Nachdem man gelernt hatte, Eisen zu dünnen Blechen zu walzen, verwendete man dieses auch zur Dachdeckung. Um den Rost zu bekämpfen, versuchte man verschiedene Anstriche der Eisenbleche; zum Beispiel wurden die warmen, direkt von der Walze kommenden Bleche mit Teer überzogen. Am dauerhaftesten zeigte sich aber ein guter Ölanstrich. Die Eisenbleche werden gefalzt und mit Haftblechen und Vorstoß auf der Dachschalung befestigt.
Tafel taf-23 (noch nicht verfügbar)
Auch verzinnte Eisenbleche werden zur Dacheindeckung benutzt; außer dem schützenden Überzug aus englischem Zinn gab man den Blechen noch auf beiden Seiten einen Ölanstrich. Das Löten wird nach Möglichkeit vermieden; die Bleche werden aneinander gefalzt, was bei dem weichen, verzinnten Eisenblech leicht machbar ist.
Solange man beim Löten Fett und Harze verwendete, zeigten die so hergestellten Arbeiten eine ausreichende Dauerhaftigkeit. Nachdem das schnellere Lötverfahren mit Säure (Zinkchlorid) aufgekommen war und die alte Methode verdrängt hatte, waren die nach dem neuen Verfahren gelöteten Weißbleche einer baldigen Beschädigung durch Rosten ausgesetzt, sodass die Verwendung von Weißblech für die Dachdeckung nachließ. Für die Herstellung freiliegender Rinnen ist es jedoch besonders zu empfehlen, da es sich durch Wärme und Kälte weniger verzieht.
Ob verzinktes Eisenblech für die Dachdeckung geeignet ist, lässt sich noch nicht mit Sicherheit feststellen. Die den Überzug bildende Zinkschicht scheint in vielen Fällen zu dünn gewählt worden zu sein, sodass sie den Witterungseinflüssen nicht lange widerstehen kann. Weißblech wird ebenso wie Schwarzblech für Dachdeckungen fast gar nicht mehr verwendet, da die Haltbarkeit zu gering ist; in Amerika nutzt man es nur als galvanisiertes Eisenblech.
Die und , , zeigen gusseiserne, asphaltierte und glasierte Dachziegel vom Eisenhütten- und Emaillierwerk Tangerhütte Franz Wagenführ in Tangerhütte. Als Vorteile werden angeführt: leichter als eine Ziegel- und Schieferdeckung, schwächere Dachkonstruktion und ein größerer Lattenabstand, hohe Dauerhaftigkeit sowie bleibender Materialwert. Sie werden in zwei Formen hergestellt: als Facettenziegel () und als Falzziegel (). Etwa 18 bis 20 Stück jeder Sorte decken 1 m² Dachfläche; das Gewicht pro m² beträgt etwa 30 kg.
Dachdeckung aus verzinktem Eisen von Jakob Hilgers in Rheinbrohl
Die und , , sowie und , Taf. 24, zeigen Hilgers'sche Dachpfannen als ganze und halbe Pfannen sowie einen Teil des Längsschnittes durch die Pfannenmitte in halber natürlicher Größe. Drei ganze Pfannen reichen für 1 m² Dachfläche.
Da die Pfannen mit einer Presse hergestellt werden, wodurch jede Pfanne der anderen exakt gleicht, wird eine präzise und dichte Deckung ermöglicht. Dazu trägt auch wesentlich die eigentümliche Form des überdeckenden Pfannenstücks bei, dessen stumpfwinkliger Aufbau an der Unterkante zwischen den Wulsten ein Hochziehen von Wassertropfen selbst bei flacher Dachneigung unmöglich macht. Sämtliche Pfannen sind 110 mm vom unteren Ende entfernt auf jedem Wulst mit einer nach oben gewölbten Lochung versehen (, Taf. 24, bei i).
Wenn die Dachfläche mit Normalpfannen nicht ganz aufgeht, werden Ergänzungspfannen von 200, 400 und 600 mm Länge verwendet. Jede Pfanne wird nur an ihrer unteren Breitseite mittels je eines verzinkten Drahtstiftes auf jedem Wulst befestigt, während ihre obere Breitseite durch die überdeckende Pfanne gehalten wird. Hierdurch kann sich die Pfanne bei Temperaturwechseln frei ausdehnen und zusammenziehen. Der Drahtstift besitzt einen gewölbten Kopf, welcher die zur Dichtung untergelegte Bleischeibe fest umschließt. Dadurch, dass das Nagelloch durch die Aufwölbung höher liegt als der Wulst, ist ein Eindringen von Regenwasser unmöglich. Der unter der Verschalung herausragende Nagelteil wird mithilfe einer speziell konstruierten Zange umgebogen (, Taf. 24).
