Allgemeines über Gipsdielen . Zu den modernen Baustoffen, die eine außerordentliche Verbreitung erlangt haben, gehören auch die sogenannten Gipsdielen . Ihre Verwendung anstelle von Mauer- oder Holzfachwerk bietet viele Vorteile und wird daher immer beliebter. Gipsdielen werden aus einer Mischung von Gipsbrei mit einer pflanzlichen Einlage als Bindemittel hergestellt, wofür bisher meist Schilfrohr, außerdem Holzwolle, Hanf, Jute, Alfafasern u. a. verwendet wurden.
Im Allgemeinen ermöglichen Gipsdielen ein schnelles, trockenes, feuersicheres, raum- und gewichtssparendes sowie kostengünstiges Bauen, was sie für viele bauliche Zwecke geradezu unentbehrlich macht. Dennoch lässt sich nicht leugnen, dass den bisher üblichen Gipsdielen einige deutliche Mängel anhaften.
Die Mängel, die man den Gipsdielen vorwirft, bestehen im Wesentlichen aus Folgendem: beschränkte Dauerhaftigkeit durch das allmähliches Vermodern der pflanzlichen Einlage; geringe Widerstandsfähigkeit und das leichte Entstehen von Brüchen und Rissen, die Ungeziefer unzugängliche Schlupfwinkel bieten; sowie das Ausbrechen des Gipses beim Einschlagen von Nägeln oder Haken, die darin keinen festen Halt finden.
Kokolith-Platten oder Kokos-Gipsdielen der Gipsdielenfabrik von Ernst Süßmilch in Leipzig, Langestraße 36, und Niedersachswerfen a. H. (nach ...)
Franz Schmeissers Verfahren D. R. G. M. 45823.) In den aus Kokolith, d. h. einem Gemenge von Gipsbrei mit Kokosfasereinlage, erzeugten Kokolithplatten oder Kokosgipsdielen ist es gelungen, eine Gipsdiele herzustellen, der die vorgenannten Mängel nicht anhaften, während ihr die Vorzüge der Gipsdielen in erhöhtem Maße zueigen sind.
Die raue, äußerst zähe Kokosfaser ermöglicht nämlich eine ungemein innige Verbindung mit dem durch Beimengung fest bindender Stoffe präparierten Gips. Ihr reichlich beigemengt, durchzieht die Faser den Gips gleichmäßig nach allen Seiten wie ein festes Gewebe. Dadurch erlangen die so hergestellten Platten eine bisher nicht gekannte Festigkeit und einen gewissen Grad an Elastizität. Diese außerordentliche Festigkeit und Zähigkeit tritt am überraschendsten bei den nur $1\frac{1}{2}\text{ cm}$ starken Platten zutage, besonders wenn diese nach einem besonderen Verfahren als „Export-Qualität“ hergestellt wurden.
Solche Platten bewahren ihren Zusammenhang selbst dann noch, wenn der Gips durch hohen Druck gesprengt wurde. Aber auch die für den gewöhnlichen Gebrauch bestimmten Platten aller Stärken besitzen einen so hohen Grad an Zug- und Druckfestigkeit, dass sie sehr hohen Anforderungen genügen können.
Vorzüge und Vorteile der Kokolithplatten sind: Dauerhaftigkeit und zähe Festigkeit. Die Platten können wie Holzbretter gesägt, gehobelt, genagelt, auch abgenommen und an anderer Stelle wiederverwendet werden. Eingeschlagene Nägel oder Haken sitzen fest und können belastet werden. Festes Haften des Putzes an den auf der rauen Seite hervorstehenden Kokosfasern. Stuck – d. h. Papier „Xylogenith“ oder leichter Trockenstuck – kann wie an jede andere Decke angeschlagen bzw. angeschraubt werden. Isolierfähigkeit gegen Kälte und Wärme, erhöht durch die filzartig eingebettete Kokosfaser. Beliebige Formen und Größen innerhalb der Grenzen der Transportfähigkeit und Handlichkeit. Schalldämpfende Wirkung, die sich namentlich bei Zimmerdecken bemerkbar macht. Schutz gegen Feuersgefahr, insbesondere wenn die Zimmerdecken mit den $1\frac{1}{2}$ bis $2\frac{1}{2}\text{ cm}$ starken Platten verkleidet wurden. Desinfizierende Wirkung, verkürzte Bauzeit, Ersparnis an Raum und Belastung, billiges Bauen – besonders vorteilhaft bei Bauten, die eher provisorischen Zwecken dienen, jedoch solide sein sollen (Arbeiterbaracken, Notspitäler, Ausstellungsbauten usw.). Dabei ersetzt die $1\frac{1}{2}\text{ cm}$ starke Platte vollkommen die $2\frac{1}{2}\text{ cm}$ starke, die $3\text{ cm}$ Platte die Stelle von $5\text{ cm}$, und die $5\text{ cm}$ Platte die Stelle von $7\text{ cm}$ starken anderweitigen Gipsdielen usw.
