Abschnitt 34

a) Verkehrsplätze

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188. Entstehung und Eigenschaften.

Wenn die im vorhergehenden Kapitel besprochenen Straßenkreuzungen und Straßenvermittlungen sich zur Bewältigung größerer Verkehre weiter ausdehnen, als die angemessene Gestaltung der Baustellen und der Straßenfläche es verlangt, so entstehen die eigentlichen Verkehrsplätze, welche bestimmungsgemäß in ganzer Ausdehnung dem Verkehr der Fuhrwerke, Straßenbahnen usw. freigegeben sind. bis sind Beispiele hierfür; die französischen Sternfiguren sind jedoch kaum zu empfehlen. Die kreisförmige Umfassungslinie ist bei geringem Durchmesser für die Bebauung unbequem. Die auf einen Punkt zugeführten Fahrbewegungen hindern sich gegenseitig. Für den Fußgänger, welcher entweder die ganze Platzfläche zwischen den sich bewegenden Fuhrwerken schutzlos zu überschreiten oder auf den Bürgersteigen am Platzrand einen Umweg zu machen hat, sind solche Anlagen überhaupt unerwünscht und unbehaglich. Diese unangenehme Eigenschaft wird gemildert durch Anordnung von Bürgersteiginseln oder kleinen Kandelaberinseln innerhalb der Platzfläche, auf denen der Hinübergehende Schutz findet ().

Fig. 361: Schematischer Lageplan des Straßburger Platzes in Lille als Beispiel eines Sternplatzes.
Fig. 362: Lageplan des kreisförmigen Ferdinands-Platzes in Dresden im Maßstab 1:2500.
Fig. 363: Grundrissplan des Golden-Sporen-Platzes (Guldensporenplein) vor dem Bahnhofsgebäude in Kortrijk.
Fig. 364: Städtebaulicher Grundrissplan der Piazza Vittorio Emanuele (Viktor-Emanuel-Platz) in Turin.
Fig. 365: Lageplan des sternförmigen Verkehrsplatzes Place Pereire in Paris mit kreuzender Ringbahn.
Fig. 366.: Lage- und Verkehrsplan des Ernst-August-Platzes vor dem Bahnhofsgebäude in Hannover.
Fig. 367.: Grundrissplan der Piazza del Popolo in Rom im Maßstab 1:2500.

189. Teilung und Verschönerung.

Eine solche Teilung der freien Fläche wird umso nötiger, je größer Letztere wird. Die Teilung führt einerseits zur Zersplitterung des Gesamteindrucks, andererseits zur Verschönerung von Einzelheiten – sei es durch eine mosaikartige oder eine sonstige, dem Auge wohltuende Behandlung der Inselflächen, sei es durch teilweise Bepflanzung derselben oder durch Errichtung von Springbrunnen und Zierbauten. Gartenbeete und Baumpflanzungen zeigen z. B. die Bahnhofsplätze zu Straßburg und Hannover ( u. ). Springbrunnen oder Laufbrunnen besitzen der Eylauplatz zu Paris (), die Piazza del Popolo zu Rom () und viele andere; Springbrunnen und Pflanzungen sind in reicher Anordnung vereinigt auf den Plätzen de la Nation und d’Italie ( u. ) zu Paris. Standbilder auf einer Mittelinsel finden wir auf dem Corvetto-Platz zu Genua () und auch auf dem schon genannten Bahnhofsplatz zu Hannover (). Stadttore oder Triumphtore zieren die Place de l’Étoile zu Paris () sowie die Torplätze alla Croce und San Gallo zu Florenz ( u. ). Besonders der Popolo-Platz zu Rom zeigt die Möglichkeit der monumentalen Gestaltung solcher durch den Zusammenfluss mehrerer Verkehrsrichtungen veranlassten Anlagen, obschon dieselben bestimmungsgemäß offen sind, also auf den künstlerischen Vorzug anderer Plätze, die geschlossene Umrahmung, verzichten müssen.

190. Regelmäßige und unregelmäßige Gestalt.

So selten die Grundform eines Kreises oder Vielecks für einen Verkehrsplatz empfehlenswert und so begründet somit die Abneigung gegen die sogenannten Sternplätze ist, so zweckmäßig erscheint die Hälfte eines Kreises oder Vierecks in den häufigen Fällen, wo der aus einer Richtung kommende Verkehr nach verschiedenen Richtungen hin fächerartig zu verteilen ist – besonders an Stadttoren, Brückenköpfen und Bahnhöfen. Eine eigentümliche Form von großem Reiz besitzt der vorhin bereits erwähnte Torplatz del Popolo zu Rom ().

