Abschnitt 158

b) Parkpromenaden

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683. Begriff. Ein Mittelding zwischen den besprochenen Parkgärten und den in Kap. 1 dieses Abschnittes behandelten, durch Baumreihen und Gartenflächen verschönerten Stadtstraßen bilden die parkähnlich bepflanzten Spazierwege von der Stadt in das Freie, oder in der städtischen Umgebung: die Parkpromenaden . Mit den Parkgärten1 haben sie die mehr oder weniger ungezwungene Wegeführung und die freiere Bepflanzung, mit den Stadtstraßen die Längenentwicklung gemein. Während aber letztere ihre Umrahmung in der städtischen Bebauung finden, soll die Parkpromenade möglichst den freien Blick in die Natur, über Tal und Stadt gewähren, wovon nur die Unschönheiten künstlich zu verdecken sind — im Gegensatze zu den Parkgärten und Parkwäldern, die ihre Landschaftsbilder gewöhnlich in sich selbst darbieten sollen.

Fig. 977: Entwurfszeichnung mit Lageplan und Querschnitt der Aachener Straße bei Köln als parkartig gestaltete Promenade zum Friedhof.

Andere Parkpromenaden sind solche, die zur Verbindung verschiedener Parks innerhalb der Stadt dienen. Besonders in amerikanischen Städten, z. B. Boston, ist diese Durchdringung der Stadt mit Parkwegen, die die verschiedenen öffentlichen Gärten in gewissem Sinne zu einer einzigen Stadtparkanlage vereinigen, in rühmenswerter Weise ausgebildet2.

Nicht ausgeschlossen ist es übrigens, dass die eine Seite der Promenade von Landhäusern oder städtischen Villen eingefasst wird.

684. Ringpromenaden. Somit würden wir in erster Linie hierher zu zählen haben die Ringpromenaden an der Stelle alter Festungswälle, die wir bereits in Art. 418 (S. 323) besprochen und durch bis (S. 322 u. 323), Teile von Bremen und Frankfurt a. M. darstellend, erläutert haben. Möchten die Gemeindeverwaltungen in solchen Städten, deren Wälle und Festungsmauern noch ganz oder teilweise vorhanden sind, nicht bloß in den größeren Städten, sondern auch in kleineren Orten, auf die möglichste Erhaltung und gärtnerische Ausbildung der Ringpromenade ihre aufmerksamste Fürsorge verwenden!

685. Spazierwege nach außen. Die Wegeführung der von der Stadt in das Freie führenden Promenaden ist die eines Parkweges oder einer Landstraße; im ersteren Falle findet eine freie landschaftliche, im letzteren eine mehr regelmäßige Bepflanzung statt. u. zwei Beispiele. Solche Spazierwege, die entweder für Fußgänger allein oder auch für Wagen und Reiter dienen können, pflegen zu einem schönen Aussichtspunkte, zu einem Erholungs- oder Badeorte, zu einem Parke, einem Walde oder einem Friedhofe zu führen. Namentlich an manchen Hauptzugängen städtischer Friedhöfe wäre eine verschönernde, zweckentsprechende Tätigkeit der Gemeinde sehr am Platze. Zwei Endigungen von Promenadenwegen an Aussichtspunkten zeigen u. .

Fig. 978.: Lageplan einer terrassenförmigen Endigung einer Promenadenstraße an einem Aussichtspunkt.
Fig. 979.: Grundriss einer terrassenförmigen Endigung einer Promenadenstraße mit zentralem Wasserbecken und Treppenanlage.

Einer der schönsten städtischen Spazierwege ist die von der Kaiserin Augusta geschaffene, sog. Rheinanlage bei Koblenz, die sich am Rheinufer oberhalb der Stadt auf 3 km Länge erstreckt. Die nebenstehende Tafel gibt mit den zugesetzten Erläuterungen ein ungefähres Bild davon. Es ist im allgemeinen ein Fahr- und Gehweg zwischen Reihen hochstämmiger Bäume (meist Ulmen und Platanen), landseitig und wasserseitig mit gärtnerischem und künstlerischem Schmuck in fast überreicher Weise geziert und streckenweise zu größeren Pflanzungen verbreitert.

