Abschnitt 138

8. Kap. Festschmuck

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611. Vergleich mit den Denkmälern. Die Ausschmückung der Straßen und Plätze bei öffentlichen Festlichkeiten, insbesondere beim Einzug eines Fürsten, bei der Heimkehr siegreicher Truppen, bei kirchlichen Aufzügen, Volksfesten und Trauerfestlichkeiten, stimmt in ihren wesentlichen Grundlagen mit den im vorigen Kapitel besprochenen Denkmalanordnungen überein. Durch rahmen- und torbildende Motive wird die Feststraße hervorgehoben; andere Schmuckwerke am Rande der Feststraße treten zu monumentalen Gebäuden, Straßenabzweigungen usw. in Achsenbeziehung; die Festplätze erhalten Umrahmung und Randschmuck, oft auch einen bedeutsamen Aufbau im Mittelpunkte; Brückenschmuck und Schlussbilder für Fernsichten bilden oft Gegenstände von besonderem Reize.

Wegen des vorübergehenden, meist nur einen oder wenige Tage dauernden Zweckes ist der Künstler in der Wahl seiner Baustoffe auf wohlfeile, leicht in Masse käufliche Stoffe beschränkt, namentlich auf Holz und Leinwand, Stroh und Gips, Tücher und Bänder, Blumen und Strauchwerk. Aber gerade deshalb kann die Farbe in wirksamster Weise zu Hilfe gezogen werden, und das baukünstlerische Schaffen wird auf das Innigste von Bildhauerei, Malerei und Gartenkunst unterstützt.

Fig. 853: Holzstich einer monumentalen temporären Eingangspforte zur Pariser Weltausstellung von 1889 am Quai d'Orsay.
Fig. 854.: Perspektivische Ansicht einer monumentalen Ehrenpforte zum großherzoglichen Jubelfest in Karlsruhe 1885 nach einem Entwurf des Architekten Götz.
Fig. 855: Fotografische Ansicht einer temporären Ehrenpforte mit geschmückten Säulen und Banner beim Wettiner Jubelfest in Dresden 1889.

612. Seitliche Abgrenzung des Festweges. Ist schon die Feststraße mit hellfarbigem Sande, mit Laub, Tannengrün und Blumen bestreut, sind schon die Häuser mit Fahnen und Flaggen, mit Laubgehängen und farbigen Stoffen, mit hellbunten Teppichen und sonstiger Fensterzier ausgestattet; so findet doch oft das Bestreben, den Jubelweg zu verschönern, in der Errichtung von fortlaufenden seitlichen Abgrenzungen seinen besonderen Ausdruck. Hierzu dienen vorwiegend Mastenreihen, die Flaggen und Banner tragen, auch mit Schildern, Kränzen und Blumenvasen geschmückte Postamente, durch Laubgewinde verbunden. Baumreihen und geschlossene Linien von Zierpflanzen sind als Umrahmung nicht minder geeignet. Sind lange Straßenzüge einzufassen, so bedarf es eines wohlabgewogenen Wechsels, der bei der Menge der zur Verfügung stehenden Motive leicht herbeizuführen ist.

Fig. 856.: Lageplan zur Aufstellung zweier Obelisken als temporärer Festschmuck auf dem Dresdner Schloßplatz bei der Wettiner Jubelfeier 1889.