Verwendung der Kokolithplatten. Die Stärke der verwendeten Platten richtet sich nach den jeweiligen besonderen Anforderungen. Unter normalen Verhältnissen genügen jedoch für die folgenden Verwendungszwecke die angegebenen Stärken vollkommen:
- Deckenverkleidung anstelle von Holzschalung, Rohrbahn und Putz: $1\frac{1}{2}$ bis $2\frac{1}{2}\text{ cm}$ starke Platten.
- Zwischenböden: $5$ bis $7\text{ cm}$ starke Platten (siehe , ).
- Mansardenverschalung: $1\frac{1}{2}$ bis $2\frac{1}{2}\text{ cm}$ starke Platten; wie , .
- Shed- und andere Dächer, Herstellung und Verkleidung: $3$ bis $5\text{ cm}$starke Platten mit Dachpappe oben und$1\frac{1}{2}\text{ cm}$ starke Platten unten (, ).
- Isolierung kalter oder feuchter Wände: $1\frac{1}{2}$bis$3\text{ cm}$ starke Platten ( und , ).
- Scheidewände (Zwischenwände): a) Einfache: $5$ bis $7\text{ cm}$starke Platten. b) Doppelte mit Hohlraum:$2\frac{1}{2}$bis$3\text{ cm}$ starke Platten.
- Außenwände: a) Einfache: $5$ bis $10\text{ cm}$ starke Platten. b) Doppelte mit Hohlraum: zur äußeren Verkleidung $5$ bis $10\text{ cm}$ starke Platten, zur inneren Verkleidung $2\frac{1}{2}$ bis $3\text{ cm}$ starke Platten.
- Gipsbauten mit Holz- oder Eisenkonstruktion für vorübergehende oder dauerhafte Zwecke wie Baracken, Notspitäler, Ausstellungsbauten, Schuppen, Magazine, Fabrikgebäude, Arbeiterhäuser, Villen, Tropenbauten usw.
Form und Größe der Kokolithplatten. Die mit Nut und Feder versehenen Platten sind gewöhnlich $2\text{ m}$ lang, $25$ bis $50\text{ cm}$ breit und $1,5$, $2,5$, $3$, $4$, $5$, $6$ und $7\text{ cm}$ bis $12\text{ cm}$ stark. Auf Wunsch stellt die oben genannte Firma die Platten bis zu $3\text{ m}$ Länge her. Platten mit einer Stärke von mehr als $7\text{ cm}$ können mit Hohlräumen geliefert werden.
Macks Gipsdielen von A. & O. Mack in Ludwigsburg (Württemberg). Macks Gipsdielen mit Nut und Falz bestehen aus einer besonders präparierten Gipsmasse mit oder ohne Asphaltunterlage. Durch die Beimischung poröser und fest bindender Stoffe (Haare, zerkleinerter Kork usw.) erhält die Masse eine große Leichtigkeit und Zähigkeit. Sie leitet Schall und Wärme nur schlecht und ist somit ein hervorragendes Isoliermaterial. Durch Einlagen aus vegetabilem Rohr (Binsen oder Bambus) oder dünnen Holzstäbchen wird die Masse zusätzlich versteift. — Die Asphaltpappenschicht erhöht die Isolierfähigkeit der Gipsdielen gegen Einflüsse von Hitze, Kälte und Feuchtigkeit erheblich und schützt zudem vor Dünsten und Niederschlägen. Die Hohlräume in den Gipsdielen sowie die genannten Beimischungen wirken schalldämpfend und isolierend.
Macks Gipsdielen werden gewöhnlich in einer Länge von $2\frac{1}{2}\text{ m}$, einer Breite von$25\text{ cm}$und einer Stärke von$2$bis$12\text{ cm}$ hergestellt. Sie lassen sich wie Holz nageln und auf jedes beliebige Maß zersägen, wodurch ihre Verwendung einfach und unkompliziert ist.
