Abschnitt 161

Schluß

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Werfen wir am Ende unserer Betrachtungen einen Rückblick auf das ganze durchwanderte Gebiet des Städtebaus, so werden wir freudig erkennen, dass die Bedeutung dieses Wortes eine noch größere ist als diejenige, die aus der Einleitung hervorleuchtete. Der Städtebau ist nicht bloß die Gesamtheit derjenigen Bauanlagen, welche der städtischen Bevölkerung den Wohnungsbau und den Verkehr sowie dem Gemeinwesen die Errichtung der öffentlichen Gebäude ermöglichen; der Städtebau schafft nicht bloß den Boden und den Rahmen für die Entwicklung der baulichen Einzeltätigkeit, sondern er ist zugleich eine umfassende, fürsorgende Tätigkeit für das körperliche und geistige Wohlbefinden der Bürgerschaft; er ist die grundlegende praktische öffentliche Gesundheitspflege; er ist die Wiege, das Kleid, der Schmuck der Stadt, die Zusammenfassung der gesamten privaten und öffentlichen Tätigkeit zu einer höheren Einheit. Der Städtebau ist eine wichtige, selbstständige Kunst. Durch ihn wird einem sehr großen Teil der Bevölkerung ein beträchtlicher Teil der äußeren Annehmlichkeiten des Lebens zugeführt; seine Schöpfungen sind für den Armen ebenso wie für den Reichen. Wir erblicken im Städtebau eine künstlerische Betätigung der ausgleichenden Gerechtigkeit, eine Mitwirkung an der Beseitigung sozialer Missstände und somit eine einflussreiche Mitarbeit an der sozialen Wohlfahrt. Es ist noch nicht lange her, dass der Deutsche, wenn er aus der Fremde, besonders aus belgischen und französischen Städten heimkehrte, mit Betrübnis wahrnahm, wie die große Mehrzahl der heimatlichen Städte hinter jenen auf den verschiedensten Gebieten des Städtebaus zurückstand, wie sie aber ihre eigene Vernachlässigung kaum bemerkten, wie sie der Pflege von Kunst und Wissenschaft mit vieler Liebe und vielem Ernst sich hingaben, ohne zu empfinden, dass mit solchen Bestrebungen der Boden, auf dem sie lebten, und die Umgebung, in welcher sie Erfrischung und Erholung suchten, in schreiendem Widerspruch standen. Sie waren zu vergleichen mit dem Gelehrten in zerrissenem Rock auf staubiger Kammer. Die letzten Jahrzehnte haben in diesen Verhältnissen, besonders unter der Anregung von Männern wie R. Baumeister und C. Sitte, entschiedenen Wandel geschaffen; der politische Aufschwung des Vaterlandes ist auch der Entwicklung und dem Bau der Städte zugutegekommen. Franzosen und Belgier suchen jetzt nicht selten deutsche Städte auf, um an unseren Fortschritten zu lernen.

Aber sehr viel ist noch zu tun, um die alten Übel zu beseitigen, und neue Generationen wie neue Aufgaben verlangen immer erneutes Schaffen. Nicht bloß der Architekt, allgemein gesprochen der Techniker, ist es, dem dieses Schaffen obliegt; ihm ist nur selten die leitende Stellung angewiesen; er ist vorwiegend der Arbeitende, aber zugleich der Anregende. Mit ihm müssen die politischen Vertreter der Bürgerschaft und vor allem einsichtige und tatkräftige Verwaltungsbeamte zusammenwirken. An sie alle ergeht das Schlusswort, stets der hohen Anforderungen eingedenk zu sein, die der Städtebau an sie stellt, in welchem mancher bisher nur das Straßenpflaster und die Baufluchtlinien erkannte, der aber für den Einsichtigen die gesamte künstlerische Form und das technische Gewand bedeutet, in welchem die Stadt sich unseren Blicken darbietet, und der sich für den Menschenfreund zugleich als eine der vornehmsten Arbeiten am Wohle der Mitmenschen darstellt.

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