Dachschiefer sind Tonschiefer , die sich in dünne, große und ebene Platten spalten lassen; sie müssen fest und hart sein und eine einheitliche Beschaffenheit der Gemengteile sowie eine feinkörnige Struktur aufweisen. Die Dachschiefer finden sich in den Tonschieferablagerungen vortertiärer Gebirgsformationen in Sachsen, im Riesengebirge, Erzgebirge und Fichtelgebirge, im rheinischen Schiefergebirge, im Lahntal, in Thüringen (Lehesten) usw.
Guter Dachschiefer sollte frei von Schwefelkies sein, weil dieser bei der Verwitterung sein Volumen vergrößert und dabei den Schiefer sprengt. Das Vorhandensein von Schwefelkies lässt sich durch den Geruch nach schwefliger Säure erkennen, sobald man den Schiefer auf Kohle röstet oder glüht. Ein beträchtlicher Gehalt an Mangan- und Eisenoxidul ist ebenfalls von Nachteil für den Schiefer. Nachteilig ist es auch, wenn der Schiefer viele kohlenstoffhaltige Stoffe enthält; deren menge kann man durch den Gewichtsverlust beim Glühen bestimmen.
Die Beimengung von kohlensaurem Kalk darf 15 Prozent nicht überschreiten. Die Porosität des Dachschiefers sollte so gering wie möglich sein; im Mittel beträgt sie 0,12 Prozent seines Raumvolumens. Die Wasseraufnahme beträgt im gesättigten Zustand etwa 0,5 Prozent des Eigengewichts. Risse und feine Spalten dürfen im Dachschiefer nicht vorhanden sein; der Stein muss beim Anschlagen hell klingen. Das in Risse und Poren eindringende Wasser würde beim Gefrieren den Stein sprengen. Das Vorhandensein größerer Quarzkörner macht ein Bohren sowie die sonstige Bearbeitung des Schiefers (Feilen, Hobeln, Sägen) unmöglich.
Die Druckfestigkeit des Schiefers beträgt im Mittel 790 kg auf 1 cm², bis zu 740 kg (in lufttrockenem Zustand). Die Witterungsbeständigkeit guten Dachschiefers ist sehr hoch; Dächer von 300- bis 400-jährigem Alter weisen kaum nennenswerte Veränderungen des Schiefers auf. Als vorzüglicher Dachschiefer gilt der rheinische und der englische (Nord-Cornwall) Schiefer; letzterer ist leichter als der deutsche Schiefer. Zur vorläufigen Prüfung auf Witterungsbeständigkeit wird nach Fresenius ein 12 cm langes und 3 cm breites Schieferstück in eine 1 cm hohe Wasserschicht in ein Glas gestellt. Ein guter Schiefer zeigt sich nach 24 Stunden nur wenige Millimeter über der Wasserfläche feucht. Behandelt man den Dachschiefer mit schwefliger Säure, verwittert schlechter Schiefer rasch, während guter sich monatelang hält.
Der Schiefer von Lehesten in Sachsen-Meiningen ist ein dunkler Tonschiefer , welcher sich mit glatten Flächen nicht parallel zu den Schichtflächen, sondern unter einem spitzen Winkel zu diesen spalten lässt und im großen Maßstab als Dachschiefer verwendet wird. Die blauschwarzen Arten enthalten viele Kohleteilchen und Kalkspat in feiner Verteilung und sind weniger widerstandsfähig als die blaugrauen, die eine sehr reine und feine Beschaffenheit zeigen und zu den besten deutschen Dachschiefertonen zählen.
Lenneschiefer sind dunkle Ton- und Grauwackenschiefer im südlichen Westfalen, welche nach oben hin Mergel und dunkle Kalksteine aufnehmen. Blaugraue Schiefer werden bei Berleburg als Dachschiefer gewonnen. Sie sind meist kalkhaltig, oft von ungleichmäßigem und rauhem Korn, liefern aber leicht bearbeitbare, große Platten. Bei größerer Dicke werden sie auch für Türschwellen, Flurplatten usw. verwendet (Finnentrop).
Phyllite sind schiefrige Schichtgesteine, die im äußeren Ansehen, in Korn und Zusammensetzung entweder dem Tonschiefer oder einem feinkörnigen Glimmerschiefer ähneln. Sie werden zu Platten und Tafeln verarbeitet, die als Dachdeckung, Bodenbelag, für Zahltische, Wandungen in Bedürfnisanstalten usw. dienen. Sehr gleichmäßige, feinkörnige und dichte, dabei quarzreiche Phyllite dienen als Wetzschiefer und Schleifsteine für feine Stahlwaren.