Durch das Stadttor gelangt man in der kurzen Achse auf einen elliptischen Platz, dessen Mittelpunkt ein Obelisk mit vier Laufbrunnen (Tränkebrunnen) einnimmt, während die Längsachse ebenfalls auf Laufbrunnen mündet, hinter welchen bogenförmige Rampenauffahrten, mit Bildwerken geziert, den Platz umgrenzen. Die östlichen Rampen führen in Windungen aufwärts zum Monte Pincio. An die kurze Achse der Ellipse legt sich dann stadtwärts ein Verteilungsplatz an, von welchem die Via di Ripetta, die Via del Corso und die Via del Babuino ausstrahlen. Die beiden Kuppelkirchen zwischen diesen drei Verkehrsstrahlen und die beiden Gebäude zur Seite des Stadttores erhöhen den wahrhaft monumentalen Charakter dieses herrlichen Platzes.

Ein unregelmäßiger, mittelalterlicher Verkehrsplatz, der Hopfenmarkt zu Wismar, ist in dargestellt.

Moderne Verkehrsplätze von unregelmäßiger Gestalt zeigen bis , die den Stadterweiterungen von Posen, Cleve, Brünn und München entlehnt sind. Man bemerke, wie der Blick aus fast allen Straßenrichtungen auf einen Teil der gegenüberliegenden Platzwand fällt, die an sich offenen Plätze also doch eine Art von Geschlossenheit aufweisen, wie ferner die verschiedenen Straßenrichtungen sich nicht in einem Punkte schneiden.

Fig. 368: Lageplan des Bahnhofplatzes vor dem Empfangsgebäude in Straßburg.
Fig. 369: Städtebaulicher Grundrissplan der Place de l’Étoile in Paris mit dem zentralen Triumphbogen und den sternförmig ausstrahlenden Avenuen.
Fig. 370: Städtebaulicher Lageplan der Place des Nations (heute Place de la Nation) in Paris.
Fig. 371: Schematischer Lageplan der kreisrunden Place d'Eylau in Paris mit zentralem Brunnen und strahlenförmig einmündenden Alleen.
Fig. 372: Städtebaulicher Grundriss der Place d'Italie in Paris mit zentraler Brunneninsel und strahlenförmig einmündenden Boulevards.
Fig. 373: Grundrissplan des kreisrunden Torplatzes alla Croce in Florenz mit dem historischen Stadttor im Zentrum.
Fig. 374: Lageplan des kreisrunden Corvetto-Platzes (Piazza Corvetto) in Genua.
Fig. 375: Städtebaulicher Lageplan des Cavour-Platzes (heute Piazza della Libertà) in Florenz im Maßstab 1:2500.

191. Bürgersteiginseln und Denkmäler.

Die Bürgersteiginseln , in Frankreich Refuges und in England Resting places genannt, frei oder bepflanzt, welche auch bei breiten Straßenkreuzungen, bei Straßenerweiterungen und -vermittlungen Verwendung finden, sind auf den Verkehrsplätzen für die Bewegung der Fußgänger von großer Bedeutung. Sie sind am meisten in den Großstädten Paris, Berlin, London ausgebildet, wo man alle zwischen den Hauptfahrtrichtungen sich bildenden neutralen Stellen um eine Stufe zu erhöhen pflegt, oft genug, ohne auf eine gefällige Form dieser Inseln Bedacht zu nehmen.

Fig. 376: Grundriss des Hopfenmarkts in Wismar als Beispiel eines unregelmäßig geformten historischen Verkehrsplatzes.
Fig. 377: Lageplan eines Verkehrsplatzes mit Bürgersteiginsel und Straßenverzweigungen aus der Stadterweiterung von Posen.
Fig. 378: Lageplan eines asymmetrischen Verkehrsplatzes mit bepflanzter Bürgersteiginsel aus der Stadterweiterung zu Cleve (Kleve).

