Abschnitt 98

Gipsestrich

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Gipsestrich wird insbesondere für den feuerhemmenden Abschluss von Deckenbalken zum Dachraum hin verwendet. Der dafür benötigte Gips ist im Handel als „Bodengips“ erhältlich; er ist gröber gemahlen und stärker gebrannt als Stuckgips (Gießgips), um das Abbinden zu verzögern. Die Unterlage des Estrichs bildet eine 2 bis 4 cm starke Schicht aus trockenem Sand, um ihn vom arbeitenden Holztragwerk zu entkoppeln. Da sich Gips beim Erhärten ausdehnt, muss an den Wänden des Raumes zunächst ein Randstreifen frei bleiben. Dieser wird erst ausgefüllt, wenn der gesamte Estrich fertiggestellt und vollständig durchgehärtet ist. Die Breite dieses Randstreifens ist im Einzelfall unterschiedlich und hängt von der Größe der Bodenfläche, der Estrichdicke und der Gipsqualität ab. Dieser Spielraum sollte lieber zu groß als zu klein bemessen werden, da sich der Estrich sonst wellenartig nach oben wölbt und reißt. Der Estrich wird so ausgeführt, dass man im Abstand von 1,0 bis 1,5 m zu einer Wand-Lehrlatte eine zweite Lehrlatte aufstellt und das dazwischenliegende Feld mit flüssig angerührtem Gips ausgießt. Für eine gleichmäßige Dicke und eine waagerechte Oberfläche zieht man eine Richtlatte über die Lehrlatten und füllt Vertiefungen mit Gipsmörtel auf. Nach etwa einer Viertelstunde ist der Estrich so weit erstarrt, dass man die Lehrlatten entfernen und das nächste Feld gießen kann. So fährt man fort, bis der gesamte Boden bedeckt ist. Nach etwa 24 Stunden legt man Laufbretter auf den Estrich, und die Arbeiter verdichten ihn mit Holzschlägeln so lange, bis alle Oberflächenrisse geschlossen sind und die Oberfläche feucht glänzt. Dieser Vorgang wird nach weiteren 6 Stunden wiederholt, danach wird der Estrich mit der Maurerkelle glattgezogen.

Gipsestriche in anspruchsvolleren Räumen werden mitunter mit Sandstein abgeschliffen, wobei Luftblasen mit Gipsmörtel gespachtelt werden. Die Haltbarkeit dieser Böden lässt sich durch zwei- bis dreimaliges Einlassen mit Leinöl oder durch Wachsen (Bohnen) erheblich steigern; dies darf jedoch erst nach der vollständigen Austrocknung des Estrichs erfolgen. Durch das Einlegen von Schablonen oder Latten sowie durch nachträgliches Ausstemmen lassen sich in Gipsböden leicht verschiedenfarbige Muster und Streifen einarbeiten.

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