Nebelings Patent-Metalldach- und Wandbedeckung (D. R. P. Nr. 23238). Die Metalldeckung nach , Taf. 24, die für Dächer jeder Konstruktion sowie für Wandbekleidungen verwendet werden kann, übertrifft in puncto Einfachheit, Dauerhaftigkeit und Ästhetik viele der bisherigen Dach- oder Wanddeckungen. Die Verbindung der einzelnen Platten geschieht durch einfaches Ineinanderschieben der wulstförmigen Seitenränder. Dadurch sowie durch speziell geformte Rippen an den Überdeckungsstellen wird eine solide, zuverlässige Verbindung ganz ohne Lötung erzielt. Diese Verbindung ist so sicher, dass nur ein Teil der horizontalen Reihen auf der Dachschalung oder den Dachlatten befestigt werden muss. Bei der Verlegung der Platten auf Latten erfolgt die Befestigung ganz einfach mithilfe verzinkter U-förmiger Eisenhaken, die über einzelne Platten auf die Latten gesteckt werden. Hierdurch wird jede Nagelung überflüssig. Zur Firsteindeckung werden die Platten der obersten Reihen an ihren oberen Enden umgebogen (nachdem sie an den Wulsten entsprechend eingeschnitten wurden) und eine ebenfalls aus Blech hergestellte Kappe aus zwei Hälften über die Enden gesetzt. Diese Kappe wird dann durch übergelegte eiserne Bügel mittels Schrauben oder Nägeln entweder auf einer besonderen Leiste oder direkt auf den Sparrenköpfen bzw. deren Verkleidung befestigt. Die beiden Hälften der Kappe sind an den Enden ebenfalls mit eingedrückten Wulsten versehen, die beim Verlegen ineinandergreifen und so eine vollständige Abdichtung gewährleisten. An den Stellen, an denen die Kappen über die Wulste und Rippen greifen, erhalten sie entsprechende Ausschnitte. Bei der Verwendung verschiedenfarbig gestrichener oder lackierter Platten können in der Dachfläche auch Muster gestaltet werden.
Verzinkte Metalldachplatten, System Bellino, von Bellino & Co. in Göppingen. In , Taf. 24, sind die Vorder- und Rückansicht einer einzelnen Platte, sowie in , Taf. 24, die Vorder- und Rückansicht verlegter Platten dargestellt. 10 Stück (= 1 m²) dieser Dachplatten wiegen nur etwa $7\frac{1}{2}$ kg, weshalb eine leichte Dachkonstruktion ausreicht. Anstelle einer Dachschalung genügt eine Lattung mit 43,5 cm Abstand (von Oberkante zu Oberkante gemessen). Zur Befestigung dienen gerade Befestigungsbleche, die um die Latte herumgebogen werden, sodass eine Nagelung oder Ähnliches nicht erforderlich ist.
Diese neuen Dachplatten mit geraden Befestigungsblechen können für alle Arten von Dachlatten aus Holz oder Eisen benutzt und mehrfach wiederverwendet werden. Auch zur Verkleidung von Mauern lassen sich diese Platten einsetzen.
Rohre aus Guss- und Schmiedeeisen für Hausentwässerungen und Zuflussleitungen
Für Abzweigleitungen mit geringeren Maßen hat in Amerika seit einer Reihe von Jahren das Gusseisen die teureren Bleirohrleitungen zu verdrängen begonnen, und für Zuleitungen das Schmiedeeisenrohr. Letzteres wurde zuerst in Form gewöhnlicher Gasrohre verwendet, dann aber auch als Flanschenrohre, nachdem es gelungen war, sie durch den Bower-Barff-Prozess , durch Galvanisierung oder durch Verzinnung ausreichend vor Rost zu schützen und ihre Lebensdauer zu erhöhen. Die Vorteile der Schmiedeeisenrohre sind einfachste und sichere Verbindungsmöglichkeiten (wie bei Gasrohren), Stabilität der gesamten Leitung, Ausschluss jeglicher Beschädigung, leichtere Befestigung an Wänden, größere Wirtschaftlichkeit und namentlich erheblich geringere Wandstärken bei gleichzeitig hoher Steifigkeit, die ein Durchbiegen verhindert – was zu einem ansprechenden Aussehen der gesamten Leitung führt.
