Die Überdeckung von Öffnungen mit einer Spannweite von über 2 m durch scheitrechte Bögen ist nach Möglichkeit zu vermeiden. Auch die in manchen Lehrbüchern beschriebene Hilfskonstruktion, weit gespannte scheitrechte Bögen an darüberliegende Flachbögen aufzuhängen, ist bedenklich: Die Hängeeisen stören den Verband des Mauerwerks, und beim Setzen des Entlastungsbogens wird die abgefangene Last wieder auf den scheitrechten Bogen übertragen, ohne dass man die eingemauerten Hängeeisen nachträglich nachjustieren kann. Will man solche breiten Öffnungen unbedingt waagerecht überdecken, sollte man entweder $1\frac{1}{2}$ bis 2 Steine starke Entlastungsbögen über dem scheitrechten Bogen anordnen () oder stattdessen Stahlträger (Eisenträger) einbauen.
Das Ausmauern des Zwischenraums zwischen Entlastungsbogen und scheitrechtem Bogen darf erst erfolgen, wenn sich die Bögen gesetzt haben und keine weiteren Bewegungen zu erwarten sind. Zudem empfiehlt es sich, leichtes Steinmaterial (Hohlsteine, Schwemmsteine) zu verwenden und die Öffnung nicht in voller Wandstärke, sondern an den beiden Außenseiten der Mauer in nur $\frac{1}{2}$ Stein Stärke auszumauern.
Als Lehrgerüst verwendet man meist 8 bis 10 cm dicke Bohlen, die von drei senkrechten Holzstützen getragen werden (vgl. ). Alternativ legt man unter die geplante Wölbung ein Brett und stützt dieses gemäß in der Mitte durch ein zweites, im Winkel von $45^\circ$ geneigtes Brett ab, welches wiederum auf einem dritten, ebenfalls schrägen Brett ruht. Durch das Aufnageln eines Keils zwischen dem zweiten Brett und dem Kopf des dritten sowie durch das Eintreiben des letzteren in Richtung des Pfeiles a lässt sich eine leichte Wölbung (Sprengung) des waagerechten Brettes erzielen, die für den erforderlichen Bogenstich nötig ist.
Tür- und Fensterüberdeckungen besitzen meist Anschläge für die Blendrahmen. Wenn der Innenbogen die gleiche scheitrechte Form erhält wie der Außenbogen, lassen sich beide problemlos im Verband mauern (). Soll der Innenbogen dagegen ein Flachbogen (Segmentbogen) sein, formt man die Oberseite (den Rücken) des Außenbogens ebenfalls flachbogig
und lässt beim Innenbogen das untere Kreissegment des Außenbogens weg ().
Besondere Schwierigkeiten ergeben sich bei der Überwölbung, wenn die Öffnungslaibungen schräg zur Mauerflucht verlaufen. Die Widerlager müssen dann in einzelnen, rechtwinklig zur Mauerflucht stehenden Absätzen () ausgebildet werden. Der Bogen muss eine waagerechte Scheitellinie aufweisen, da er andernfalls – besonders an den Widerlagern – aus lauter unregelmäßig behauenen Steinen bestünde. Für die Ausführung sucher Gewölbe sind besonders erfahrene Maurer erforderlich, da die einzelnen Widerlagsflächen unterschiedliche Neigungen erhalten müssen.
Flachbögen
Flachbögen finden sowohl bei verputzten Bauten als auch bei Sichtmauerwerk (Ziegelrohbau) Verwendung. Bei Sichtmauerwerk ist darauf zu achten, dass die Pfeilhöhe (der Stich) nicht zu gering gewählt wird. Da sich Bögen nie ganz gleichmäßig setzen, fällt diese Verformung umso stärker und unregelmäßiger aus, je flacher der Bogen konstruiert ist. Die ungleichmäßig
verlaufende Bogenlinie wirkt optisch dauerhaft störend. Daher sollte das Verhältnis zwischen Pfeilhöhe und Spannweite bei unverputztem Ziegelmauerwerk niemals unter 1 : 8 liegen. Werden die Bögen dagegen später verputzt, kann man problemlos einen flachereren Bogenstich von 1/10 bis 1/12 wählen.
Bei Fenstern und Türen mit Anschlag tritt oft das Problem auf, dass sich die Flügel nicht vollständig öffnen lassen, wenn auch der Innenbogen als Flachbogen gewölbt ist und sich die Flügel um vertikale Achsen drehen sollen. Diesem Nachteil kann man oft begegnen, indem man den Anschlag des Bogens mindestens $1/2$ Stein breit oder noch tiefer ausführt. Reicht dies nicht aus, stattet man die Fenster oder Türen entweder mit feststehenden oder um waagerechte Achsen drehbaren Oberlichtern (sogenannten Klappfenstern) aus. Alternativ wölbt den Innenbogen mit einem entsprechend geringeren Stich bzw.
als scheitrechten Bogen ein (vgl. die Figuren bis ). auf. Sollen bei diesen Bogenformen Flügelrahmen verwendet werden, die sich um lotrechte Achsen drehen, führt man die Laibung vertikal bis zum Scheitel des äußeren Bogens hinauf und überdeckt die innere Mauernische mit einem Flachbogen ( bis ).