Man sollte an die Form, die symmetrische Anlage und gefällige Verteilung derselben größere Ansprüche machen. Die Randsteine der Inseln legt man gewöhnlich so, dass sie von den Verlängerungslinien der Bürgersteigkanten der anstoßenden Straßen tangiert werden, dass also die Gehrichtungen sich möglichst klar und bequem fortsetzen. Geräumige Inseln werden benutzt, um Kandelaber, Anschlagsäulen, selbst Bedürfnisanstalten, Verkaufsstände und Straßenbahn-Wartehallen aufzustellen. Baumreihen, Gartenbeete, Springbrunnen sind erst bei größerer Ausdehnung unter der Voraussetzung zulässig, dass die nötigen Fußwegrichtungen nicht versperrt werden.

Fig. 379: Grundrissplan eines unregelmäßigen Verkehrsplatzes mit Bürgersteiginseln und Maßangaben aus der Stadterweiterung von Brünn.

Aufmerksam verteilte Inseln sind auch für den Fahrverkehr mehr vorteilhaft als störend, weil sie die Fuhrwerke zu geregelten Bewegungen nötigen und dadurch Verwirrungen vorbeugen.

Denkmäler, Prachttore und sonstige größere Bauwerke gehören auf Verkehrsplätzen zu den Seltenheiten; einige Beispiele haben wir oben mitgeteilt.

192. Pariser Sternplätze.

Eine anziehende Eigenschaft der Pariser Sternplätze besteht darin, dass man von der Platzmitte aus die Perspektiven der mehr oder weniger strahlenförmig verlaufenden Straßenzüge nacheinander genießen kann, dass sich also panoramaartig eine Reihe großstädtischer Straßenbilder vor dem Beschauer aufrollen. Die Rundblicke von der Place de l’Étoile, von der Place d’Italie, vom Rond Point und anderen Punkten aus sind dem fremden Besucher unvergesslich; die glänzenden Straßenperspektiven, meist mit Anpflanzungen verschönert, durch künstlerische Schlusspunkte betont, sind recht geeignet, vielen die Kleinlichkeit heimischer Verhältnisse vor die Seele zu führen. Aber es steckt auch viel Effekthascherei in diesen Anlagen, die der deutschen Empfindung weniger entsprechen als die unregelmäßigen Formen in den bis .

Fig. 380: Städtebaulicher Grundriss des Theodolinden-Platzes als Verkehrsplatz aus der Stadterweiterung von München.

193. Unbehaglichkeit.

Ohne großstädtisches Leben und mannigfaltige Architektur haftet den Sternplätzen leicht etwas Drehbrettartiges und deshalb Verwirrendes an. Auch andere Verkehrsplätze sind in der Regel unbehagliche Punkte der Stadt. Sie sind ein notwendiges Übel, dessen Schattenseiten nur in wenigen Fällen (Rom, Florenz, Paris) durch glänzende Lichter überstrahlt werden. Im Allgemeinen, und namentlich bei mittleren und kleineren Städten, tut man wohl daran, die Festlegung eigentlicher Verkehrsplätze im Stadterweiterungsplan auf das wirklich Notwendige zu beschränken und Straßenplätze ganz zu vermeiden. Die gewöhnliche Straßenkreuzung und die freundlich gestaltete Straßenvermittlung erfüllen in vielen Fällen den gleichen Zweck ohne die gleichen Übelstände.

Datenansicht

Schematischer Lageplan des Straßburger Platzes in Lille als Beispiel eines Sternplatzes.

Fig. 361

Schematischer Lageplan des Straßburger Platzes in Lille als Beispiel eines Sternplatzes.

Lageplan des kreisförmigen Ferdinands-Platzes in Dresden im Maßstab 1:2500.

Fig. 362

Lageplan des kreisförmigen Ferdinands-Platzes in Dresden im Maßstab 1:2500.

Grundrissplan des Golden-Sporen-Platzes (Guldensporenplein) vor dem Bahnhofsgebäude in Kortrijk.

Fig. 363

Grundrissplan des Golden-Sporen-Platzes (Guldensporenplein) vor dem Bahnhofsgebäude in Kortrijk.

Städtebaulicher Grundrissplan der Piazza Vittorio Emanuele (Viktor-Emanuel-Platz) in Turin.

Fig. 364

Städtebaulicher Grundrissplan der Piazza Vittorio Emanuele (Viktor-Emanuel-Platz) in Turin.

Lageplan des sternförmigen Verkehrsplatzes Place Pereire in Paris mit kreuzender Ringbahn.

