Abschnitt 329

Asbest

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Asbest ist ein vortreffliches Schutzmittel gegen Feuer. Werden Holzteile wie Türpfosten, Fensterpfosten, Dachschalung usw. mit Asbest verkleidet, so bleiben diese Teile im Feuer unversehrt und tragfähig. Eiserne Säulen und Träger, die im Feuer rotglühend werden und dadurch den Einsturz des Gebäudes verursachen können, werden durch Verkleiden mit Asbest ebenfalls gegen die Einwirkung des Feuers gesichert.

Der Asbest wird in Form von Asbestzement, Asbestpappe, Asbestgewebe oder Asbestfarbe verwendet. Wo Asbestzement oder -pappe nicht gut verwendet werden können, bietet Asbestfarbe einen sicheren Schutz gegen die Einwirkung der Flammen, da sie sich sogar gegen Stichflammen unempfindlich zeigt. Auch in Verbindung mit Kieselgur ist Asbest ein sehr gutes Feuerschutzmittel.

Asbest ist eine faserige Abart der Hornblende und des Serpentins. Die technisch wichtigen Eigenschaften des Asbests sind:

  1. Unbrennbarkeit, weshalb Asbest für Dichtungen (Dampfleitungsrohre), Theaterstoffe, Dekorationen, Asbestfarben, feuerfeste Superatorplatten usw. verwendet wird.
  2. Widerstandsfähigkeit des Hornblendeasbests gegen Säuren (Isoliermaterial).
  3. Schlechtes Wärmeleitungsvermögen (Isolierung gegen Wärme).
  4. Geringe elektrische Leitfähigkeit (Verwendung zur Umhüllung von Leitungsdrähten, Bodenbelägen für Dynamomaschinen, Handschuhen für Elektrotechniker).
  5. Wasserdichtigkeit des Hornblendeasbests, sobald dieser mit Paraffin getränkt ist.

Wenn der mit Zinkoxid behandelte Asbest mit Chlorzink und palmitinsaurer Tonerde getränkt wird (Patent Nagel), erzielt man Wasserdichtigkeit und zugleich Feuersicherheit.

Asbest war schon im Mittelalter als unbrennbarer Stoff bekannt und deshalb ein geschätztes Mineral. Obwohl es ein ausländisches Produkt ist, erfreut es sich auch bei uns einer erstaunlich vielseitigen Verwendung. Der neuesten Zeit scheint es jedoch vorbehalten zu sein, der Asbestfaser einen Verwendungszweck zu geben, der aufs Engste mit unseren Wohnverhältnissen verknüpft und somit geeignet ist, das allgemeine Interesse an Asbest außerordentlich zu steigern. Die Faser liefert uns namentlich Kanada, wo sie im großen Stil im Bergbau gewonnen wird. Von dort kommt seit einigen Jahren auch der in Amerika und England für Bauzwecke bereits hochgeschätzte kurzfaserige Asbest, der nun auch bei uns die oben angedeutete allgemeine Verwendung zu finden beginnt. Ruhe für reizbare Nerven schafft diese Faser, wenn sie in Verbindung mit Gips, Mörtel oder Zement als Verputz für Wände und Decken verwendet wird, weil sie den Schall nicht leitet. Auch gegen Feuer und Kälte schützt uns diese neue Verwendung der Asbestfaser bis zu einem gewissen Grad, und auch Ungeziefer kann dort nicht existieren, wo die Asbestfaser als Füllung für Fußböden, Scheidewände und Decken verwendet wurde. Leicht und von großer Bindekraft, fördert die Asbestfaser auch jede Art ornamentaler Gipsarbeit. Da sie biegsam ist, greift sie die Hände der damit Arbeitenden nicht an, zumal sie auch frei von Schwefel, Phosphor und Pottasche ist. Üble Gerüche, wie sie sich beim Einschub von Bauschutt, Schlacke, Asche oder Sägespänen oft einstellen, sind bei der Verwendung von Asbestfasern ausgeschlossen. Asbest fault und schmilzt nicht, greift kein Metall an, mit dem es in Berührung kommt, und ist an feuchten, modrigen Stellen ein geschätztes Verkleidungsmittel. Für Architekten und Baumeister unentbehrlich. Bezugsquelle: Albert Sauerzapf in Dresden.