Gipsdielen können zu jeder Jahreszeit, selbst im Winter, verwendet werden, was die Bauzeit erheblich verkürzt. Da die Gipsdielen in trockenem Zustand verarbeitet werden, sind die damit hergestellten Decken, Wände und Gewölbe rasch trocken, was eine große Zeitersparnis bedeutet. Mit Gipsdielen hergestellte Zwischenböden sind sofort trocken und ermöglichen das unmittelbare Verlegen der Fußböden.
Als schlechte Wärmeleiter bieten Gipsdielen Schutz vor Witterungseinflüssen; die Bildung von Kondenswasser bei Sheddächern wird vermieden. Die Feuersicherheit von Räumen, die mit Gipsdielen verkleidet sind, ist im Vergleich zu Holzschalungen mit Gipsputz wesentlich höher. Da die mit Gipsdielen hergestellten Zwischenböden nicht brennbar sind, stellen sie einen hervorragenden Ersatz für hölzerne Stakungen dar. Zudem wird durch den Einsatz von Gipsdielen eine erhebliche Schalldämpfung erzielt.
Macks Gipsdielen besitzen eine gleichmäßig angeraute Oberfläche, auf der der Putz hervorragend haftet. Die Verarbeitung ist einfach und kann von jedem geübten Gipser (Verputzer) bzw. Maurer ausgeführt werden. Macks Gipsdielen sind mit Nut und Falz versehen, wodurch ein inniger Verband, eine hohe Tragfähigkeit der Konstruktion sowie eine verbesserte Feuersicherheit und Isolierfähigkeit erzielt werden.
, , zeigt die Verwendung von Gipsdielen für Decken (als Ersatz für Schalung und Putz) und für Zwischenböden.
In , , ist die Verwendung von Hohlgipsdielen für Zwischendecken auf Drähten mit feuersicherem Deckenputz unter Holzbalken dargestellt. Die Vorzüge dieser Konstruktion sind: vollständige Feuersicherheit, feste Verspannung des Gebälks, hohe Belastbarkeit der Zwischendecke sowie eine schnelle und kostengünstige Ausführung.
Macks Gipsdielen ($7\text{ cm}$stark) und Hohlgipsdielen ($10$ oder $12\text{ cm}$ stark) eignen sich auch für Decken zwischen Eisenträgern, ferner für schallsichere Deckenkonstruktionen, zur feuerfesten Verkleidung von eisernen Unterzügen, für Gewölbe auf oder zwischen gebogenen Eisenträgern, zur Herstellung von Warmluftkanälen, zur Isolierung von Sheddächern usw.
Macks Spreutafeln (Hohltafeln) sind besonders leicht, mit Nut und Falz versehen, $10\text{ cm}$ stark, $1,25$ oder $2,5\text{ m}$ lang und $0,25\text{ m}$ breit. Sie werden entweder ohne Asphaltpappe oder – zur besseren Isolierung – mit einer Asphaltpappenschicht auf der Rückseite geliefert. Diese Spreutafeln empfehlen sich besonders zur Herstellung feuerfester Decken auf Drähten (, ), zur Errichtung leichter Scheidewände, Telefonzellen, Zwischendecken usw.
Die Hartgipsdielen der Aktiengesellschaft für Monierbauten (vormals G. A. Waiss & Co.) in Berlin NW, Alt-Moabit 97, ermöglichen ein schnelles, trockenes und feuerfestes Bauen bei hoher Stabilität und günstigen Kosten. Zudem bieten diese Hartgipsdielen eine gute Isolierung gegen Kälte, Hitze und Schallübertragung.
Die Hartgipsdielen werden vollständig trocken auf die Baustelle geliefert und trocken als Zwischendecke, Decke oder Fußboden in die Balken oder T-Träger eingelegt. Dadurch kann das Verlegen von Dielung, Linoleum usw. sofort im Anschluss erfolgen. Ebenso schnell lassen sich mit den Hartgipsdielen Deckenbekleidungen und Wände herstellen, die – abgesehen von einem dünnen Putzüberzug, falls dieser gewünscht wird – ebenfalls sofort trocken sind. Die Feuersicherheit der Hartgipsdielen-Konstruktionen wurde durch mehrfache Brandproben nachgewiesen.
