598. Brückendenkmäler.
Ähnliches gilt, wenn auch gemildert, für die in jüngster Zeit wieder mehr in Aufnahme kommenden Brückendenkmäler . Die Heiligenstatuen, besonders diejenige des hl. Nepomuk, sind nach Art der Prager Moldaubrücke in alten Städten vielfach zur Seite der Brückenfahrbahn auf den Pfeilern errichtet worden. Eine ähnliche Ausstattung zeigt die Mainbrücke bei Würzburg. Aus der Renaissancezeit sind die Engelsbrücke zu Rom sowie die Herkulesbrücke zu Berlin, aus neuerer Zeit die Schlossbrücke zu Berlin und die Freiheitsstatue auf dem Pont de Grenelle zu Paris bekannte Beispiele für Brückenfiguren . Auch die Reiterbilder der Könige Friedrich Wilhelm IV. und Wilhelm I. auf dem linksseitigen und dem rechtsseitigen Portal der Kölner Rheinbrücke gehören hierher. Die Stellung der Brückenfiguren hat den Vorzug, dass sie die nähere Betrachtung der Kunstwerke nur von der Vorderseite gestattet, ein Umstand, der auch bei selbstständigen Denkmälern, wie bei demjenigen des Pierre Corneille auf dem Knickpunkte der Seinebrücke zu Rouen, Heinrichs IV. auf der Mittelinsel des Pont Neuf zu Paris (), des Großen Kurfürsten auf dem Mittelpfeiler der Langen Brücke zu Berlin u. a., ins Gewicht fällt. Besonders für Reiterstandbilder pflegt das Ausschließen der Rückansicht von der näheren Betrachtung erwünscht zu sein. Aber auch an und für sich wird ein Denkmal, umrauscht vom Strom, hinabschauend auf die über die Brücke eilende Menge und auf die im Flusse treibenden Schiffe, stets einen dem menschlichen Gemüt zusagenden Reiz besitzen.
599. Denkmäler als Schlusspunkte.
Viele Übertreibungen hat man sich dadurch zuschulden kommen lassen, dass man Standbilder und Reiterbilder, Brunnendenkmäler und Säulen glaubte in eine Straßenachse rücken zu müssen, um dieselben als Points de vue, als Schlussbilder langer Perspektiven, zu benutzen. Dies ist passend und schön, wenn die Verhältnisse des Denkmales zu denjenigen der Straße richtig abgewogen werden können; sehr oft aber leidet hierbei die Erscheinung des Denkmales und verschwindet fast vor den riesigen Abmessungen der Straße. »In der Kunst des Raumes«, so sagt Sitte^107 mit Recht, »kommt alles auf die gegenseitigen Verhältnisse an, sehr wenig dagegen auf die absolute Größe. Es gibt Zwergbildnisse in Gartenanlagen von 2 m Größe und darüber, dagegen Herkules-Statuetten von bloß Daumenlänge, und doch ist der Große der Zwerg und der Däumling der Heros.« Robert Peel und Queen Anne, Karl I. und Prinz Albert sind infolge ihrer Stellung zu den Londoner Straßen fast zu Statuetten geworden, obwohl die beiden zuletzt Genannten hoch zu Ross sitzen; das Gleiche gilt für das Shakespeare-Standbild auf dem Boulevard Haussmann und das Reiterbild der Jeanne d’Arc am Schluss der Pyramidenstraße zu Paris sowie für viele deutsche Denkmäler. Aber großartig wirken die in gewaltigen Massen sich erhebenden Straßenschlussbilder der Statue der Republik am Ende von sieben und des Triumphbogens (siehe S. 151 u. ) am Ende von zwölf Straßenlinien, der 22 m hohen Mont-Cenis-Pyramide auf dem Statuto-Platz zu Turin, des Tegetthoff-Denkmales auf dem Praterstern zu Wien () u. a. Der Arco del Sempione zu Mailand wirkt prächtig sowohl in unmittelbarer Nähe wie als Schlussbild der an der Nordseite auf ihn gerichteten Straßen, erscheint dagegen sehr unbedeutend, wenn man ihn von Süden über den großen Exerzierplatz hinaus erblickt (). Wir werden im Folgenden etwas näher auf solche Größenverhältnisse eingehen[^108].