Fig. 365

Lageplan des sternförmigen Verkehrsplatzes Place Pereire in Paris mit kreuzender Ringbahn.

Lage- und Verkehrsplan des Ernst-August-Platzes vor dem Bahnhofsgebäude in Hannover.

Fig. 366.

Lage- und Verkehrsplan des Ernst-August-Platzes vor dem Bahnhofsgebäude in Hannover.

Grundrissplan der Piazza del Popolo in Rom im Maßstab 1:2500.

Fig. 367.

Grundrissplan der Piazza del Popolo in Rom im Maßstab 1:2500.

Lageplan des Bahnhofplatzes vor dem Empfangsgebäude in Straßburg.

Fig. 368

Lageplan des Bahnhofplatzes vor dem Empfangsgebäude in Straßburg.

Städtebaulicher Grundrissplan der Place de l’Étoile in Paris mit dem zentralen Triumphbogen und den sternförmig ausstrahlenden Avenuen.

Fig. 369

Städtebaulicher Grundrissplan der Place de l’Étoile in Paris mit dem zentralen Triumphbogen und den sternförmig ausstrahlenden Avenuen.

Städtebaulicher Lageplan der Place des Nations (heute Place de la Nation) in Paris.

Fig. 370

Städtebaulicher Lageplan der Place des Nations (heute Place de la Nation) in Paris.

Schematischer Lageplan der kreisrunden Place d'Eylau in Paris mit zentralem Brunnen und strahlenförmig einmündenden Alleen.

Fig. 371

Schematischer Lageplan der kreisrunden Place d'Eylau in Paris mit zentralem Brunnen und strahlenförmig einmündenden Alleen.

Städtebaulicher Grundriss der Place d'Italie in Paris mit zentraler Brunneninsel und strahlenförmig einmündenden Boulevards.

Fig. 372

Städtebaulicher Grundriss der Place d'Italie in Paris mit zentraler Brunneninsel und strahlenförmig einmündenden Boulevards.

Grundrissplan des kreisrunden Torplatzes alla Croce in Florenz mit dem historischen Stadttor im Zentrum.

Fig. 373

Grundrissplan des kreisrunden Torplatzes alla Croce in Florenz mit dem historischen Stadttor im Zentrum.

Lageplan des kreisrunden Corvetto-Platzes (Piazza Corvetto) in Genua.

Fig. 374

Lageplan des kreisrunden Corvetto-Platzes (Piazza Corvetto) in Genua.

Städtebaulicher Lageplan des Cavour-Platzes (heute Piazza della Libertà) in Florenz im Maßstab 1:2500.

Fig. 375

Städtebaulicher Lageplan des Cavour-Platzes (heute Piazza della Libertà) in Florenz im Maßstab 1:2500.

Grundriss des Hopfenmarkts in Wismar als Beispiel eines unregelmäßig geformten historischen Verkehrsplatzes.

Fig. 376

Grundriss des Hopfenmarkts in Wismar als Beispiel eines unregelmäßig geformten historischen Verkehrsplatzes.

Lageplan eines Verkehrsplatzes mit Bürgersteiginsel und Straßenverzweigungen aus der Stadterweiterung von Posen.

Fig. 377

Lageplan eines Verkehrsplatzes mit Bürgersteiginsel und Straßenverzweigungen aus der Stadterweiterung von Posen.

Lageplan eines asymmetrischen Verkehrsplatzes mit bepflanzter Bürgersteiginsel aus der Stadterweiterung zu Cleve (Kleve).

Fig. 378

Lageplan eines asymmetrischen Verkehrsplatzes mit bepflanzter Bürgersteiginsel aus der Stadterweiterung zu Cleve (Kleve).

Grundrissplan eines unregelmäßigen Verkehrsplatzes mit Bürgersteiginseln und Maßangaben aus der Stadterweiterung von Brünn.

Fig. 379

Grundrissplan eines unregelmäßigen Verkehrsplatzes mit Bürgersteiginseln und Maßangaben aus der Stadterweiterung von Brünn.

Städtebaulicher Grundriss des Theodolinden-Platzes als Verkehrsplatz aus der Stadterweiterung von München.

Fig. 380

Städtebaulicher Grundriss des Theodolinden-Platzes als Verkehrsplatz aus der Stadterweiterung von München.