Format $25 \times 12 \times 10$ cm, in Wohngebäuden | Bei Verwendung von Steinen, Format $25 \times 12 \times 10$ cm, hochkant vermauert in Wohngebäuden (Lochsteine) | Bei Verwendung von Steinen, Format $25 \times 12 \times 10$ cm, hochkant vermauert in Wohngebäuden (Schwemmsteine) | Bei Verwendung von Steinen, Format $25 \times 12 \times 10$ cm, hochkant vermauert in Fabriken usw. (Lochsteine) | Bei Verwendung von Steinen, Format $25 \times 12 \times 10$ cm, hochkant vermauert in Fabriken usw. (Schwemmsteine) | Bei Verwendung von Voll- oder Lochsteinen, Format $25 \times 12 \times 6,5$ cm, hochkant vermauert in Wohngebäuden | Bei Verwendung von Voll- oder Lochsteinen, Format $25 \times 12 \times 6,5$ cm, hochkant vermauert in Fabriken usw. |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 3. Fuge | 1,00 m | 1,80 m | 1,50 m | 1,60 m | 1,20 m | 2,20 m | 1,85 m |
| 4. Fuge | — | 1,40 m | 1,20 m | 1,20 m | — | 1,85 m | 1,60 m |
| 5. Fuge | — | — | — | — | — | 1,50 m | 1,30 m |
Bis zu einer Stützweite der Buckelschienen von 1,50 m empfiehlt sich eine Mörtelmischung aus 1 Teil Zement, 1 Teil Kalk und 5 Teilen Sand; bei größeren Stützweiten eine Mischung aus 1 Teil Zement und 3 Teilen Sand.
Footnotes
- Vgl. Baugewerkszeitung 1899, S. 1624. ↩