613. Ehrenpforten, Obelisken u. s. w. Torbauten unter dem Namen von »Triumphbogen« und Ehrenpforten pflegen die Feststraße an den Anfangs- und Endpunkten, auch an besonders wichtigen Zwischenstellen, an Kreuzungen und Plätzen, hervorzuheben. Diese Ehrenpforten können aus einfachem Stangenwerk mit Laub-, Blumen- und Fahnenschmuck hergestellt, aber auch fester, reicher und massiger aufgebaut und mit vollendeter architektonischer und figürlicher Dekoration ausgestattet werden, sodass mitunter eine fast monumentale Wirkung erzielt wird. Bemalte Prachttücher, bekränzte Wappenschilde, Banner und flatternde Wimpelleinen geben Farbe und Bewegung. Die in dargestellte Ehrenpforte der Stadt Karlsruhe, welche beim Großherzoglichen Jubelfeste im Jahre 1885 errichtet wurde, ist ein Beispiel bester Art. Minder monumental, aber kennzeichnend für eine leichte, freudige Auffassung ist der Pariser Torbau in , welcher den Anfang der zur 1889er Weltausstellung führenden Kaistraße bildete. Eigenartige Ehrenpforten sind in Berlin »Unter den Linden« beim Einzug des Königs Humbert von Italien aus den in (S. 457) mitgeteilten Gerüsten der elektrischen Beleuchtung hergerichtet worden.

Fig. 857: Historische Aufnahme einer mehrstufigen Festtribüne mit bekröntem Königszelt anlässlich des Wettiner Jubelfestes in Dresden im Jahr 1889.

Die eisernen Masten wurden durch Vergoldung der Zierteile belebt; die von Mast zu Mast die Promenade überspannenden Kabel und Streben wurden mit Blumengewinden umflochten und durch vergoldetes Netzwerk mit rosettenartig eingelassenen grünen Kränzen verbunden; die Lampenkuppeln wurden von mächtigen Blumenkronen verdeckt, von welchen Wappenschilde herabhingen; Rundschilde und Fahnengruppen zierten auch die seitlichen Masten.

Eine schöne Ehrenpforte von der Wettiner Jubelfeier in Dresden zeigt schließlich .

Fig. 858.: Holzstich des monumentalen Trauerschmucks auf der Berliner Schlossbrücke anlässlich der Beisetzungsfeier für Kaiser Wilhelm I. im Jahr 1888.

Torbildend werden auch Paare von Pylonen, Säulen, Obelisken und dergleichen verwendet; in besonders schöner Weise geschah dies bei der vorhin genannten Dresdener Feier durch das von Schilling & Gräbner zwischen dem Königsschloss und der Augustus-Brücke errichtete Obeliskenpaar ().

614. Randschmuck. Den Rand der Straßen- und Platzflächen, besonders vor öffentlichen Gebäuden, an Querstraßen und am Schauplatz von Festhandlungen, schmückt man durch Aufstellung von Ziersäulen und Kandelabern, Rostralsäulen, Trophäen und Standbildern, auch durch Gruppen von Bannermasten, Fahnenbüscheln und Pflanzen. Opferschalen und Feuerbecken, Blumenkörbe und Palmenbüschel vervollständigen den festlichen Rahmen. Die Hauptplätze des Festes oder der Feierlichkeit können auf diese Weise, wenn sie auch in ihrer baulichen Anlage recht zerrissen sind, saalartig abgeschlossen und dadurch erst zu einem brauchbaren Festort umgewandelt werden. Auch Zuschauertribünen, mit Laubgewinden und Blumen, Flaggen und bunten Tüchern geziert, architektonisch gestaltet und ausgebildet (), von geputzten frohen Menschen besetzt, sind als festlicher Randschmuck zu betrachten.

615. Zierbauten in Mittelpunkt-, Achsen- und Schlussstellung. Soll ein feierlicher Vorgang auf einem Platze sich abspielen, so bedarf es in noch höherem Grade des Schmuckes für die innere Platzfläche, sei es unter Betonung des Mittelpunktes, sei es unter Hervorhebung der Hauptachse mit künstlerischem Schlusspunkt. Ein mächtiger, reicher Baldachin oder ein glänzendes Festzelt sind zur Begrüßung fürstlicher Gäste, zur Huldigung von Herrschern und für ähnliche Veranlassungen eine entsprechende Stätte; altarähnliche Aufbauten dienen für kirchliche Feierlichkeiten. Mastengruppen und Trophäen, allegorisch-vaterländische Standbilder, kranzwerfende und posaunenblasende Viktorien sind in dem einen, Statuen des Erlösers und der Schutzheiligen, Fahnen und Kränze sind in dem anderen Falle der angemessene Schmuck.