Die Herstellung der Mannesmannröhren ist in ein neues Stadium getreten. Dank einer ausgeklügelten Konstruktion des technischen Leiters der Mannesmann-Werke in London, des Ingenieurs Pirol, arbeitet die Walzmaschine bei der Rohrherstellung vollkommen automatisch; das Gelingen der Arbeit hängt somit nicht mehr vom Geschick des Bedieners ab. Nach einer Mitteilung des Patent- und Technischen Büros von Richard Lüders in Görlitz können nunmehr auch Röhren aus Stahl bis zu 24 cm und aus Legierungen bis zu 30 cm Durchmesser gewalzt werden. Da die Rohrwandungen bei diesem neuen Verfahren jede gewünschte Stärke erhalten können, werden Versuche unternommen, Zylinder für höchsten Gas- oder Luftdruck u. a. m. anzufertigen und sie umfassend auf ihre Leistungsfähigkeit zu prüfen.
Drahtgewebe für Rabitzputz wird von Philipp Boecker in Hohenlimburg-Unternahmer 2 hergestellt. In , Taf. 24, ist ein solches Drahtgewebe dargestellt.
Streckmetall
Unter der Bezeichnung Streckmetall bringt die Firma Schüchtermann & Kremer in Dortmund einen vielseitig verwendbaren Baustoff auf den Markt. Er besteht aus Blech, das mit patentierten Maschinen geschlitzt oder eingeschnitten und anschließend gestreckt wird, wodurch eine Art Gitter- oder Netzwerk mit regelmäßigen Maschen und Stegen entsteht. Diese Streckmetalltafeln können in beliebiger Länge bei einer Breite von 2,40 m hergestellt werden. Sie ribbeln sich nicht auf wie Drahtgewebe und können daher in jede beliebige Größe geschnitten werden. Als Material dient weicher Stahl , für Sonderzwecke auch Messing, Kupfer usw. Mithilfe von Streckmetall lassen sich – ähnlich wie beim System Rabitz oder Monier – in Verbindung mit Zement, Gips oder Kalkmörtel sehr einfach und kostengünstig Wände, Dächer, Decken und Fußböden herstellen, die stabil, feuerfest und leicht sind. Zudem lassen sich aus diesem Metallnetz Einfriedungen aller Art, Schutzgitter für Bäume, Fenster usw. herstellen, die fest sind und ansprechend aussehen. Dieses Streckmaterial hat bereits vielfältige Verwendung gefunden, insbesondere bei den Neubauten für die Weltausstellung in Paris; dort wurden damit zahlreiche Wände, Fußböden, Terrassen und Dächer in Verbindung mit Gips und einem äußeren Asphaltanstrich ausgeführt. In den bis , , sind einige Formen des Streckmetalls und seine Anwendungen dargestellt.
Spiraleisen der Firma Thomas & Steinhoff in Mülheim a. d. Ruhr wird gemäß , (Pat. Nr. 74313), für die Spiraleisen-Betondecke verwendet, die feuerfest, hausschwammsicher und leicht ist, dabei jedoch eine bedeutende Tragfähigkeit besitzt.
Stahlwolle
Stahlwolle wird in verschiedenen Feinheitsgraden hergestellt; sie sieht nicht nur wie echte, dunkelgraue Wolle aus, sondern fühlt sich auch so an. Sie dient anstelle von Schleifpapier zum Glätten, Abreiben und Polieren unterschiedlichster Gegenstände, insbesondere auch von Parkettböden, sowie als Putzwolle für verschiedene Metalle usw.
Der Schutz des Eisens gegen Rost
Eisen und Stahl haben den großen Nachteil, dass sie unter dem Einfluss feuchter Luft an der Oberfläche oxidieren, da sich der Luftsauerstoff mit dem Eisen verbindet. Das Eisen rostet; es bildet sich Rost, also Eisenoxidhydrat. Da Rost jedoch ein poröser, luftdurchlässiger Stoff ist, schreitet die Zersetzung unaufhaltsam fort, die Festigkeit geht allmählich verloren und das Metall wird mit der Zeit unbrauchbar.
