Abschnitt 42

5) Stadttorplätze

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236. Erhaltung alter Stadttore.

Wenn wir unter den Architekturplätzen die »Stadttorplätze« besonders hervorheben, so liegt der Grund darin, dass sich bei den heutigen Stadterweiterungen die Aufgabe so oft wiederholt, die Anforderungen des vergrößerten Verkehrs zu befriedigen und gleichzeitig wertvolle Torbauten – seien sie mittelalterlichen oder neueren Ursprungs – zu erhalten. Teils die aus dem Zwang, welchen solche Bauten lange Zeit dem Verkehr antaten, entsprungene Abneigung, teils geschichtlicher oder künstlerischer Unverstand haben unsere deutschen Städte vieler mittelalterlicher Torburgen beraubt. Nur wenige, und nicht einmal überall die hervorragendsten, sind uns erhalten geblieben. Aber allerorts, wo solche Stadttore vor dem Abbruch gerettet wurden und die Gestaltung ihrer Umgebung den neuen Verkehrsbedürfnissen angepasst worden ist, sind diese alten Baudenkmäler nicht bloß ehrwürdige Zeugen der Geschichte, sondern bilden zugleich kraftvolle Verschönerungen der Stadt. In unseren Abbildungen ( bis ) teilen wir eine Reihe von Beispielen mit.

237. Beispiele.

zeigt, wie am alten Martinstor zu Freiburg i. Br. für den Fußverkehr, welcher neben dem Fahrverkehr im Torbogen keinen Platz findet, ein seitlicher Nebendurchgang geschaffen wurde. Wenn das Bedürfnis dringend wird, könnte ein ähnlicher Umgang an der anderen Straßenseite durchgeführt werden, ohne den Anschluss des Torbaus an die Straßenwand zu zerstören. (Ist inzwischen geschehen.) – In Eisenach () führt die Einfahrt zur Stadt an dem von Stier unter Überwindung der Nivellementsschwierigkeiten glücklich wiederhergestellten Nikolai- oder »Bahnhofstor« vorbei, während der alte Torturm nur für die Ausfahrt dient. – Um den Eschenheimer Turm zu Frankfurt a. M. () sind Fahrwege beiderseits angelegt, sodass die

Fig. 457: Lageplan des Bahnhofstors (Nicolaitor) mit der angrenzenden Nicolaikirche in Eisenach.
Fig. 458: Lageplan des Eschenheimer Tors in Frankfurt am Main zur Veranschaulichung der Verkehrsführung um das historische Torbauwerk.
Fig. 459: Schematischer Grundriss und Verkehrsführungsplan des Martinstors in Freiburg im Breisgau.
Fig. 460: Städtebaulicher Lageplan des Spalentors und des Spalentorplatzes in Basel.
Fig. 461.: Lageplan des Holstentors und seiner städtebaulichen Umgebung in Lübeck.
Fig. 462.: Städtebaulicher Lageplan der Verkehrsführung und Platzgestaltung um das Isartor in München.
Fig. 463.: Lageplan der Porte Saint-Denis in Paris an der Kreuzung von Boulevards und Rue Saint-Denis.
Fig. 464.: Städtebaulicher Lageplan des Rudolfplatzes in Köln mit der Einbindung der Hahnentorburg.
Fig. 465.: Lageplan des Brandenburger Tores und des Pariser Platzes in Berlin mit der Einmündung von Unter den Linden.

Tordurchfahrt nach Möglichkeit entlastet ist. Ähnliche Anordnungen finden sich in Nürnberg ( bis in Kap. 8), Heidelberg, Stendal, Basel (Spalentor, ), Schaffhausen u. a. O.

Fig. 466: Städtebaulicher Lageplan zur städtebaulichen und verkehrlichen Einbindung des Aachener Ponttores mit Maßstabsleiste.
Fig. 467: Grundrissplan der Platzanlage um das Pariser Tor (Porte de Paris) in Lille.

Temple Bar, der alte Torbau zwischen der Londoner City und dem West End, hat zwar dem ungeheuren Verkehr weichen müssen; aber das Temple-Bar-Memorial, ein Pfeileraufbau, an dessen Seiten die Statuen von Königin Victoria und dem Prince of Wales angebracht sind, ist zur bleibenden Bezeichnung der denkwürdigen Stelle mitten auf der Straßenfläche errichtet worden, obwohl auch hierdurch der Verkehr fühlbar beengt wird.

Während um die bisher genannten Torburgen eigentliche Platzflächen nicht angelegt sind, zeigt das Isartor zu München (), welches nebst dem Zwinger als Durchfahrt erhalten ist, eine förmliche Platzanlage, auf welche sechs Straßenzüge münden. – Die alte Hahnentorburg zu Cöln () ist mit einem freien, gärtnerisch ausgeschmückten Platz, dem Rudolfplatz, derart verbunden, dass nur der Fußverkehr durch den Torbogen geht, die Fuhrwerke aber Umfahrten benutzen. Der Hauptverkehr fließt hier nicht in die hinter der Torburg beginnende Hahnenstraße, sondern in die zu diesem Zwecke seitwärts durchgebrochene Mittelstraße.

Mehr landschaftlich geprägt ist die Umgebung des Halleschen Tores (Porte de Hal) in Brüssel, welches seinem ursprünglichen Zweck nicht mehr dient, sondern innerhalb einer Gartenanlage neben dem Boulevard steht und als Waffenmuseum eingerichtet ist.

Das Berliner Tor zu Wesel und das Holstentor zu Lübeck () werden wie das Cölner Hahnentor nur noch als Durchgang benutzt, während zwei Fahrwege herumführen. Wenn auch die Bepflanzung des Platzes in Lübeck recht freundlich wirkt, so erscheint der Torbogen doch leider sehr in die Erde versunken; auch wäre der Umgebung eine würdigere Ausbildung zu wünschen.

