Abschnitt 105

Putzarten und Ausführung

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Der Rappputz , Berapp oder raue Bewurf findet in untergeordneten Räumen, besonders in Keller- und Dachböden, Anwendung und dient dazu, Unebenheiten des Mauerwerks auszugleichen, vor allem aber die Fugen auszufüllen. Er wird durch einmaliges Anwerfen von Mörtel mit der Kelle hergestellt, mit der er auch oberflächlich geglättet wird.

Der gestippte, gestupfte oder Besenputz entsteht dadurch, dass man einen in dickerer Schicht angeworfenen Rappputz mit einem stumpfen Besen stippt oder stupft, sodass seine Oberfläche ein gleichmäßig gekörntes Aussehen erhält.

Den Rieselputz oder Rieselbewurf erhält man, wenn über einem Rappputz ein zweiter Mörtelanwurf ausgeführt wird, dem gleichgroße Kiesel von $4$ bis $6\text{ mm}$ Durchmesser beigemischt sind.

Der gewöhnliche Putz besteht ebenso wie der Rieselputz aus zwei Mörtellagen. Zuerst werden die Fugen mit einem dünnflüssigen, groben Mörtel ausgeworfen (bestochen, ausgeschweißt). Darauf wird ein erster rauer Anwurf in dünner Schicht ausgeführt, den man leicht erstarren lässt, bis er feine Risse zeigt. Darauf folgt ein zweiter Bewurf mit magerem Mörtel, der mit dem Reibebrett mehr oder weniger geglättet wird.

Der Spritzbewurf, auch Besenbewurf genannt, besteht aus drei Mörtellagen. Nachdem wie beim gewöhnlichen Bewurf die beiden unteren Mörtellagen hergestellt und die Oberfläche der zweiten Lage leicht geglättet wurde, wird ein dünner Mörtel aus Kalk und mittelfeinem Quarzsand mit gleichmäßigem Korn mit einem Besen angespritzt. Dieses Anspritzen erfolgt, indem man den mit Mörtel gefüllten Besen mit der rechten Hand so gegen einen in der linken Hand gehaltenen Stab schlägt, dass der Mörtel gegen die Wand geschleudert wird.

Feiner oder glatter Putz besteht aus drei Lagen, die nacheinander angeworfen werden, sobald der jeweils vorhergehende Bewurf etwas angezogen hat und so steif geworden ist, dass er sich durch das Gewicht der nächsten Schicht nicht von der Wand löst. Der dritte Bewurf wird mit einem etwas fetteren, mit sehr feinem Sand hergestellten Mörtel aufgezogen und, sobald er fest genug ist, mit dem Reibebrett sorgfältig geglättet. Während des Glättens muss der Bewurf ständig mit dem Pinsel (Quast) genässt werden, da der Putz sonst durch das Reiben zu schnell trocknet und abfällt (der Putz wird „totgerieben“).

Zur Herstellung des gewöhnlichen und des glatten Putzes wird die Wand zunächst mit dem Senklot und der Schnur vermessen, um die erforderliche Putzstärke zu ermitteln. Dabei wirft man in vertikalen Abständen von $1,50$ bis $1,70\text{ m}$ und in horizontalen Abständen von $1,0$ bis $1,20\text{ m}$ die sogenannten Lehrpunkte oder Lehrköpfe (), die den richtigen Abstand zur Wand vorgeben, mit rauem Putzmörtel an und glättet sie oberflächlich mit dem Reibebrett. Je zwei übereinanderliegende Lehrpunkte werden dann durch das Auftragen von Mörtel zu $12$ bis $15\text{ cm}$ breiten Lehrstreifen oder Putzlehren mittels Richtscheits und Senklots verbunden und mit dem Reibebrett geglättet. Die Oberflächen dieser Streifen müssen in einer genau vertikalen Ebene liegen. Sie treten so weit vor der Mauer hervor, dass der Putz in den Feldern dazwischen eine durchschnittliche Stärke von $15$ bis $20\text{ mm}$ erhält. Ob die Lehrstreifen eine lotrechte Ebene bilden, prüft man durch das Einloten mit einem angelegten Richtscheit, während das Ausrichten in waagerechter Richtung mit der Schnur erfolgen kann. Die Felder zwischen den Lehrstreifen werden dann mit Putzmörtel von der Tünchscheibe (auch Dünnscheibe genannt) mit der Kelle angeworfen. Der über die Lehrstreifen vorstehende Mörtel wird mit einem Richtscheit abgestreift, das man auf den Putzlehren mit kurzen Links-Rechts-Bewegungen von unten nach oben führt. Dabei hinterlassen die Sandkörner im Putz Wellenlinien, was ein Abreißen größerer Putzteile verhindert. Trotz sorgfältigster Ausführung bleiben im Putz meist einzelne Vertiefungen, sogenannte Nester, zurück, die mit Mörtel auszufüllen und mit der Kelle glattzustreichen sind. Danach wird die gesamte Putzfläche mit der Kardätsche – einem großen, länglichen Reibebrett, das an einem Handgriff mit beiden Händen in kreisenden Bewegungen geführt wird – abgerieben. Eventuell verbleibende Vertiefungen werden mit feinkörnigem Mörtel ausgefüllt und mit einem kleinen Reibebrett geglättet.