In hygienischer Hinsicht sind die Vorzüge der Hartgipsdielen insbesondere bei ihrer Verwendung für Zwischenböden, Decken und Wände sehr hoch einzuschätzen. Das unvollständige Austrocknen des Lehmstrichs, das zu frühe Verlegen des Fußbodens (was Fäulnis und Stocken des Holzes verursacht), das Ausfüllen der Balkenfelder mit ungeeigneten, unsauberen Baustoffen, die Ungeziefer anziehen, sowie das Wohnen in feuchten, ungenügend ausgetrockneten Räumen sind Missstände und Gefahren, die man durch die Verwendung trockener Hartgipsdielen vermeidet.
Die Hartgipsdielen der oben genannten Firma bestehen aus einer speziell zubereiteten Gipsmasse, die durch die Beimischung poröser und fest bindender Stoffe sehr leicht und zäh wird und durch ein besonderes Verfahren gehärtet ist. Durch Einlagen aus Rohr, Bambus usw. werden diese Eigenschaften noch deutlich verbessert; zudem wird die Masse dadurch versteift und zugfest. Die Trocknung erfolgt auf künstlichem Weg in speziell konstruierten Trockenanlagen. Zur Erhöhung der Isolierfähigkeit gegen Feuchtigkeit und zum Schutz vor Dünsten und Niederschlägen werden die Hartgipsdielen bei Bedarf auf einer Seite mit einer Asphaltpappunterlage versehen.
Die Hartgipsdielen werden gewöhnlich in festen Längen von 1,80 bzw. 2,50 m, festen Breiten von 25 bzw. 20 cm und in Dicken von 2,5 bis 8 cm hergestellt; sie können jedoch auch in jedem anderen gewünschten Maß angefertigt werden. Die Hartgipsdielen lassen sich wie Holz auf jedes beliebige Maß zersägen und nageln, was ihre Verwendung einfach und unkompliziert macht.
Allgemeines über die Verarbeitung der Hartgipsdielen
Die Hartgipsdielen besitzen gewöhnlich eine glatte beziehungsweise mit Asphaltpappe belegte Rückseite und eine raue Vorderseite. Auf Wunsch werden sie jedoch auch beidseitig glatt geliefert. Die raue Oberfläche dient dazu, dass der aufzutragende Feinputz sicher und fest haftet. Bei Decken und inneren Wandverkleidungen, die verputzt werden sollen, muss daher stets die raue Seite der Hartgipsdielen nach unten bzw. nach innen zeigen; bei Außenwänden zeigt die raue Seite entsprechend nach außen. Bei einfachen Scheidewänden, die beidseitig einen Feinputz erhalten, werden die Hartgipsdielen so montiert, dass ihre rauen Flächen abwechselnd zur einen und zur anderen Seite zeigen; die glatten Flächen werden dann vor dem Verputzen ebenfalls aufgeraut.
In Fällen, in denen eine einfache, glatte Fläche ausreicht, wie in Magazinen, Fabriken, Baracken usw., sowie bei Wänden, die direkt tapeziert werden, empfiehlt sich die Verwendung glatter Hartgipsdielen.
Will man die glatte Fläche der Hartgipsdielen überputzen, muss diese zuvor aufgeraut werden. Der Putz wird in allen Fällen dünn aufgetragen, höchstens 1 cm stark. Der Innenputz wird so ausgeführt, dass die rauen Flächen zunächst mit ganz dünnem Gipskalkmörtel (Weißkalkmörtel mit etwa 1/3 Gipszusatz) beworfen bzw. bespritzt werden. Danach wird die bespritzte Fläche mit einem dickeren Mörtel (Weißkalkmörtel mit etwa 2/3 Gipszusatz oder reiner Gips) aufgezogen, abgerieben oder mit der Kelle geglättet.
Der Außenputz sowie der Putz in feuchten Räumen (Küchen, Ställe, Keller usw.) kann auf verschiedene Arten hergestellt werden: Entweder 1. die rauen Flächen werden zunächst mit dünnem Weißkalkmörtel (mit etwa 1/3 Gipszusatz) bespritzt und mit dickerem Weißkalkmörtel ohne Gipszusatz abgeputzt, oder 2. die rauen Flächen werden zunächst wieder mit ganz dünnem Weißkalkmörtel (mit etwa 1/3 Gipszusatz) bespritzt; darauf folgt ein zweiter Bewurf aus dünnem Weißkalkmörtel ohne Gipszusatz und abschließend wird mit dickerem Weißkalkmörtel (mit etwa 1/5 Portlandzement-Zusatz) abgeputzt, oder 3. die rauen Flächen werden mit ganz dünnem Mörtel aus hydraulischem Kalk bespritzt und danach mit dickerem Mörtel aus hydraulischem Kalk abgeputzt.