Das Ponttor zu Aachen () schließt einerseits die Parkanlagen der Ludwigsallee ab, während es andererseits die Wandung eines umrahmten Platzausschnittes bildet.

Das Pariser Tor zu Lille () steht nach Art eines Triumphbogens auf einer ausgerundeten Straßenkreuzung. – Die Porte Saint-Denis zu Paris () hat eine solche Stellung, dass die Fahrstraße des Boulevards ungestört am Torbau vorübergeht, während der Verkehr zur Rue du Faubourg Saint-Denis einigermaßen behindert ist. – Zwei Florentiner Stadttorplätze haben wir bereits in u. (S. 152) behandelt.

Zum Schluss möge noch ein moderneres Stadttor nebst dem anstoßenden Platz hier erwähnt werden: das Brandenburger Tor zu Berlin ().

Es enthält eine Hauptdurchfahrt und vier Nebenfahrten, während die angebauten Säulenhallen nur dem Fußverkehr dienen. Eine freie Quadratfläche, der Pariser Platz, schließt sich an den Torbau an und bildet den schönen Anfangspunkt der Prachtstraße »Unter den Linden«. In voller Straßenbreite ist die Platzfläche dem Verkehr freigelassen, während die seitlichen Erweiterungen durch zierliche Gartenflächen geschmückt sind. Mit seiner Umgebung bildet der Pariser Platz ein würdiges Vestibül für die deutsche Reichshauptstadt, ähnlich wie die Piazza del Popolo (siehe , S. 149) für Rom.

Datenansicht

Städtebaulicher Lageplan zur städtebaulichen und verkehrlichen Einbindung des Aachener Ponttores mit Maßstabsleiste.

Fig. 466

Städtebaulicher Lageplan zur städtebaulichen und verkehrlichen Einbindung des Aachener Ponttores mit Maßstabsleiste.

Grundrissplan der Piazza del Popolo in Rom im Maßstab 1:2500.

Fig. 367.

Grundrissplan der Piazza del Popolo in Rom im Maßstab 1:2500.

Grundrissplan des kreisrunden Torplatzes alla Croce in Florenz mit dem historischen Stadttor im Zentrum.

Fig. 373

Grundrissplan des kreisrunden Torplatzes alla Croce in Florenz mit dem historischen Stadttor im Zentrum.

Städtebaulicher Lageplan des Cavour-Platzes (heute Piazza della Libertà) in Florenz im Maßstab 1:2500.

Fig. 375

Städtebaulicher Lageplan des Cavour-Platzes (heute Piazza della Libertà) in Florenz im Maßstab 1:2500.

Lageplan des Bahnhofstors (Nicolaitor) mit der angrenzenden Nicolaikirche in Eisenach.

Fig. 457

Lageplan des Bahnhofstors (Nicolaitor) mit der angrenzenden Nicolaikirche in Eisenach.

Lageplan des Eschenheimer Tors in Frankfurt am Main zur Veranschaulichung der Verkehrsführung um das historische Torbauwerk.

Fig. 458

Lageplan des Eschenheimer Tors in Frankfurt am Main zur Veranschaulichung der Verkehrsführung um das historische Torbauwerk.

Schematischer Grundriss und Verkehrsführungsplan des Martinstors in Freiburg im Breisgau.

Fig. 459

Schematischer Grundriss und Verkehrsführungsplan des Martinstors in Freiburg im Breisgau.

Städtebaulicher Lageplan des Spalentors und des Spalentorplatzes in Basel.

Fig. 460

Städtebaulicher Lageplan des Spalentors und des Spalentorplatzes in Basel.

Lageplan des Holstentors und seiner städtebaulichen Umgebung in Lübeck.

Fig. 461.

Lageplan des Holstentors und seiner städtebaulichen Umgebung in Lübeck.

Städtebaulicher Lageplan der Verkehrsführung und Platzgestaltung um das Isartor in München.

Fig. 462.

Städtebaulicher Lageplan der Verkehrsführung und Platzgestaltung um das Isartor in München.

Lageplan der Porte Saint-Denis in Paris an der Kreuzung von Boulevards und Rue Saint-Denis.

Fig. 463.

Lageplan der Porte Saint-Denis in Paris an der Kreuzung von Boulevards und Rue Saint-Denis.

Städtebaulicher Lageplan des Rudolfplatzes in Köln mit der Einbindung der Hahnentorburg.

Fig. 464.

Städtebaulicher Lageplan des Rudolfplatzes in Köln mit der Einbindung der Hahnentorburg.

Lageplan des Brandenburger Tores und des Pariser Platzes in Berlin mit der Einmündung von Unter den Linden.

Fig. 465.

Lageplan des Brandenburger Tores und des Pariser Platzes in Berlin mit der Einmündung von Unter den Linden.

Grundrissplan der Platzanlage um das Pariser Tor (Porte de Paris) in Lille.

Fig. 467

Grundrissplan der Platzanlage um das Pariser Tor (Porte de Paris) in Lille.

Städtebaulicher Lageplan der Umgebung des Weißen Torturms in Nürnberg im früheren Zustand vor dem verkehrsplanerischen Umbau.

Fig. 519

Städtebaulicher Lageplan der Umgebung des Weißen Torturms in Nürnberg im früheren Zustand vor dem verkehrsplanerischen Umbau.

Perspektivische Ansicht des Weißen Torturms in Nürnberg nach erfolgter Verkehrsverbesserung und Schaffung neuer Torbögen.

Fig. 521

Perspektivische Ansicht des Weißen Torturms in Nürnberg nach erfolgter Verkehrsverbesserung und Schaffung neuer Torbögen.