180. Axiale und seitliche Erweiterungen.
Sowohl an Kreuzungen und Abzweigungen als auch auf freier Strecke werden oft erweiterte Straßenteile eingefügt, um in langen Häuserfluchten und reizlosen Straßenzügen Abwechslung zu schaffen oder bestimmte Punkte hervorzuheben. Es sind meistens einfache Anlagen nach bis .
Anlagen nach u. dienen mitunter zur Verdeckung eines Gefällerückens (siehe Art. 141, S. 82).
Eine freundliche Anlage zeigt : Sowohl der in Geschäften geradeaus eilende Passant als auch der einen kleinen Umweg liebende Spaziergänger wird eines wohltuenden Eindrucks teilhaftig. Die um eine kleine Garteninsel gruppierten Häuser genießen in gewissem Grade den doppelten Vorteil der Lage an einer Verkehrsader und der angenehmen Zurückgezogenheit von Staub und Lärm der Straße; die Abschrägung der Winkel vermindert die sonst hier leicht auftretenden Unzuträglichkeiten. Vortreffliche Anlagen dieser Art findet man in London ( u. ), wo eine Seitenstraße neben der Hauptstraße den hinter den Vorgärten zurückliegenden Häusern die Zufahrt vermittelt, sodass die Bewohner den Vorteil der Hauptverkehrsstraße genießen, ohne von deren Unruhe zu sehr beeinträchtigt zu werden.
181. Erweiterungen in Form von Plätzen.
Eine große Zahl städtischer »Plätze« sind nicht mehr als eine Erweiterung der Straßenfluchten. Als Beispiele mögen angeführt werden: die Place des Minières zu Verviers (Fig. 334), der Postplatz zu Genf (Fig. 335), der San-Carlo-Platz zu Turin mit Denkmal (Fig. 336), der von Wandelhallen umgebene Masséna-Platz zu Nizza (Fig. 337). Auch den Salvator-Platz zu Breslau (Fig. 339), den Zentralbahnhofplatz zu Basel (Fig. 340) und selbst den schönen Promenadenplatz zu München () kann man hierher rechnen. In noch höherem Grade trifft dies für den Opernplatz zu Berlin und den Schwarzenbergplatz zu Wien zu, welche eigentlich nur Teile der Straßenfläche sind.
182. Erweiterungen zur Vereinigung mehrerer Straßenrichtungen.
Wichtig für den Stadtplan sind schließlich solche Straßenerweiterungen, welche die gefällige Zusammenführung verschiedener Straßenrichtungen bezwecken. Schon in u. sind derartige Erweiterungen enthalten. Andere Beispiele mit Anwendung gärtnerischen Schmucks zeigen , die Richtungsänderung einer Hauptstraße vermittelnd, sowie , welche die Abzweigung von Schrägstraßen vermittelt.
Dies führt uns auf das Gebiet der
c) Strassenvermittelungen.
183. Vermittlung verschiedener Straßenquerschnitte.
Bei denselben handelt es sich entweder um die Vermittlung verschiedener Straßenbreiten bzw. Straßen-Querprofile oder um die Vermittlung verschiedener Straßenrichtungen. u. zeigen die Überleitung schmaler Straßenprofile in breite, den Profilwechsel der Chaussée de Malines zu Antwerpen, Fig. 347 denjenigen der Elisabethenstraße zu Wiesbaden, Fig. 345 denjenigen der Kaiser-Wilhelm-Straße zu Breslau; Letztere hat gerade, parallele Baufluchten an gekrümmter Fahrstraße, wodurch eine erhebliche Verschiedenheit der Vorgartentiefen und schließlich der Profilwechsel hervorgerufen wird.
Auch bei der Andrássystraße zu Budapest (siehe ) haben wir schon den Wechsel des Straßenquerschnitts besprochen. Wichtig ist bei diesen Profilübergängen, dass sich die Hauptachse oder gewisse Hauptlinien über den Wechselpunkt fortsetzen und dass sich nicht Teile des folgenden Profils (z. B. Bürgersteigkanten, Baumreihen usw.) störend in die Fahrtrichtung oder die Sehlinien vorschieben. Dagegen liefert das Vortreten der Baufluchten gute Straßenbilder.
184. Richtungsvermittlung.
Die Richtungsvermittlung unregelmäßig zusammenlaufender Straßenzüge führt oft zu platzähnlichen Bildungen, wie in bis .
In wäre es leicht gewesen, die Fahrverbindung der Rue Bleue mit der Rue Cadet geradlinig durchzuführen; die Herstellung einer geräumigen Bürgersteigfläche ist zugunsten der Fußgänger vorgezogen worden und hat Platz zur Errichtung zweier Verkaufskioske und einer Bedürfnisanstalt geboten.
185. Plätze zur Vermittlung von Straßenrichtungen.
Viele sogenannte Plätze sind in Wirklichkeit nichts weiter als eine Vergrößerung der freien Straßenfläche zum Zwecke der Vermittlung verschiedener zusammenlaufender Straßenrichtungen – oft in sehr geschickter Anordnung, sogar mit gärtnerischem und figürlichem Schmuck, oft aber auch ungeschickt und unzweckmäßig.
, den Holbeinplatz zu Basel darstellend, zeigt eine sehr aufmerksame und nachahmenswerte Ausschmückung des Mittelpunktes durch einen einzelnen, umfriedeten Baum und der Bürgersteigbogen durch kleine Pflanzungen. Der Kranzplatz zu Wiesbaden (), ursprünglich nichts als eine Zusammenführung verschiedener Straßen, ist infolge seines gärtnerischen und künstlerischen Schmucks ein schöner Punkt der Stadt geworden. Eine belgische Anlage ähnlicher Art, aber den Verkehrsrichtungen weniger angepasst, ist die Place Delcour zu Lüttich ().
Eine besondere Art der Straßenvermittlungen sind die von Sitte mehrfach empfohlenen Turbinen- oder Windmühlenplätze nach . Sie sind bei geringem Verkehr und unter entsprechenden örtlichen Vorbedingungen, z. B. behufs Berücksichtigung der Grundstücksgrenzen, durchaus empfehlenswert, weil jede Straßenstrecke ein Schlussbild findet.
So gut und nachahmenswert diese »Straßenvermittlungsplätze« sind, so wenig schön oder zweckmäßig sind andere, z. B. u. .
Den Königsplatz zu Breslau erkennt man als zusammengehörige Anlage nur auf dem Stadtplan; in Wirklichkeit ist der Zusammenhang der getrennten Teile unkenntlich. Noch schlimmer ist der Oranienplatz zu Berlin durch den Landwehrkanal geteilt; die ganze Fläche ist so zerrissen, dass man an Ort und Stelle die Absicht, einen städtischen Platz zu schaffen, kaum bemerkt – ebenso wie man nur mit Mühe erkennt, dass sich die Dresdener Straße jenseits des Kanals fortsetzt.
186. Kombinationen.
Straßenerweiterungen und -vermittlungen können bei aufmerksamer Bearbeitung eines Stadtbauplanes zu reizvollen Anlagen verbunden werden, die umso anziehender werden, je mehr die Besonderheit der Örtlichkeit beachtet wird. Als Beispiel diene die Anordnung in aus der Stadterweiterung von Posen.


































