Abschnitt 4

1. Mauern aus Ziegelsteinen

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Zur Herstellung des Mauerverbandes sind neben ganzen Steinen auch Teilsteine erforderlich, die gewöhnlich durch das Zerteilen ganzer Steine auf der Baustelle gewonnen werden.

Solche Teilsteine sind:

  1. Dreiquartiere oder Dreiviertelsteine (), die dieselbe Breite, aber nur $3/4$ der Länge eines ganzen Steines aufweisen;
  2. Halbe Steine oder Köpfe (), die die gleiche Breite und die halbe Länge eines ganzen Steines haben;
Fig. 5.: Schematische Darstellung eines Dreiquartiers (Dreiviertelsteins) als Teilstein im Mauerwerksbau.
  1. Riemchen ( bis ), die entweder die ganze, die dreiviertel oder die halbe Länge und in jedem Fall die halbe Breite eines ganzen Steines besitzen. Riemchen mit nur der halben Länge eines ganzen Steines () bezeichnet man auch als Viertelsteine oder Quartierstücke.
Fig. 6.: Schematische Darstellung eines halben Ziegelsteins (Kopf) im Verhältnis zu einem ganzen Stein.
Fig. 7.: Schematische Darstellung eines Riemchens mit ganzer Länge und halber Breite im Vergleich zu einem ganzen Ziegelstein.
Fig. 8.: Schematische Darstellung eines Riemchens mit Dreiviertellänge und halber Breite im Verhältnis zu einem ganzen Ziegelstein.
Fig. 9.: Eine schematische Zeichnung eines Ziegelstein-Teilstücks, das als Viertelstein oder Quartierstück (Riemchen) bezeichnet wird (Fig. 9).
Fig. 10.: Eine bautechnische Schemazeichnung einer Läuferschicht in Ansicht und Aufsicht.

Im Mauerwerk bezeichnet man ganze Steine als Läufer, wenn sie in der Ansicht die Längsseite zeigen, und als Strecker oder Binder, wenn die Breit- oder Kopfseite sichtbar ist. Demzufolge spricht man auch von Läufer- oder Streckerschichten, je nachdem auf der Ansichtsseite die Längs- oder Breitseiten der Steine zu sehen sind (vgl. und ). Liegen die Steine einer Schicht so auf einer Längsseite, dass in der Ansicht die Kopfseiten sichtbar sind und die Schichthöhe der Steinbreite entspricht, nennt man diese eine Rollschicht (). Eine Schicht, in der die flach aufliegenden Steine so ausgerichtet sind, dass ihre Stoßfugen schräg (meist im Winkel von $45^\circ$) zur Mauerflucht verlaufen (), bezeichnet man als Stromschicht, Strom- oder Kreuzlage.

Fig. 11.: Schematische Darstellung einer Strecker- oder Binderschicht im Ziegelmauerwerk in Ansicht und Aufsicht.
Fig. 12.: Schematische Darstellung einer Rollschicht im Mauerwerk in der Ansicht und Aufsicht.
Fig. 13.: Technische Zeichnung einer sogenannten Stromschicht im Ziegelmauerwerk.

Während Länge und Höhe einer Mauer in Metern und Zentimetern angegeben werden, drückt man die Mauerstärke meist in Backsteinbreiten aus. Eine Mauer mit der Stärke einer Steinbreite wird als eine $1/2$ Stein starke Mauer bezeichnet, eine mit der Stärke einer Steinlänge als eine...

--eine 1 Stein starke Mauer genannt usw. Die Stärke der Stoßfugen ist bereits durch das Steinmaß vorgegeben, da zwei Steinbreiten einschließlich einer Stoßfuge einer Steinlänge entsprechen müssen. Da die Steinbreite $12\text{ cm}$und die Steinlänge$25\text{ cm}$beträgt, muss die Stoßfuge$1\text{ cm}$ breit sein. Daraus ergeben sich folgende Mauerstärken:

Für eine Mauer,$1/2$ Stein stark$= 12\text{ cm}$
" " "$1$ " "$= 25\text{ cm}$
" " "$1\ 1/2$ " "$= 38\text{ cm}$
" " "$2$ " "$= 51\text{ cm}$
" " "$2\ 1/2$ " "$= 64\text{ cm}$
" " "$3$ " "$= 77\text{ cm}$
" " "$3\ 1/2$ " "$= 90\text{ cm}$ usw.

Die Stärke der Lagerfugen wird meist etwas größer als die der Stoßfugen gewählt, in der Regel $12\text{ mm}$, oder man rechnet mit$13$Mauerschichten auf$1\text{ m}$ Höhe.