Fig. 612.: Technische Zeichnung zur Veranschaulichung der Anlage von Lehrpunkten und Lehrstreifen (Putzlehren) an einer Ziegelwand zur Vorbereitung des Verputzens.

Sollen Putzflächen im Inneren von Gebäuden besonders glatt werden, werden sie „gefilzt“, das heißt mit filzbezogenen Reibebrettern abgerieben. Dabei verwendet der Maurer sehr fein gesiebten Sand mit Kalk und Gipszusatz. Ein solcher Putz wird als Filzputz bezeichnet.

Verwendet man einen Mörtel aus gemahlenem oder durchgeriebenem Kalk und Gips und legt besonderen Wert auf eine absolut glatte Oberfläche, erhält man den „Stuckputz“.

Einspringende Ecken, sogenannte Ixel , werden mit einem Eckreibebrett, das aus zwei rechtwinklig zusammenstoßenden Brettstücken besteht, scharf ausgezogen. Um vorspringende Mauerecken scharfkantig und lotrecht zu verputzen, wird vor einer der Mauerflächen eine gerade gehobelte Latte mit Putzhaken so befestigt, dass sie mit den Lehrstreifen der anderen Wand in einer Ebene liegt (). Bevor diese Fläche ganz trocken ist, wird die Latte so an ihr befestigt, dass die Kante wieder mit der anderen Fläche bündig abschließt (), und die Kante wird durch Auftragen des Putzes ausgebildet. Sollen die Putzflächen in einem spitzen oder stumpfen Winkel zusammenstoßen, müssen die Putzlatten entsprechend diesem Winkel zugehobelt werden.

Fig. 613.: Schematische Darstellung der Befestigung einer Putzlatte an einer vorspringenden Mauerecke mittels eines Putzhakens.
Fig. 614.: Technische Zeichnung zur Herstellung einer scharfkantigen verputzten Mauerecke unter Verwendung einer Richtlatte (Fig. 614).

Der am besten geeignete Untergrund für Putz ist Ziegelmauerwerk – sowohl wegen der vielen Fugen, in denen der Mörtel Halt findet, als auch wegen der innigen Verbindung, die Mörtel mit gut gebrannten Steinen eingeht. Schwach gebrannte Ziegelsteine besitzen diese Eigenschaft nicht, da die im Ton vorhandene Kieselsäure und Tonerde durch das zu schwache Brennen nicht aufgeschlossen wurde. Sie werden vom Putz nur umhüllt, verbinden sich aber nicht mit ihm. Ähnlich verhalten sich die meisten Natursteine. Deren Oberflächen müssen deshalb vor dem Verputzen mit Meißel und Hammer aufgeraut und die Fugen tief ausgekratzt werden. Aus Lehm gestampfte oder aus Lehmsteinen gemauerte Wände werden in der Regel mit Lehmmörtel verputzt, da Kalkmörtel schlecht auf Lehm haftet. Zementmörtel haftet zwar besser, neigt jedoch wegen des starken Setzens von Lehmwänden bald zu Rissen; zudem kann gefrierende und wieder auftauende Feuchtigkeit in den Lehmwänden den Zementputz absprengen. Da gerade Außenwände Schutz gegen die Witterung benötigen, Lehmputz diesen aber nicht bietet, muss der Schutz dadurch erreicht werden, dass Regen durch weit überstehende Dächer von den möglichst niedrig zu haltenden Wänden abgeleitet und das Aufsteigen von Erdfeuchte durch Isolierschichten verhindert wird.

Datenansicht

Technische Zeichnung zur Veranschaulichung der Anlage von Lehrpunkten und Lehrstreifen (Putzlehren) an einer Ziegelwand zur Vorbereitung des Verputzens.

Fig. 612.

Technische Zeichnung zur Veranschaulichung der Anlage von Lehrpunkten und Lehrstreifen (Putzlehren) an einer Ziegelwand zur Vorbereitung des Verputzens.

Schematische Darstellung der Befestigung einer Putzlatte an einer vorspringenden Mauerecke mittels eines Putzhakens.

Fig. 613.

Schematische Darstellung der Befestigung einer Putzlatte an einer vorspringenden Mauerecke mittels eines Putzhakens.

Technische Zeichnung zur Herstellung einer scharfkantigen verputzten Mauerecke unter Verwendung einer Richtlatte (Fig. 614).

Fig. 614.

Technische Zeichnung zur Herstellung einer scharfkantigen verputzten Mauerecke unter Verwendung einer Richtlatte (Fig. 614).