Fig. 859: Holzstich einer dekorativen Stele des Trauerschmucks auf dem Boulevard Unter den Linden in Berlin zur Beisetzung von Kaiser Wilhelm I. (1888).

Oft wird auch ein Platz, ohne dass er für einen besonderen Festvorgang ausersehen ist, seine Rand- und Mittelpunktdekoration erhalten. Zelt und Baldachin werden hier durch eine Bildsäule, eine Figurengruppe, einen Springbrunnen ersetzt. So dienen auch mächtige Obelisken, Pylonenpaare oder sonstige massige Aufbauten als Schlusspunkte langer Straßeneinblicke^117).

616. Brückenzier. Brücken eignen sich für vorübergehende Festzier fast noch mehr als für dauernde Denkmäler. Zum Schmuck der beiderseitigen Auffahrten oder Zugänge und der Brüstungen gesellt sich hier naturgemäß die festliche Aufstellung der Schiffe. Es gibt kaum ein lustigeres Bild als die Flaggenparade großer und kleiner Fahrzeuge mit weiß leuchtenden, vom Winde geblähten Segeln, mit bunt flatternden Wimpelleinen zwischen den Masten, mit Kränzen und Laubgirlanden. Dass aber auch eine tiefernste Stimmung aus den Trauerflaggen und schwarzen Segeltüchern

Fig. 860: Aufrisszeichnung der temporären dekorativen Umrahmung des Pariser Platzes in Berlin anlässlich der Trauer- und Beisetzungsfeier für Kaiser Wilhelm I. im Jahr 1888.

einer Schiffsparade hervorgehen kann, hat Orths Ausschmückung der Schlossbrücke beim Leichenbegängnis Kaiser Wilhelm I. gezeigt ().

617. Trauerschmuck. Dies führt uns auf die eigenartigste Zier der Stadt, auf die Schaffung einer Trauerstraße , wie wir sie in Berlin beim genannten Anlass erlebt haben^118). Weniger in den eigentlichen Bestandteilen des Straßenschmuckes, als in deren Ausbildung liegt der wesentliche Unterschied des Trauerschmuckes von froher Festzier. Der Verzicht auf Verwendung reicherer Farbe, das Vorherrschen des tiefen Schwarz neben ernstem Grün, sparsames Einfügen von Weiß und Silber, Trauerflore auf Wappen und Fahnen sowie auf allem Gold und Bunt, stumme Ruhe gegenüber der vorhin betrachteten lauten Freude — dies entspricht der lastenden Trauer und stimmt den Beschauer zu ernster Andacht. In , u. sind eine Stele (entworfen von Martens), eine Platzumrahmung (entworfen von Schulze & Klutmann) und ein Schirmzelt über einer Straßenkreuzung (entworfen von Cremer & Wolffenstein) dargestellt, welche von dem stimmungsvollen Schmuck der Berliner Trauerstraße bei Kaiser Wilhelm I. Beisetzungsfeier eine Vorstellung geben sollen.

Fig. 861: Holzstich des monumentalen Trauerzelts an der Kreuzung von »Unter den Linden« und Friedrichstraße in Berlin bei der Beisetzungsfeier Kaiser Wilhelms I. (1888).

Das über einem verzimmerten Holzgerüst hergestellte, $12,50\text{ m}$ im Quadrat große Schirmzelt in bestand aus acht schweren, mit Silberborten besetzten Schals von schwarzem Tuch in doppelter Raffung, einem Oberbehang aus schwarzem Samt mit silbernen Sternen und Reichsadlern und Hermelinbesatz, einem Zeltdach aus schwarzem Stoff mit grünen Laubgewinden, einer umflorten goldenen Kaiserkrone, von welcher breite Hermelindecken, aus weißem Wollstoff mit aufgenähten schwarzen Wollzöpfchen angefertigt, herabhingen; die Gesimsecken waren mit Engelsköpfen und kreuzblumenartigen Federbüscheln, aus Krepp und Drahtgeflecht bestehend, besetzt^118).

