595. Denkmäler in Mittelpunktstellung.
Die Mittelpunktstellung ist indes auf vielen alten und neuen Plätzen das Natürliche und künstlerisch Gebotene; es wäre, wie schon erwähnt, unrichtig, das Freihalten der Platzmitte an sich als Lehrsatz aufstellen zu wollen. Zahlreiche vortreffliche Aufstellungen der Vorzeit und der Gegenwart beweisen das Gegenteil. Wir nennen: den Heinrichs-Brunnen des Hagenmarktes zu Braunschweig auf seinem früheren und seinem gegenwärtigen Standorte (), das Sieges- und das Lessing-Denkmal zu Braunschweig (), die Marktbrunnen zu Goslar und Lübeck (siehe ), das Reiterstandbild auf dem Marktplatz zu Düsseldorf (siehe ), den Triton auf dem Maximilians-Platz zu Nürnberg (), den Fischmarktbrunnen zu Basel, das Kléber- und das Gutenberg-Denkmal zu Straßburg, das Stanislaus-Denkmal zu Nancy (siehe ), die Vendôme-Säule zu Paris (siehe ), Marc Aurel auf dem Kapitolplatze und die Säule auf der Piazza Colonna zu Rom (siehe u. ), den Obelisken auf dem Popolo-Platze daselbst (siehe ), Dante auf der Piazza S. Croce zu Florenz (siehe ) und auf der Piazza de’ Signori zu Verona (), Viktor Emanuel auf dem Corvetto-Platz zu Genua (siehe ), den figurenreichen Brunnen auf dem Neuen Markt () und das Tegetthoff-Denkmal auf dem Praterstern zu Wien (), das Maria-Theresia-Denkmal auf dem Burgplatz daselbst, die Siegessäulen auf dem Königsplatz und dem Belle-Alliance-Platz zu Berlin (siehe S. 167, S. 197 u. ), den Triumphbogen und den Republikplatz zu Paris (siehe S. 151 u. ), den Amalienborg-Platz zu Kopenhagen (siehe , S. 185) und Prinz Albert auf dem Holborn-Circus zu London (siehe , S. 135).
Die große Zahl solcher Mittelpunktstellungen darf aber doch nicht zu dem Gedanken führen, diese Stellung sei überhaupt der Regel nach die geeignetste; es ist vielmehr in jedem Falle, wo über den Standort eines Denkmales Entscheidung getroffen werden soll, die Erwägung aller Umstände notwendig. Die Mittelpunktstellung setzt eigentlich eine annähernde Gleichwertigkeit der Denkmalseiten und der Platzumgebung, fernerhin aber eine sorgfältige Abwägung der Größenverhältnisse voraus. Manches Denkmal in Rand- oder Achsenstellung, wie die Nelson-Säule am Trafalgar-Square, die York-Säule auf Waterloo-Place, das Mont-Cenis-Denkmal auf dem Statuto-Platz, das Stein-Denkmal auf dem Dönhoff-Platz, würde, in die Mitte gerückt, einen unleidlichen Eindruck machen; viele andere, wie die Siegessäule auf dem Wilhelms-Platz und die Viktoria auf dem Belle-Alliance-Platz zu Berlin, die Vendôme-Säule und das Standbild der Republik zu Paris oder das Tegetthoff-Denkmal zu Wien, können wegen der ausgeprägt zentralen Gestalt des Platzes und der Umgebung überhaupt nur im Platzmittelpunkt gedacht werden.
Die Aufstellung von Standbildern und Reiterbildern in der Platzmitte hat stets mit dem Übelstande zu kämpfen, dass die menschliche Figur wie das Pferd eine Rückseite besitzen, deren Betrachtung weniger einlädt und weniger befriedigt als die Vorderansicht; die Randstellung auf einem Platze mit geschlossener Umrahmung ist schon deshalb für Stand- und Reiterbilder im Allgemeinen vorteilhafter als der Mittelpunkt eines offenen oder geschlossenen Platzes. Hier sind hohe Säulen wie die Columna rostrata auf dem Praterstern, die Napoleon-Säule auf der Place Vendôme, die Siegessäule auf dem Königsplatz, mächtige Obelisken oder Brunnenaufbauten in der Regel passender. Aber dennoch wirkt der Marc Aurel auf dem Kapitol edel und ergreifend, weil die Umrahmung eng ist und die Aufstiegsrampe den Beschauer unmittelbar vor die Hauptansicht führt; und die Figur der Republik zu Paris wirkt trotz der freien Umgebung großartig wegen ihrer gewaltigen Größe und ihres kraftvollen Unterbaues.
In richtiger Weise lässt sich die Verschiedenheit des Wertes der Vorder- und Rückansicht eines Denkmales durch eine Aufstellung berücksichtigen, welche den größeren Teil der Platzfläche vor der Hauptansicht anordnet: Das Standbild oder Brunnenwerk wird etwa auf zwei Drittel der Platztiefe errichtet. Auf ansteigenden Plätzen wird das Denkmal den Rücken nach dem Berge hin wenden, weil die Betrachtung von unten die vorteilhaftere und wirksamere ist; der obere Rand ist daher für Denkmäler mehr geeignet als der untere.





















