Abschnitt 334

Tapeten

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Zur Verkleidung der Wandflächen dienten ursprünglich Teppiche; gegen Ende des Mittelalters nahm die Herstellung der Wandteppiche durch die von Gilles Gobelin erfundene Art der Weberei einen neuen Aufschwung. In bürgerlichen Wohnungen wurden die Wände, wenn man sie nicht mit Holztäfelung oder glasierten Platten bedeckte, einfach getüncht oder mit einer leichten Schablonenmalerei belebt. Schon im 15. Jahrhundert fing man an, diese Malereien statt unmittelbar auf die Wand auf Papierbögen herzustellen, die man auf die Wand aufklebte. Dieses Verfahren wurde dahingehend vervollkommnet, dass anstelle der Wandmalerei der Holzmodelldruck trat, der sich seit Anfang des vorigen Jahrhunderts in größerem Maße eingebürgert hat. Gegenwärtig bildet die Herstellung der Tapeten, für die seit etwa 50 Jahren Maschinen benutzt werden, eine ausgedehnte Industrie. In Deutschland werden die Tapeten fast durchweg in Rollen von 8 m Länge und 0,47 m Breite in den Handel gebracht.

Man unterscheidet die billigeren Naturell- und Satintapeten, die sich direkt auf die Wand aufkleben lassen, von den besseren Sorten wie echten Blattgold-, Velours-, imitierten Seiden- oder gepressten Tapeten. Anstelle von Tapeten wählt man auch andere künstliche Stoffe wie Linkrusta Walton , gepressten Filz, nachgeahmtes gepresstes Leder u. s. w., die eine plastische Wandverzierung bilden, dafür aber umso teurer sind, da sie nach dem Aufkleben meist noch bemalt werden müssen.

Glanzlacktapeten, welche glasierte Wandplatten (Fliesen) nachahmen, eignen sich für Toiletten, Garderoben, Badezimmer und Küchen.

Crackleytapeten werden ähnlich hergestellt und eignen sich für Wandfüllungen, die dann mosaikartig ausgelegt erscheinen. In Barcelona werden glasierte Platten aus bedrucktem Carton pierre (Steinpappe) von etwa 4 mm Stärke hergestellt, die sehr haltbar sind und sich zum Verkleiden von Holzwänden, besonders in Schiffskabinen, eignen. Vielfach werden auch Holzarten durch Tapetendruck nachgeahmt.

Echte Holztapeten werden aus schön gemaserten Holzarten in sehr dünnen Furnieren geschnitten und durch das Aufkleben auf Papier gegen Zerbrechen gesichert.

Ledertapeten (Ledertapeten oder Cordovatapeten) bestehen aus Tierhäuten (meist Kalbfellen), die ein durch Pressen oder Walzen hervorgebrachtes reliefartiges Muster erhalten. Die Ledertapeten werden auf Leinwand geklebt, die über einen Rahmen gespannt ist, und in einer Holzrahmung an der Wand befestigt.

Nachahmungen von Ledertapeten bestehen aus Hanfpappe, die zwischen Walzen oder Pressen geformt und dann farbig bedruckt oder vergoldet wird. Diese Tapeten werden wie Papiertapeten aufgeklebt, was allerdings wegen der Dicke des Papiers Schwierigkeiten verursacht.

Abwaschbare Tapeten. Ein Verfahren zur Herstellung von abwaschbaren Tapeten von W. Jacoby in Kyritz, Prignitz, D. R. P. 99222, besteht darin, dass die zu färbenden Flächen mit einer Lösung von Erdalkalien, am besten Barium- oder Calciumnitrat, angefeuchtet und sodann mit einem Farbgemisch bestrichen werden, das aus der gewünschten Farbe, Alkalien, Stärke und einer Alaunlösung zusammengesetzt ist. Der Farbstoff wird hierbei durch das sich bildende Aluminiumhydroxid und die sich ausscheidende unlösliche Stärke fixiert. Die so hergestellten Tapeten, Anstriche u. s. w. lassen sich ohne Beschädigung der Farbe oder des Papiers abwaschen. (Deutsche Bauhütte 1898, S. 424.)

Abwaschbare Tapeten von Georg Grossheim in Elberfeld. Diese Tapeten werden durch Öldruck hergestellt und unterscheiden sich kaum von Leimfarbentapeten; sie sind zwar glatt, aber nicht glänzend. Sie können mit Wasser abgewaschen werden, ohne dass sich die Farbe ablöst. Ebenso wenig wirken Seifenwasser, Karbolsäure oder Sublimatlösung zerstörend auf die Farben ein; die Tapeten können daher leicht gereinigt und vollkommen desinfiziert werden, ohne an Frische zu verlieren. (Baugewerks-Zeitung 1894, S. 896.)

Hygienische Tapeten aus Korklinoleum werden zurzeit in Amerika verwendet. Sie lassen sich ohne Beschädigung des Musters mit Wasser abwaschen. Man verwendet sie sowohl für die Decke als auch für die Wände. Mit der Rückseite werden sie durch ein Klebemittel an der Wand befestigt.

Eine neue Tapetenart mit schöner Wirkung hat sich Aubrey Edgerton Meyer in Whitehall, Co. Wash., Nordamerika, patentieren lassen. Sie besteht aus einer Unterlage beliebiger Art, auf der mittels Klebemittel eine Schicht spinnbarer, aber in ungesponnenem und unverwebtem Zustand verwendeter Fasern befestigt ist. Als Fasern kommen besonders Seidenabfälle in Betracht, die zunächst gewaschen und getrocknet werden. Aus einer Streckmaschine treten die Fasern geordnet und parallel zueinander als geschlossenes flaches Band aus, das dann mit dem Klebemittel auf der Unterlage befestigt wird. (Technische Rundschau 1901, S. 380.)

Tapeten aus Zink sind in Nordamerika seit einiger Zeit in Gebrauch. Die Zinktafeln werden so dünn wie Papier ausgewalzt und mit einem speziell für diesen Zweck hergestellten Zement an den Wänden befestigt. Um die Tapeten länger nutzen zu können und sie nach Bedarf abwaschbar zu machen, ist die Oberfläche des Zinks emailliert. Die Haltbarkeit des emaillierten Zinks kommt der von Fliesen recht nahe. Man kann also mit diesen neuen Tapeten denselben Zweck erreichen, wobei sie jedoch wesentlich billiger sind.

Über Tapeten aus Aluminium wurde bereits auf Seite 201 das Wichtigste gesagt.

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