686. Spazierwege in der weiteren Umgebung. Bei Badeorten und Residenzen, mitunter auch bei anderen Städten, kommen Wegeverschönerungen durch Anpflanzungen und künstlerischen Schmuck auch in der weiteren Umgebung vor. Wenn man solche Parkpromenaden rings um die Stadt ausdehnt und miteinander in Verbindung setzt, sie auch wohl gelegentlich mit Bächen und Zierteichen zusammenlegt, so wird gewissermaßen die ganze Gegend in ein einziges Parkgelände umgewandelt, dessen Charakter durch vereinzelte Gebäude und Gehöfte und die landwirtschaftliche Benutzung weiter Flächen beeinflusst, aber nicht zerstört wird. So kann eine eintönige Landschaft verschönert, eine an und für sich schöne Landschaft veredelt werden. Manche Beispiele gibt es hierfür in der Umgebung englischer Landsitze, aber auch im Umkreise unserer Badeorte und Residenzstädte. Zu ersteren gehören Baden-Baden, Harzburg und San Remo, zu letzteren Potsdam und Wörlitz bei Dessau. Die Behandlung eines solchen Parkgeländes ist aus ersichtlich.

Fig. 980: Lageplan zur landschaftsgärtnerischen Verschönerung von Landwegen im städtischen Umland im Maßstab 1:4000.

Als Beispiele von Parkpromenaden in der weiteren Umgebung großer Städte sei hier schließlich noch auf den schönen Viale dei Colli, welcher Florenz an der hügeligen Südseite umgibt und herrliche Aussichten auf Stadt und Tal eröffnet, sowie auf den Nuovo Passeggio del Gianicolo hingewiesen. Letzterer liegt am Berghange des Janiculus, umfasst einen Teil des transtiberischen Rom und bietet, namentlich bei Sonnenuntergang, schöne und weite Ausblicke auf die ewige Stadt, auf Campagna und Gebirge.

Footnotes

  1. Nach: Abel, a. a. O.
  2. »Der Städtebau« 1905, S. 113.

Datenansicht

Lageplan eines Abschnitts der Frankfurter Wallanlagen und Ringstraße zwischen Taunus-Anlage und Opernhaus.

Fig. 596

Lageplan eines Abschnitts der Frankfurter Wallanlagen und Ringstraße zwischen Taunus-Anlage und Opernhaus.

Lageplan eines Abschnitts der Bremer Wallanlagen bzw. Ringpromenade im Maßstab 1:5000.

Fig. 598

Lageplan eines Abschnitts der Bremer Wallanlagen bzw. Ringpromenade im Maßstab 1:5000.

Perspektivische Ansicht und Grundriss zur landschaftlichen Bepflanzung eines geschwungenen Spazierweges.

Fig. 976

Perspektivische Ansicht und Grundriss zur landschaftlichen Bepflanzung eines geschwungenen Spazierweges.

Entwurfszeichnung mit Lageplan und Querschnitt der Aachener Straße bei Köln als parkartig gestaltete Promenade zum Friedhof.

Fig. 977

Entwurfszeichnung mit Lageplan und Querschnitt der Aachener Straße bei Köln als parkartig gestaltete Promenade zum Friedhof.

Lageplan einer terrassenförmigen Endigung einer Promenadenstraße an einem Aussichtspunkt.

Fig. 978.

Lageplan einer terrassenförmigen Endigung einer Promenadenstraße an einem Aussichtspunkt.

Grundriss einer terrassenförmigen Endigung einer Promenadenstraße mit zentralem Wasserbecken und Treppenanlage.

Fig. 979.

Grundriss einer terrassenförmigen Endigung einer Promenadenstraße mit zentralem Wasserbecken und Treppenanlage.

Lageplan zur landschaftsgärtnerischen Verschönerung von Landwegen im städtischen Umland im Maßstab 1:4000.

Fig. 980

Lageplan zur landschaftsgärtnerischen Verschönerung von Landwegen im städtischen Umland im Maßstab 1:4000.