Um Mauerlängen nach Steinbreiten zu berechnen, kann man die drei Formeln $x \cdot 13 - 1$, $x \cdot 13$ und $x \cdot 13 + 1$ anwenden, je nachdem, ob man das Längenmaß zwischen zwei ausspringenden Ecken, zwischen einer ausspringenden und einer einspringenden Ecke oder zwischen zwei einspringenden Ecken ermitteln will. Aus lässt sich die Anwendung dieser Formeln auf die verschiedenen Fälle leicht ersehen. Dabei bedeutet $x$ die jeweilige Kopfzahl und die Zahl $13$ das Kopfmaß plus Fuge in Zentimetern.

Fig. 14.: Ein historischer Textausschnitt zur Berechnung von Mauerlängen und Fugenspaltstärken bei Ziegelmauerwerk.

Beim Errichten einer Mauer muss vor allem darauf geachtet werden, dass weder im Innereren noch auf den Sichtflächen die Fugen zweier aufeinanderfolgender Schichten zusammenfallen und dass in den einzelnen Schichten die Stoßfugen geradlinig durchlaufen – oder wie es im Handwerk heißt: Es muss Schnittfuge gehalten werden. Des Weiteren ist anzustreben, dass im Inneren einer Mauer so weit wie möglich ganze Steine verwendet und diese so verlegt werden, dass sie sich in zwei aufeinanderfolgenden Schichten um das halbe Längen- und das halbe Breitenmaß überdecken.

Fig. 15.: Ein technisches Diagramm zur Veranschaulichung der Berechnung von lichten Mauerweiten zwischen zwei einspringenden Ecken unter Verwendung einer mathematischen Formel.

Datenansicht

Schematische Darstellung eines Dreiquartiers (Dreiviertelsteins) als Teilstein im Mauerwerksbau.

Fig. 5.

Schematische Darstellung eines Dreiquartiers (Dreiviertelsteins) als Teilstein im Mauerwerksbau.

Schematische Darstellung eines halben Ziegelsteins (Kopf) im Verhältnis zu einem ganzen Stein.

Fig. 6.

Schematische Darstellung eines halben Ziegelsteins (Kopf) im Verhältnis zu einem ganzen Stein.

Schematische Darstellung eines Riemchens mit ganzer Länge und halber Breite im Vergleich zu einem ganzen Ziegelstein.

Fig. 7.

Schematische Darstellung eines Riemchens mit ganzer Länge und halber Breite im Vergleich zu einem ganzen Ziegelstein.

Schematische Darstellung eines Riemchens mit Dreiviertellänge und halber Breite im Verhältnis zu einem ganzen Ziegelstein.

Fig. 8.

Schematische Darstellung eines Riemchens mit Dreiviertellänge und halber Breite im Verhältnis zu einem ganzen Ziegelstein.

Eine schematische Zeichnung eines Ziegelstein-Teilstücks, das als Viertelstein oder Quartierstück (Riemchen) bezeichnet wird (Fig. 9).

Fig. 9.

Eine schematische Zeichnung eines Ziegelstein-Teilstücks, das als Viertelstein oder Quartierstück (Riemchen) bezeichnet wird (Fig. 9).

Eine bautechnische Schemazeichnung einer Läuferschicht in Ansicht und Aufsicht.

Fig. 10.

Eine bautechnische Schemazeichnung einer Läuferschicht in Ansicht und Aufsicht.

Schematische Darstellung einer Strecker- oder Binderschicht im Ziegelmauerwerk in Ansicht und Aufsicht.

Fig. 11.

Schematische Darstellung einer Strecker- oder Binderschicht im Ziegelmauerwerk in Ansicht und Aufsicht.

Schematische Darstellung einer Rollschicht im Mauerwerk in der Ansicht und Aufsicht.

Fig. 12.

Schematische Darstellung einer Rollschicht im Mauerwerk in der Ansicht und Aufsicht.

Technische Zeichnung einer sogenannten Stromschicht im Ziegelmauerwerk.

Fig. 13.

Technische Zeichnung einer sogenannten Stromschicht im Ziegelmauerwerk.

Ein historischer Textausschnitt zur Berechnung von Mauerlängen und Fugenspaltstärken bei Ziegelmauerwerk.

Fig. 14.

Ein historischer Textausschnitt zur Berechnung von Mauerlängen und Fugenspaltstärken bei Ziegelmauerwerk.

Ein technisches Diagramm zur Veranschaulichung der Berechnung von lichten Mauerweiten zwischen zwei einspringenden Ecken unter Verwendung einer mathematischen Formel.

Fig. 15.

Ein technisches Diagramm zur Veranschaulichung der Berechnung von lichten Mauerweiten zwischen zwei einspringenden Ecken unter Verwendung einer mathematischen Formel.