Die Befestigung der Hartgipsdielen erfolgt zweckmäßig mit breitköpfigen, verzinkten Nägeln; dabei empfehlen sich für Wandverkleidungen Drahtstifte, für Deckenverschalungen hingegen geschmiedete Nägel.
Sesalith-Hartgipsdielen von Wilh. Lüders in Weissenthurm dienen für Decken und Wände und werden in verschiedenen Stärken hergestellt.
Zur Isolierung von Wellblechdecken dienen die sogenannten Radialdielen derselben Firma, die für jeden gewünschten Radius angefertigt werden.
Bruckners Patenthohlplatten mit Rohrverspannung (Patent A. Bruckner in Aachen)
Beim Brucknerschen Wandplattensystem bestehen die Wände aus Gips- oder Zementhohlplatten, die je nach Bedarf zwischen Fußboden und Deckenbalken mit Gasrohren oder Stäben säulenartig, diagonal oder doppelt diagonal verspannt sind. Die Platten (Gips- oder Zementhohlplatten) werden im Mauerwerksverband zusammengesetzt, sodass jede Stoßfuge stets auf die Mitte der darüber und darunter liegenden Platte trifft. Jede dieser Platten besitzt an den beiden seitlichen Kanten (wo sie an die Nachbarplatte grenzt und eine Fuge bildet) eine Hohlkehle mit kreisförmigem Querschnitt. Zusammengefügt bilden diese beiden Hohlkehlen ein kreisrundes Rohr, das durch Eingießen von flüssigem Gipsmörtel ausgefüllt wird. Dies verbindet die Platten zu einem festen Ganzen und verhindert ein seitliches Ausweichen. — Anders sind die sogenannten Lagerfugen beschaffen: Sie sind oben und unten mit Nut und Feder bzw. mit Stab und Hohlkehle versehen, die genau ineinandergreifen und, mit Gipsmörtel vermauert, einen festen Verband bilden.
Diese Platten werden so hohl gegossen, dass in einer Entfernung von etwa einem Viertel der Gesamtlänge von jeder Seitenkante eine durchgehende Öffnung mit rund 30 mm Durchmesser verläuft. Dazwischen wird beim Gießen eine beliebige Anzahl kleinerer, vertikal verlaufender, röhrenartiger Hohlräume ausgespart, die oben kegelförmig zulaufen, also nicht ganz durchgehen.
Die größeren, rohrartigen Öffnungen dienen zur Aufnahme der Rohrverspannung, während die kleineren Öffnungen das Wandgewicht verringern und vor allem der Schalldämpfung dienen. Zu den größeren Öffnungen ist anzumerken, dass nur wenige davon – etwa alle 2 bis 3 m Wandlänge – tatsächlich für die Verspannung benötigt werden. Es wird jedoch eine größere Anzahl davon ausgespart, um flexibel auswählen zu können. Die nicht genutzten Kanäle werden ebenso wie die zylindrischen Hohlräume der Stoßfugen mit dünnflüssigem Gipsmörtel ausgegossen, was die Standfestigkeit der Wände weiter erhöht.
Die sogenannte Rohrverspannung besteht aus kurzen, kaum einen Meter langen Stücken eiserner Gasrohre, die mittels beidseitiger Gewinde und Verbindungsmuffen zusammengesetzt werden. So ergibt sich für jede Platte nach , , ein sechsfacher Verband. Dieser ist so stabil, dass selbst bei Wänden ohne Rohrverspannung der untere Teil komplett entfernt und die freihängenden Platten mit Gewichten belastet werden können, ohne dass sich der Verband löst. Mithilfe dieser zu stabilen Säulen verbundenen Eisenrohre, die der Wand maximale Widerstandsfähigkeit verleihen und seitliche Verschiebungen ausschließen, wird die Herstellung von Wandfeldern ermöglicht, die sogar einige hundert Quadratmeter groß sein können, ohne dass Zwischenpfosten oder Riegelungen nötig sind. Die Verbindung der Wand mit dem Fußboden ist so fest, dass selbst bei einem eventuellen Setzen des Mauerwerks kein Verschieben oder Reißen der Wand beobachtet wurde.
