Abschnitt 72

Offene Klostergewölbe

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Diese Gewölbeformen kann man sich so entstanden vorstellen, dass in einen fiktiven, mit einem gewöhnlichen Klostergewölbe überdeckten Raum ein zweiter, kleinerer Raum eingebaut wird, dessen Ecken auf die Wandseiten des ersten Raumes treffen. Die Schnittlinien der Umfassungswände dieses eingebauten Raumes mit dem ursprünglichen Gewölbe bilden dann die Stirnlinien des neuen Gewölbes. Solche Gewölbe bezeichnet man als „offene“ oder „über Eck stehende Klostergewölbe“, manchmal auch als „Klostergewölbe mit Abstumpfungen“.

In ist ein solches Gewölbe über einem dreieckigen Raum dargestellt. Das Dreieck $abc$ stellt den Grundriss des mit dem ursprünglichen Klostergewölbe überdeckten Raumes dar. Die Grundrissprojektion $s$ des Scheitelpunktes liegt im Schnittpunkt der Winkelhalbierenden der Ecken. Die Kehllinien $as$, $bs$ und $cs$ stehen senkrecht auf den Seiten des eingebauten Raumes $def$ und halbieren diese in den Punkten $g$, $h$ und $i$. Somit ist $s$ der Schwerpunkt des Raumes $def$.

Wählt man nun als Leitlinie der Wange $c-b-s$ über $e-s$ eine stetig gekrümmte Kurve (hier einen Viertelkreis), lassen sich mithilfe von Erzeugenden I, II usw. auf einfache, aus der Zeichnung ersichtliche Weise die Stirnlinien $d-h-e$, $e-i-f$ und $f-g-d$ sowie auch die Gratlinien $h-s$, $i-s$ und $g-s$ bestimmen. Dies geschieht mithilfe der Höhenlote 1—2, 3—4, 4—5 usw. der Leitlinie $e-s$.

Soll ein offenes Klostergewölbe über einem quadratischen Raum ausgeführt werden, verlaufen die Seiten dieses Raumes im Winkel von $45^\circ$ zu den Wänden des fiktiven, mit einem gewöhnlichen Klostergewölbe überspannten Raumes. Gleichzeitig verbinden sie die Mittelpunkte von dessen Wandseiten. In sei $abcd$ der mit dem gewöhnlichen Klostergewölbe überdeckte Raum (mit einem Halbkreis über $eg$ als Leitlinie) und $efgh$ der tatsächlich mit dem offenen Klostergewölbe zu überwölbende Raum. Um

Fig. 466.: Grundriss-Schema zur Anordnung von Lehrbögen für ein quadratisches offenes Klostergewölbe.
Fig. 467.: Schematische Darstellung der Anordnung von Lehrbögen für ein offenes Klostergewölbe im Grundriss.

den Schnitt in Richtung $A-B$ darzustellen, muss man bedenken, dass alle horizontalen Schnitteebenen parallel zu den Kämpferlinien des Raumes $abcd$ das Gewölbe in waagerechten Linien schneiden müssen. Aus diesem Grund gilt:

$$ \begin{aligned} n\ o &= n_1\ o_1 \ q\ r &= q_1\ r_1 \ t\ u &= t_1\ u_1 \ w\ x &= w_1\ x_1 \end{aligned} $$

und

$$ \begin{aligned} n\ p &= n_2\ p_2 \ q\ s &= q_2\ s_2 \ t\ v &= t_2\ v_2 \ w\ y &= w_2\ y \end{aligned} $$

sein muss.

Die Einwölbung eines derartigen Gewölbes geschieht am besten auf Kuf, wie in angedeutet. Die Lehrbögen sind dann je nach der Spannweite entweder in der durch oder veranschaulichten Weise aufzustellen.

Fig. 468.: Grundriss eines Klostergewölbes über einem regelmäßigen achteckigen Raum mit tief einschneidenden Stichkappen für Lichtöffnungen.

In den und ist ein Klostergewölbe über einem regelmäßigen achteckigen Raum dargestellt, dessen Leitlinie ein Spitzbogen ist. Solche Gewölbe werden als Haubengewölbe oder Walmkuppeln bezeichnet. Zur Überdeckung der hoch liegenden Lichtöffnungen werden Stichkappen verwendet, die weit in das Hauptgewölbe eindringen.

Datenansicht

Geometrische Konstruktionszeichnung (Grundriss) zur Bestimmung der Lagerfugen und Form von Gewölbewangen.

Fig. 463.

Geometrische Konstruktionszeichnung (Grundriss) zur Bestimmung der Lagerfugen und Form von Gewölbewangen.

Geometrische Konstruktionszeichnung (Grundriss) eines offenen bzw. über Eck stehenden Klostergewölbes über einem quadratischen Raum (Fig. 464).

Fig. 464

Geometrische Konstruktionszeichnung (Grundriss) eines offenen bzw. über Eck stehenden Klostergewölbes über einem quadratischen Raum (Fig. 464).

Grundriss-Schema zur Anordnung von Lehrbögen für ein quadratisches offenes Klostergewölbe.

Fig. 466.

Grundriss-Schema zur Anordnung von Lehrbögen für ein quadratisches offenes Klostergewölbe.

Schematische Darstellung der Anordnung von Lehrbögen für ein offenes Klostergewölbe im Grundriss.

Fig. 467.

Schematische Darstellung der Anordnung von Lehrbögen für ein offenes Klostergewölbe im Grundriss.

Grundriss eines Klostergewölbes über einem regelmäßigen achteckigen Raum mit tief einschneidenden Stichkappen für Lichtöffnungen.

Fig. 468.

Grundriss eines Klostergewölbes über einem regelmäßigen achteckigen Raum mit tief einschneidenden Stichkappen für Lichtöffnungen.

Fig. 469.

Fig. 469.