423. Altona und Dessau.
Wenn wir mit den in u. dargestellten Erweiterungsplänen von Altona und Dessau beginnen, so geschieht es, weil sie, aus dem Anfang der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts stammend, der ersten Entwicklungszeit des modernen Städtebaues entsprungen sind: mit starker Betonung der Verkehrslinien, mit reicher Ausgestaltung der Straßen selbst und ihrer Fernsichten; dagegen mit geringer Ausbildung von Verkehrslinien, schönen Platzgruppen und intimeren Straßenbildern — ein Unterschied, der zum Teil in dem Gegensatz von Großstadt und Mittelstadt, zum anderen Teil aber in der abweichenden persönlichen Auffassung seinen Grund hat.
424. Diedenhofen und Marienberg.
Eine Durchdringung beider Auffassungen dürfte aus den Erweiterungsplänen von Diedenhofen und Marienberg hervorleuchten. In Diedenhofen (siehe die nebenstehende Tafel) bei aller Entschiedenheit der Verkehrslinien (die beiden großen, durch Punktierung nach außen verlängerten Querstraßen haben übrigens eine rein militärische Bedeutung) auch kleinere Straßenbilder und Platzanlagen. In Marienberg () mehrere lange, geradlinige Verkehrszüge, darunter eine entschiedene Diagonale, daneben aber viele bescheidenere malerische Nebenstraßen, eine schöne Platzgruppe an der Kirche (vergl. , S. 222), ein stattlicher Platz am Rathause. Eine Eigentümlichkeit ist die Vorliebe für hakenförmige Führung von Wohnstraßen und für die Anordnung sehr geräumiger Blöcke, deren Innenflächen für öffentliche Zwecke bestimmt sind. Die südliche Bauflucht der Diagonalstraße ist ohne Schädigung des Verkehrs versetzt, wodurch in beiden Sehrichtungen der Straße schöne Schlussbilder gewonnen werden.
425. Brünn.
In , einem Abschnitt der Stadterweiterung von Brünn, wolle man unter den Hauptverkehrsstraßen besonders die in der ungefähren Mitte des Geländes
angeordnete Längsstraße mit hohler Südwand und ausgeweiteter Nordwand beobachten, ferner die Umgebung der Kirche, die Stellung der anderen öffentlichen Gebäude, die Verkehrsplätze bei A und B und die Art, wie bei C und D die zur Längenteilung des Geländes einzuschaltenden Straßen von der Landstraße abgezweigt sind.
426. Friedberg und Pfersee.
Überaus ansprechend und reich an schönen Gestaltungen und Raumabschlüssen sind die in u. skizzierten Bebauungspläne von Friedberg und Pfersee bei Augsburg. Handelte es sich um Großstädte, so würde wohl eine etwas entschiedenere Ausbildung der Verkehrslinien erwünscht sein. Die Blockbildung ist eine zweckmäßige; dem Verstecken der Schulen und ähnlicher Gebäude in das Blockinnere kommt der Vorteil der billigen Bauplatzbeschaffung zustatten, während der Verzicht auf Wirkung im Straßen- oder Platzbilde einen Nachteil bedeutet.
427. Kufstein.
Durch einen ähnlichen Reichtum an Erscheinungen zeichnet sich der Bebauungsplan von Kufstein aus (). Man beachte namentlich die drei einander benachbarten Stadtplätze, die Behandlung der Platz- und Straßenecken, die stufenweise Absetzung der Bauflucht in Krümmungen. Der südöstliche Teil der Stadterweiterung ist für offene Bauweise bestimmt; die Führung des Baches innerhalb der Baublöcke ist deshalb hier zulässig.
428. Beispiele aus Belgien und Amerika.
Schließlich sind in den u. zwei ausländische moderne Stadtpläne aus Belgien und Südamerika skizziert. Der Plan für Zeebrugge zeigt, obschon nicht frei von geometrischer Linienführung, den Einfluss der deutschen Auffassung, während die Amerikaner bis auf weiteres dem reinen Schematismus verfallen zu sein scheinen.










