Abschnitt 88

f Fächer- oder Trichtergewölbe

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Das Fächergewölbe , auch Trichter- oder Strahlengewölbe, normannisches oder angelsächsisches Gewölbe genannt, besitzt als Laibungsfläche eine Umdrehungsfläche. Diese wird durch Drehung einer ebene Kurve um eine lotrechte Achse erzeugt, die Tangente in einem Endpunkt der Kurve ist. Die Erzeugende ist meist ein Viertelkreis oder ein halber Spitzbogen, seltener eine elliptische Linie oder ein Korbbogen. Gewöhnlich sind die Laibungsflächen durch vortretende gegliederte Rippen in viele schmale Gewölbefelder, die sogenannten „Fächer“ oder Gewölbefächer, zerlegt. Die derart gegliederten Gewölbekörper werden von Stützen getragen, deren Querschnitt ein Kreis oder ein regelmäßiges Vieleck ist, oft nimmt er auch durch Hinzufügung rechteckiger oder geschwungener Vorlagen die Kreuzform an. Die Zahl der von einer Stütze ausgehenden Rippen kann beliebig sein. Meist wählt man sie jedoch so, dass sich die gegen die Gewölbefächer vortretenden Teile der Rippen schon am Kämpfer oder doch in geringer Höhe darüber voll entwickeln können. Handelt es sich um die Überdeckung kleinerer Räume mit Fächergewölben, so treten die Stützen als Mauervorlagen auf. Ist dagegen ein Raum von ausgedehnter Grundfläche mit Fächergewölben zu überspannen, so ist der Raum durch Pfeilerstellungen in einzelne quadratische oder rechteckige Abteilungen von möglichst gleichen Abmessungen zu zerlegen.

Die Rippen der einzelnen Gewölbefelder lässt man entweder sternartig zusammentreten oder gegen waagerecht liegende, kreisförmige Abschlussrippen stoßen. Ein Fächergewölbe der ersteren Art veranschaulichen die und , ein solches der zweiten Art die und .

Als Erzeugende der Umdrehungsfläche des Rippensystems ist in der um $e$ beschriebene Schenkel $a\ s$ eines in der Richtung $a\ c$ stehenden Spitzbogens gewählt. Die Rippeneinteilung ist so vorgenommen, dass die von ihnen begrenzten Winkel in der Grundrissprojektion einander gleich sind. Die Bogenlinien $a\ f$, $a\ g$ und $a\ h$ müssen dann Kreisbögen sein, die alle mit dem unveränderlichen Halbmesser $a\ e$ aus $i$, $k$ und $l$ beschrieben werden können. Die Höhenlage der Scheitelpunkte dieser Kreisbögen ist gleich $m_1\ m_1$, $n_1\ n_1$ und $o_1\ o_1$.

Unter Benutzung dieser sowie einiger weiterer Höhenlote der Rippen ist die Darstellung der Schnittzeichnung A–B leicht auszuführen.

Die zwischen den Rippen liegenden Kappenfelder können mit Busung als Kugelflächen eingewölbt werden. Die in $e$ auf $a\ e$, in $l$ auf $a\ l$, in $k$ auf $a\ k$ und in $i$ auf $a\ i$ errichteten Lote bestimmen in ihren Schnitten 1, 2 und 3 die Kugelmittelpunkte der Kappen I, II und III. Mithin erscheinen die Lagerfugen dieser Kappen in der Grundrissprojektion als Kreisbögen, die aus 1, 2 und 3 beschrieben werden.

Sollen die Scheitelpunkte aller Rippen die gleiche Höhenlage über der Kämpferebene haben, so sind diese durch horizontal liegende Abschluss- und Kranzrippen $a$ und $b$ () zu verspannen. Die Einwölbung der Kappenfelder zwischen den Fächerrippen kann wiederum nach Kugelflächen erfolgen. Die Zwickel $c$können durch Steinplatten, durch flache\ böhmische Kappen oder durch Klostergewölbe geschlossen werden, während die Kreisflächen$d$ gewöhnlich durch eine flache Kuppel überdeckt werden.

Fig. 572.: Geometrische Konstruktionszeichnung zur Ermittlung der Rippen und Kappen eines Fächergewölbes im Grundriss.
Fig. 573.: Schnittzeichnung eines gotischen Fächergewölbes mit spitzbogigen Arkaden und fächerartig aufsteigenden Gewölberippen.
Fig. 574.: Schematischer Grundriss eines gotischen Fächergewölbes mit konstruktiven Details.
Fig. 575.: Eine architektonische Schnittzeichnung (Schnitt A-B, Fig. 575) von spitzbogigen Arkaden mit Rippengewölbeansatz und Deckenkonstruktion.

Datenansicht

Geometrische Konstruktionszeichnung zur Ermittlung der Rippen und Kappen eines Fächergewölbes im Grundriss.

Fig. 572.

Geometrische Konstruktionszeichnung zur Ermittlung der Rippen und Kappen eines Fächergewölbes im Grundriss.

Schnittzeichnung eines gotischen Fächergewölbes mit spitzbogigen Arkaden und fächerartig aufsteigenden Gewölberippen.

Fig. 573.

Schnittzeichnung eines gotischen Fächergewölbes mit spitzbogigen Arkaden und fächerartig aufsteigenden Gewölberippen.

Schematischer Grundriss eines gotischen Fächergewölbes mit konstruktiven Details.

Fig. 574.

Schematischer Grundriss eines gotischen Fächergewölbes mit konstruktiven Details.

Eine architektonische Schnittzeichnung (Schnitt A-B, Fig. 575) von spitzbogigen Arkaden mit Rippengewölbeansatz und Deckenkonstruktion.

Fig. 575.

Eine architektonische Schnittzeichnung (Schnitt A-B, Fig. 575) von spitzbogigen Arkaden mit Rippengewölbeansatz und Deckenkonstruktion.