Da Eisenoxiduloxid (Magneteisen, Hammerschlag) an der Luft nicht rostet, entwickelten Prof. Barff und die Ingenieure Bower (Vater und Sohn) ein Verfahren, um auf dem zu schützenden Eisenkörper eine Schicht aus Eisenoxiduloxid zu erzeugen, die das Rosten verhindert. Dies geschieht durch einen chemischen Prozess, dem das Werkstück unterzogen wird. Diese chemische Umwandlung (Inoxidationsprozess) kann auf zwei verschiedene Arten durchgeführt werden.
Nach der ersten, besonders für Gusswaren geeigneten Methode werden die Gegenstände in einer Kammer aufgeschichtet, durch Generatorgase direkt auf 600 bis $700^\circ\text{ C}$ erhitzt und dann einer heißen Mischung aus Kohlendioxidgas und Luft ausgesetzt. In etwa 15 bis 20 Minuten entsteht eine Schicht Eisenoxid ($\text{Fe}_2\text{O}_3$) auf den Gegenständen. Um diese Schicht in Magneteisen umzuwandeln, genügt es, desoxidierende Gase (die unvollständig verbrannten Rauchgase des Generators ohne Luftbeischmischung, d. h. Kohlenwasserstoff und Kohlenmonoxid) in die Kammer einzuleiten. Dadurch wird die Eisenoxidschicht reduziert, da ein Teil des Sauerstoffs von den genannten Gasen gebunden wird; dieser Vorgang dauert etwa 20 bis 30 Minuten. Danach wird die Zufuhr der desoxidierenden Gase beendet, die Heizung abgestellt und die Kammer erst geöffnet und entleert, wenn die Ware auf etwa $200^\circ\text{ C}$ abgekühlt ist, was ca. 3 bis 6 Stunden in Anspruch nimmt.
Die so entstandene Magneteisenschicht kann durch wiederholte Anwendung des Verfahrens beliebig verstärkt werden; gewöhnlich erfolgt eine vier- bis achtmalige Behandlung.
Tafel taf-24 (noch nicht verfügbar)
Die zweite Methode eignet sich für Schmiedeeisen und Stahl . Beide haben keinen so hohen Kohlenstoffgehalt wie Gusseisen , weshalb hier keine so intensive vorherige Oxidation nötig ist. Wenn diese Gegenstände von außen indirekt auf etwa $150^\circ\text{ C}$erhitzt sind, lässt man überhitzten Wasserdampf von$550^\circ\text{ C}$ einströmen, wodurch sich sofort das Magneteisen bildet.
Sind die Eisen- oder Stahlgegenstände bereits stark angerostet, müssen sie zuvor durch Generatorgase desoxidiert werden. Die Rostschicht wird dadurch ebenfalls in Magneteisen verwandelt, das sich dann innig mit der durch den überhitzten Wasserdampf erzeugten Magneteisenschicht verbindet.
Die Magneteisenschicht haftet sehr fest; ein Ablösen ist nur durch starke, fortgesetzte Stöße oder erhebliche Verformung möglich. Die Farbe ist ein ansprechendes, mattes Blauschwarz. Dieses neue Schutzverfahren ist erheblich kostengünstiger als die sonst für diesen Zweck bevorzugte Verzinkung. (Société française d'Inoxydation et de Platinage, Paris.)
Als Rostschutzmittel dienen Anstriche mit Leinölfirnis, Steinkohlenteer, Holzkohlenteer, Asphalt, Eisenlack, Wasserglas, Portlandzement, Kautschuköl usw., ferner das Einreiben mit Fett, Graphit usw., das Überziehen mit anderen Metallen wie Zink, Zinn, Kupfer, Blei usw. sowie das Emaillieren und Brünieren.
Nach gängiger Auffassung ist der Sauerstoff der Luft bei Feuchtigkeit die Ursache des Rostens. Professor Crum Brown behauptet hingegen, dass die Gegenwart von Kohlensäure (Kohlendioxid) die Ursache sei, was auch von anderer Seite vielfach angenommen wird. Nach weiteren Berichten in „Engineering“ scheint jedoch W. R. Dunston die wahre Ursache im Wasserstoffperoxid gefunden zu haben; denn nach seinen Versuchen rostete Eisen nicht, wenn zuvor alles Wasserstoffperoxid aus dem Wasser entfernt worden war, während sonst stets Rostbildung eintrat. (Engineering.)
Ausführlichere Informationen über Eisen finden sich in: „Kreusser, Das Eisen, sein Vorkommen und seine Gewinnung“, 2. Auflage mit 4 Tafeln, Verlag von Bernh. Friedr. Voigt in Leipzig.












