Abschnitt 194

Die Zubereitung des Mörtels

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Zur Herstellung des Kalkmörtels wird der eingesumpfte Kalk mit Sand und Wasser innig gemischt, sodass ein ganz gleichmäßiges Gemenge von durchweg gleichmäßiger Färbung und Dichte entsteht.

Je länger man dem frisch gelöschten Kalk Zeit zum Lagern in der Grube lässt, umso schöner, fetter, speckiger und somit brauchbarer wird der Kalk, weil ungelöschte Kalkteile noch nachlöschen. Wird der gelöschte Kalk jedoch mit seiner großen Menge noch ungelöschter Kalkstückchen schnell mit Sand zu Mörtel „fabriziert“, so vollzieht sich naturgemäß die nachträgliche Löschung der Kalkstückchen in dem mit diesem „fabrizierten“ Mörtel hergestellten Verputz. Infolge dieses Prozesses sieht man an Decken und Wänden muschelartig hervortretende Stellen, die aus dem trockenen Putz herausplatzen und herunterfallen.

Für den Verband der Steine eignet sich frisch gelöschter Kalk besser, da er zwischen nassen Steinen stark erhärtet. Besonders im Rheinland und in der Gegend von Trier wird mit frisch gelöschtem, oft noch warmem Kalk gemauert, namentlich bei Fundamentbauten usw. Sind nasse Steine zu verbinden, wird die aufgetragene Kalkschicht noch mit feinem, nicht völlig abgelöschtem Kalkpulver bestreut; die Kalkfugen erhärten dann so rasch und vollständig, dass es nach einigen Tagen nicht mehr möglich ist, ein spitzes Eisen in die Fuge zu treiben. Ebenso wird beim Verputzen von Flächen frisch abgelöschter und gesiebter Kalk mit scharfem Sand gemischter verarbeitet und die Fläche mit frisch bereitetem Kalkpulver abgerieben, ohne dass ein weiteres Treiben oder Löschen des Kalks sich nachteilig auf die Putzschicht auswirken würde. Der Trierer Kalk ist, mit scharfkantigem, nicht zu feinem Sand in Wasser verarbeitet, unverwüstlich und wird, je länger er feucht bleibt, umso härter; nur darf nicht zu früh ein Ölanstrich auf den Putz folgen, da diesem sonst die zum Erhärten nötige Luft entzogen wird.

Besonders wichtig ist die Zubereitung des Mörtels. Man verwendet dazu am besten einen nicht zu feinen Sand mit scharfkantigem Korn und nimmt drei bis vier Teile davon auf einen Teil fetten Kalk. Die Mischung muss möglichst innig sein, sodass jedes Sandkorn ringsum von Kalk umschlossen ist. Bewerkstelligt man das Mischen von Hand, verursacht dies eine mühsame und zeitraubende Arbeit. Vorteilhaft verwendet man daher heute Mörtelmaschinen.

Zu viel fetter Kalk beziehungsweise zu wenig scharfer Sand im Mörtel ist nicht ratsam. Ein fetter und zu stark aufgetragener Verputz reißt fast immer, während ein magerer, sandreicher Putz diesen Übelstand wenig oder gar nicht zeigt.

Zu feiner, zu mehliger Sand macht den Verputz zwar glatt und dicht, aber er verzögert oder verhindert auch dessen Erhärten, was ein mittelgrober, scharfer Sand nicht tut. Auch das Verhältnis der Menge des Sandes zur Menge des Kalkes ist wesentlich für die Bereitung des Mörtels, und man sollte das richtige Verhältnis stets vorher durch besondere Versuche und Proben feststellen.

Gebraucht man bei der Mörtelbereitung die Vorsichtsmaßnahme, den abgemessenen dicken Kalk mit weichem Wasser dünn zu rühren und durch ein feines Messingdrahtsieb in den vorher abgemessenen trockenen Sand zu leiten, so wird der Verputz bei richtigen Mengenverhältnissen ganz vorzüglich.

Will man mehrere Putzschichten als Malgrundunterlage aufbringen, was immer gut und vorteilhaft ist, so ist anzuraten, die unteren Schichten nicht nur aus gröberem, schärferem Sandmaterial, sondern auch mit etwas mehr Kalk zuzubereiten, sodass die nachfolgenden Putzschichten immer weniger Kalk erhalten; ebenso sollten die unteren Putzschichten dicker, die darüberliegenden immer dünner werden.

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