Datenansicht

Aufrisszeichnung des von Ludwig Schupmann entworfenen elektrischen Lichtmastes in den mittleren Baumreihen der Straße Unter den Linden in Berlin.

Fig. 759

Aufrisszeichnung des von Ludwig Schupmann entworfenen elektrischen Lichtmastes in den mittleren Baumreihen der Straße Unter den Linden in Berlin.

Holzstich einer monumentalen temporären Eingangspforte zur Pariser Weltausstellung von 1889 am Quai d'Orsay.

Fig. 853

Holzstich einer monumentalen temporären Eingangspforte zur Pariser Weltausstellung von 1889 am Quai d'Orsay.

Perspektivische Ansicht einer monumentalen Ehrenpforte zum großherzoglichen Jubelfest in Karlsruhe 1885 nach einem Entwurf des Architekten Götz.

Fig. 854.

Perspektivische Ansicht einer monumentalen Ehrenpforte zum großherzoglichen Jubelfest in Karlsruhe 1885 nach einem Entwurf des Architekten Götz.

Fotografische Ansicht einer temporären Ehrenpforte mit geschmückten Säulen und Banner beim Wettiner Jubelfest in Dresden 1889.

Fig. 855

Fotografische Ansicht einer temporären Ehrenpforte mit geschmückten Säulen und Banner beim Wettiner Jubelfest in Dresden 1889.

Lageplan zur Aufstellung zweier Obelisken als temporärer Festschmuck auf dem Dresdner Schloßplatz bei der Wettiner Jubelfeier 1889.

Fig. 856.

Lageplan zur Aufstellung zweier Obelisken als temporärer Festschmuck auf dem Dresdner Schloßplatz bei der Wettiner Jubelfeier 1889.

Historische Aufnahme einer mehrstufigen Festtribüne mit bekröntem Königszelt anlässlich des Wettiner Jubelfestes in Dresden im Jahr 1889.

Fig. 857

Historische Aufnahme einer mehrstufigen Festtribüne mit bekröntem Königszelt anlässlich des Wettiner Jubelfestes in Dresden im Jahr 1889.

Holzstich des monumentalen Trauerschmucks auf der Berliner Schlossbrücke anlässlich der Beisetzungsfeier für Kaiser Wilhelm I. im Jahr 1888.

Fig. 858.

Holzstich des monumentalen Trauerschmucks auf der Berliner Schlossbrücke anlässlich der Beisetzungsfeier für Kaiser Wilhelm I. im Jahr 1888.

Holzstich einer dekorativen Stele des Trauerschmucks auf dem Boulevard Unter den Linden in Berlin zur Beisetzung von Kaiser Wilhelm I. (1888).

Fig. 859

Holzstich einer dekorativen Stele des Trauerschmucks auf dem Boulevard Unter den Linden in Berlin zur Beisetzung von Kaiser Wilhelm I. (1888).

Aufrisszeichnung der temporären dekorativen Umrahmung des Pariser Platzes in Berlin anlässlich der Trauer- und Beisetzungsfeier für Kaiser Wilhelm I. im Jahr 1888.

Fig. 860

Aufrisszeichnung der temporären dekorativen Umrahmung des Pariser Platzes in Berlin anlässlich der Trauer- und Beisetzungsfeier für Kaiser Wilhelm I. im Jahr 1888.

Holzstich des monumentalen Trauerzelts an der Kreuzung von »Unter den Linden« und Friedrichstraße in Berlin bei der Beisetzungsfeier Kaiser Wilhelms I. (1888).

Fig. 861

Holzstich des monumentalen Trauerzelts an der Kreuzung von »Unter den Linden« und Friedrichstraße in Berlin bei der Beisetzungsfeier Kaiser Wilhelms I. (1888).