Die Verwendung von Asbest zu technischen Zwecken ist so weitreichend, dass es von Interesse ist zu erfahren, wo die Hauptquellen dieses wertvollen Materials zu suchen sind. Die beste Qualität wird von Kanada geliefert, dessen Asbest eine vorzügliche weiße Farbe und Fasern von 5 bis 25 mm Länge besitzt, sodass er sich hervorragend zur Verarbeitung eignet. Der sibirische Asbest zeigt kürzere Fasern und hat eine gelbliche Farbe, besitzt jedoch den Vorteil großer Haltbarkeit. Von charakteristischer blauer Farbe ist der vom Kap der Guten Hoffnung stammende Asbest, der in besonders großen Stücken mit sehr langen Fasern gefunden wird, während er sich zur Verarbeitung weniger gut eignet. Schließlich sind noch einige in Italien vorkommende Asbestarten zu erwähnen, die sich jedoch durchweg wegen ihrer geringen Haltbarkeit und kurzen Fasern weniger gut verarbeiten lassen und daher hauptsächlich für die bekannten Dichtungsscheiben und -ringe Verwendung finden.

Asbestplatten. Im unvermischten Zustand ist Asbest für die allgemeine Anwendung zu teuer. In neuerer Zeit ist es dem Ingenieur G. A. Simmons in München gelungen, aus Asbest und Zement Platten herzustellen, die allen Anforderungen entsprechen. Die Simmons’schen Asbestplatten werden in allen Stärken von 1 mm bis zu steifen Platten mit Drahteinlage angefertigt; sie haben annähernd das gleiche Gewicht wie Holz. Asbestplatten lassen sich hobeln, sägen und nageln wie Holz, sie können spiegelglatt geschliffen und marmoriert werden. Die vollständige Feuersicherheit macht die Simmons’schen Asbestplatten namentlich als Ersatz für Bretterbauten geeignet; sie dienen ferner zur Durchleitung von Rauchrohren durch Holzwände, zur Verkleidung von Aufzügen für Personen und Lasten, zur Einmauerung von Dampfkesseln, zu Ofenunterlagen u. s. w., ferner zu Dachplatten und schalldämpfenden Fußbodenbelägen.

Die Simmons’schen Asbestplatten werden von der Firma Simmons & Bocks in München hergestellt. Laut Bekanntmachung des Königlichen Bayerischen Ministeriums des Innern werden diese Platten als feuersicher und die daraus gefertigten Eindeckungen als sogenannte harte Dächer bezeichnet.

Asbestkomposition von Dr. L. Grote in Uelzen dient zur Isolierung von Kesseln und Rohrleitungen mit hoher Dampfspannung von über 8 Atm. Die Masse besteht nur aus Asbestfasern, die mit sorgfältig ausgeglühter Kieselgur vermischt sind. Die Unzerstörbarkeit dieses Stoffes ist so groß, dass er sich selbst bei Auftragung auf glühendes Metall nicht verändert. Man gebraucht die Asbestkomposition vielfach auch, um damit erst die Gegenstände 5 bis 10 mm stark zu umhüllen und dann die Kieselgurkomposition derselben Firma darüber aufzutragen.

Feuersichere Asbestfarben. Die feuersicheren Asbestfarben sind ein guter Schutz gegen die schnelle Weiterverbreitung entstandener Brände. Sie werden streichfertig geliefert, sind waschbar und platzen nicht; vorzüglich werden sie in den Farbtönen Graublau (hell und dunkel) und Weiß verwendet. Jeder auch nur einigermaßen geschickte Arbeiter kann den Anstrich ausführen. Bezugsquelle: Dr. Eugen Schaal, vormals Chemisch-technische Fabrik von Arnold Schroeder, Berlin SW., Solmsstraße 38.

