Zur Herstellung von Seilen und Tauen wird hauptsächlich Hanf verwendet. Gute Hanfsorten sind deutscher Reinhanf aus Königsberg, badischer Schleichhanf, russischer Reinhanf aus Riga u. a.; weniger gut sind der ostindische Hanf und der Manilahanf. Je nach Stärke und Verwendung unterscheidet man Schiffstaue, Rammtaue, Pfahlstaue, Seile oder Bindetaue, Leinen, Stricke, Bindfäden u. s. w. Die Haltbarkeit der Taue wird zwar durch Teeren erhöht, jedoch tragen geteerte bzw. nasse Taue nur etwa $\frac{2}{3}$ der Last, die ungeteerte bzw. trockene Taue tragen.
Gewicht und Tragfähigkeit ungeteerter runder Hanfseile aus der Fabrik von Felten & Guilleaume in Köln a. Rh.
| Durchmesser in mm | Gewicht des laufenden Meters in kg | Größte zulässige Belastung in kg |
|---|---|---|
| 16 | 0,21 | 200 |
| 20 | 0,32 | 300 |
| 23 | 0,37 | 400 |
| 26 | 0,53 | 500 |
| 29 | 0,64 | 750 |
| 33 | 0,80 | 900 |
| 36 | 0,96 | 1000 |
| 39 | 1,06 | 1250 |
| 46 | 1,55 | 1500 |
| 52 | 2,30 | 2000 |
Seile aus Aloehanf. Als Förderseile in Bergwerken nutzt man außer Drahtseilen vereinzelt auch Seile aus Aloehanf. Aloeseile werden aus Aloehanf hergestellt, einer Faser aus den bis zu 3 m langen, dicken und fleischigen Aloebläbtern. Eine hervorragende Eigenschaft der Aloeseile ist, dass sie in feuchten Schächten und im Wasser eine höhere Festigkeit erhalten. Diese Eigenschaft und ihre große Elastizität erklären die Tatsache, dass in den belgischen Kohlengruben fast ausschließlich Aloeflachseile als Förderseile verwendet werden.
Die Zerreißlänge des Seiles, d. h. diejenige Länge eines frei herabhängenden Seiles, bei der es infolge seines Eigengewichts zerreißt, beträgt bei ungeteerten Aloehanfseilen 12.000 m. Bei einer beispielsweise sechsfachen Sicherheit erhält man als zulässige Traglänge eines ungeteerten Aloehanfseiles somit 2.000 m. Hierbei wird angenommen, dass das Seil nur sein Eigengewicht trägt und auf seiner gesamten Länge denselben Querschnitt aufweist. Die Traglänge eines Förderseiles kann nun dadurch gesteigert werden, dass man es von oben nach unten dünner macht, entsprechend den in den verschiedenen Querschnitten auftretenden Zugkräften. Bei der Herstellung solcher Seile fängt man mit dem dünnen Ende an und fügt etwa alle 5 m einen oder mehrere Drähte hinzu.
^Nöthling, Baustofflehre. 21* Stroh, Rohr, Moos und Torf werden als natürliche Baustoffe für Bedachung, Dämmung und Abdichtung genutzt.