Die konstruktive Bedeutung der Spreng- oder Hängewand (, ) erschließt sich von selbst. Der durch die schrägen Kanäle bewirkte verstrebende Verband sowie die Rohrverspannung führen zu einer starken Aufwärtsverstrebung der Platten und somit zu einer maximalen Freitragung. Zudem wird eine außerordentliche Versteifung ganzer Wandflächen erzielt. — Die so hergestellten Wände tragen sich vollständig selbst und benötigen keine Unterstützung an ihrer Basis. Die Plattenwand mit inneren Kreuzstreben (vgl. , ) gewährleistet eine hervorragende Haltbarkeit und Widerstandsfähigkeit; die Wände sind gegen Einknicken gesichert und besitzen eine hohe Tragfähigkeit. Die Platten sind hier mit schrägen Kanälen versehen, und die Rohrverspannung ist schräg und strebenartig angeordnet. Belastungsproben zeigten, dass diese Wände erheblich solider sind als Fachwerkwände. Werden statt der Gipsplatten Zementplatten verwendet, entstehen Wände mit einer weit höheren Druckfestigkeit als gewöhnliche Ziegelwände: Während gewöhnliches Ziegelmauerwerk nur mit 7 bis 14 kg pro Quadratzentimeter belastet werden darf, verträgt die Zementplattenwand bei fünffacher Sicherheit eine Belastung von 34 kg pro Quadratzentimeter. Das Brucknersche System ist vielfach unter dem Namen „Patenttrockenwand“ bekannt (Deutsche Bauhütte, Hannover 1898, S. 392).
Scagliol-Tafeln nach System Beine
Scagliol ist eine Mischung aus hydraulischem, schwefelsaurem Kalk und Kalkhydrat, der je nach Einsatzzweck Sand oder Kohlenasche beigemischt wird. Diese Mischung wird in Eisenformen gegossen und nach dem Erhärten entnommen. Scagliol-Bautafeln lassen sich leicht versetzen; die damit hergestellten Decken sind trotz ihres geringen Gewichts stabil und feuerfest. Für Zwischenwände nutzt man handliche Platten, die im trockenen Zustand im Verband zusammengesetzt werden. Die Fugen werden von außen verputzt, und die Rillen an den Stoßfugen werden mit schnell erhärtendem Gipsmörtel ausgegossen. In Mörtel dürfen die Tafeln jedoch nicht gesetzt werden, da die Festigkeit auf dem sorgfältigen Vergießen der einzelnen Schichten beruht. Gussdecken aus Scagliolmasse werden in Verbindung mit porösen, nicht brennbaren Stoffen wie Bimssand, Schlacke usw. hergestellt.
Die Ausführung von Gewölben aus Scagliol-Bautafeln ist ebenfalls einfach; ihre Verwendung in feuchten Räumen ist jedoch völlig ausgeschlossen.
Ein weiteres Anwendungsgebiet für Scagliol sind Schornstein- und Lüftungsrohre. Diese Rohre besitzen die Höhe von vier Ziegelschichten und werden einfach in das Mauerwerk eingemauert. Im Gegensatz zu gemauerten Schornsteinen bieten die neuen Schornsteinrohre folgende Vorteile: 1. Sie sind absolut dicht; die senkrechten Stoßfugen fallen weg, und die waagerechten Fugen besitzen Spezialrillen, in die sich beim Aufstellen der Mörtel schiebt, wodurch dichte Fugen entstehen. 2. Da sich die Rohre exakt senkrecht aufstellen lassen, wird die Innenfläche des Kamins vollkommen glatt, was Rußansatz und Verstopfungen verhindert. Die Zugleistung ist zehnmal höher als bei gemauerten Kaminsteine, und eine Reinigung ist wesentlich seltener erforderlich. 3. Ein wesentlicher Vorteil besteht darin, dass sich selbst in eine nur einen Stein starke Mauer ein Schornstein einbauen lässt, ohne dass unschöne Mauervorsprünge im Zimmer entstehen. Die Feuersicherheit der Scagliol-Kaminsteine wurde durch eine Brandprüfung der Königlichen Prüfungsstation nachgewiesen.