Asbestanstrich von Fretzdorff & Co., Berlin SW., Solmsstraße 38. Die Firma stellt einen Asbestanstrich her, der das Holz derartig abdeckt, dass eine Weiterverbreitung des Feuers ausgeschlossen ist. Sowohl nach dem Zeugnis der Königlichen Munitionsfabrik in Spandau als auch nach verschiedenen anderen Versuchen gelingt es nur einer kräftigen Gasflamme, den Anstrich zu durchdringen und das Holz – ohne dass sich der Anstrich löst – nur an derjenigen Stelle zu verkohlen, auf die die Gasflamme direkt einwirkt.

Asbestzement Kühlewein. Zur Umhüllung und Umkleidung von Eisenkonstruktionen zwecks Erhöhung der Feuersicherheit wird mit Vorteil „Asbestzement Kühlewein“ der Firma Hch. J. N. Kröger in Hamburg, Gerhofstraße 32. I, verwendet, beispielsweise von der Kaiserlichen Werft in Kiel. Asbestzement hat sich als feuer- und rauchsicherer Baustoff gut bewährt.

Asbestine Kühlewein von Hch. J. N. Kröger in Hamburg dient zur Herstellung feuerfesten Putzes und feuerfester Ummantelungen und wurde bis vor Kurzem nur in Pulverform in den Handel gebracht. Jetzt werden von der genannten Firma auch Asbestineplatten angeboten, die zur schnellen Herstellung trockener Wände dienen, und ferner Asbestineschalbretter zur Verkleidung von Decken und Wänden. Die Länge der Platten beträgt 1 m, ihre Breite 25 cm, ihre Stärke 5 cm; 1 qm wiegt etwa 48 kg.

Die Asbestinewände haben folgende Vorzüge: größtmögliche Stabilität, geringe Stärke (nur 5 cm), geringes Gewicht, sie sind schalldämpfend, isolierend, feuersicher und sofort trocken. Die Platten können gesägt, genagelt und verschraubt werden. Sie werden mit gutem Mörtel zu einer Wand verbunden. Danach wird in die lotrechten Nuten ein dünner Draht gelegt, der durch Krampen oder geeignete Nägel im Fußboden und in der Decke straff gespannt wird. Die Nuten werden alsdann mit Mörtel verstrichen. Für kleine Wände kann der Draht auch weggelassen werden, da sowohl durch die schrägen waagerechten als auch durch die lotrechten, mit Mörtel verstrichenen Nuten der Wand eine hohe Stabilität verliehen wird.

Die Schalbretter aus Asbestine Kühlewein sind 1 m lang, 25 cm breit und 2 cm stark; 1 qm wiegt 19 kg. Sie sind leicht, lassen sich nageln und schrauben sowie beliebig zersägen.

Asbestik ist ein amerikanisches Asbestfabrikat, das feuersicher sein und gegen Hitze und Kälte isolieren soll. Aus der chemischen und physikalischen Untersuchung ergab sich, dass Asbestik aus grobkörnigem Serpentinstein besteht, der mit kurzen Asbestfasern vermischt ist. Nach den vorgenommenen Feuerproben stellte sich jedoch heraus, dass Asbestik nicht als feuerfester Baustoff anzusehen ist und dass die deutschen Asbestfabrikate wie Asbestzement, -farben, -gewebe und Asbestine vorzuziehen sind. (Mitgeteilt von den Deutschen Asbestwerken Alfred Calmon, Aktiengesellschaft in Hamburg, in der „Rheinischen Baufach-Zeitung“ 1898, S. 49, und „Deutsche Bauhütte“ 1898, S. 126.)

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