Abschnitt 172

4. Blei

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Blei kommt nur selten gediegen vor und wird meist aus Erzen gewonnen. Es ist von grauer Farbe, an der frischen Schnittstelle glänzend, verliert diesen Glanz an der Luft jedoch rasch wieder. Das spezifische Gewicht liegt bei 11,25 bis 11,45. In trockener Luft und in luftfreiem Wasser oxidiert Blei nicht. Der Überzug aus Bleioxid, der sich in feuchter Luft auf blankem Blei bildet, schützt das Metall vor weiterer Oxidation. Bei der Berührung von Blei mit weichem Wasser bildet sich Bleioxidhydrat, das im Wasser leicht löslich ist; aus diesem Grund können Bleirohre für Wasserleitungen giftig wirken. Enthält das Wasser jedoch etwas Kohlensäure, kohlensaure oder schwefelsaure Salze, entsteht kohlensaures bzw. schwefelsaures Bleioxid, welches in Wasser nahezu unlöslich ist und einen schützenden Überzug bildet. Zum Schutz vor Bleivergiftungen kann man bleierne Wasserleitungsrohre innen verzinken, oder man verwendet sogenannte Mantelrohre, deren Innenwandung aus einer etwa 0,5 mm starken Zinnschicht und deren Außenwandung aus Blei besteht.

Blei ist ein guter Leiter für Elektrizität und Wärme.

Blei wird zu Platten, Blechen und Draht verarbeitet, Bleiguss zu Ornamenten, Kugeln, Schrot usw. Bleibleche werden für Dachdeckungen, zum Belegen von Balkonen usw. verwendet sowie zur Sperrung gegen aufsteigende Feuchtigkeit in Fundamentmauern, als Zwischenlagen in Steinfugen und Holzverbindungen usw. Ferner dient Blei zum Vergießen von Eisenteilen, die in Steinwerk befestigt werden sollen.

Verwendung von Blei für Isolierungen usw. A. Siebels Patent-Bleiisolierplatten (D. R. P. Nr. 43349 und 45509) sind für das Bauwesen von besonderer Bedeutung. Beide Patente zeigen verschiedene Methoden auf, um dünne Bleiplatten durch einen Überzug aus Asphaltprodukten usw. vor Oxidbildung und Beschädigungen zu schützen, wodurch man einen günstigen Ersatz für das schwere und kostspielige Walzblei erhält. Diese Erfindung wird bislang hauptsächlich zur Bauwerksabdichtung gegen Feuchtigkeit eingesetzt – bei Mauern, Gewölben, Brücken, Gelände- und Kellersohlen sowie als Ersatz für die Papierlagen bei Holzzementdächern. Trotz der Bleieinlage sollen sie nicht teurer sein als andere gute Dichtungsbahnen; dabei lassen sie sich biegen, schneiden, in drei Lagen auseinanderfalten, ineinanderschieben und verkleben. Aufgrund ihrer Dehnbarkeit folgen sie eventuellen Setzungen des Mauerwerks, ohne zu reißen. Gewölbe von Brücken, Tunneln usw. sind trotz Zement- oder Asphaltschutzschichten bekanntlich selten vollkommen dicht, da neben dem natürlichen Setzen des Mauerwerks jedes darüberfahrende Fahrzeug Erschütterungen verursacht, die zu feinen Rissen führen, durch die beständig Wasser sickert. Als sicherster Schutz galt hier bisher nur die extrem kostspielige Abdeckung mit Walzblei schwerster Sorte.

Fensterblei (Glaserblei) besteht aus 3 Teilen Blei und 1 Teil bestem Zinn. Die Glaser stellen die Sprossen für Bleiverglasungen selbst her, indem sie das gegossene Metall zunächst in Stangenform bringen und dann auf dem Bleizug mit Nuten versehen. Neben gewöhnlichen Sprossen mit doppelter Nut gibt es noch: Umblei (Randblei), das nur an einer Seite genutet ist, und das Karniesblei, welches an der Oberfläche mit Zierprofilen (Karniesen) versehen ist und zur Verstärkung im Inneren einen kräftigen Eisendraht birgt.

Blei wurde schon in früheren Zeiten als Dachdeckungsmaterial bevorzugt, weil es sehr biegsam und in großen Platten erhältlich war. Es zeigten sich jedoch bald Nachteile: Aufgrund seines hohen Eigengewichts geriet es auf steileren Dächern ins Rutschen; die Falze öffneten sich, und das Blech löste sich aus seinen Befestigungen (Haften). Andererseits schätzte man die Witterungsbeständigkeit des Bleis und bemühte sich daher, die Deckungsmethoden zu verbessern. Für die Dacheindeckung des Kölner Doms wurden Bleibleche verwendet, denen man durch Einlagen aus verzinktem Eisen die nötige Steifigkeit verlieh; zudem wurden die Haften angelötet und die Verbindungen homogen (Blei auf Blei) verschweißt. Die verwendeten Bleche sind 2,5 mm dick und wiegen 25 kg/m².

Über die Einwirkung von Wasser auf Blei. Wasser aus vulkanischen Gebieten sowie aus Buntsandsteingebirgen greift Bleirohre aufgrund seines hohen Gehalts an freier Kohlensäure an. Nach Untersuchungen von Bissarié ergab sich:

  1. Wasser und alle Salzlösungen greifen Blei mehr oder weniger an, wenn es sich im Kontakt mit einem anderen Metall (Kupfer, Messing, Eisen, Nickel) befindet. Das Einwirkungsprodukt ist Bleihydroxid.
  2. Am energischsten wirken reines Wasser, Nitratlösungen und Chloridlösungen ein. Solche Lösungen greifen Blei schon bei Luftzutritt an, ohne dass es sich im Kontakt mit anderen Metallen befinden muss. Kohlensäurehaltige Wässer wirken an sich kräftig auf Blei ein, doch wird die Einwirkung durch die sich bald bildende Schicht aus unlöslichem Bleikarbonat, mit der sich das Metall überzieht, aufgehoben.

Das Verzinnen von Bleirohren hat sich nicht bewährt, da durch die Kontaktwirkung zwischen Blei und Zinn elektrolytische Einwirkungen stattfinden.

Bleirohre sollte man niemals direkt in Zement- oder Kalkputz verlegen, da beides die Bleirohre zerstört. Von den Rohrlegern werden die Bleirohre deshalb zuerst mit sogenanntem Weißzeug (Wolle) umwickelt, wenn sie eingeputzt werden sollen. Ebenso vorteilhaft ist es, die Rohre frei in Wandkanälen zu verlegen, sodass man jederzeit bequem an sie herankommen kann.

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