Die Dachziegel müssen leicht und wetterbeständig sein und eine gleichmäßige Form besitzen; sie dürfen durchaus nicht windschief sein. Der Rohstoff ist gewöhnlich ein besonders reiner Ton. Ein guter Dachziegel muss hart gebrannt, von hellem Klang und frostbeständig sein. Die Bruchfläche muss gleichartig, feinkörnig und ohne eingesprengte Kalkteile sein. Um Dachziegel auf ihre Haltbarkeit zu prüfen, setze man sie längere Zeit dem Froste aus, d. h. lasse sie überwintern. Eine zweite Probe besteht darin, dass man Ziegel bis zur Rotglühhitze erhitzt und dann dieselben mit kaltem Wasser übergießt.
Eine raue Oberfläche der Ziegel verhindert das rasche Ablaufen des Regenwassers und begünstigt das Ansetzen von Moos, welches durch seine feinen Wurzeln das Losbröckeln der oberen Ziegelhaut bewirkt. Um diesen Übelstand zu vermeiden und zugleich auch dem Dach Schmuck zu verleihen, versieht man die Ziegel mit farbiger Glasur. Ein einfacheres Verfahren ist das Anräuchern, was schon im Mittelalter in Holland üblich war.
Schutzmittel für Ziegel bestehen im Tränken vor dem Brennen mit einem leicht dichtbrennenden oder leichtflüssigeren Stoff, in der Erzeugung einer Glasur oder nach dem Brennen durch Anstrich mit Teer oder Wasserglas. Die Glasur muss zum Ton passen und darf keinen größeren Ausdehnungskoeffizienten besitzen, da sonst Abblätterungen entstehen. Ebenso sind Wasserglas-Anstriche mit großer Vorsicht auszuführen, da nicht vollständig gedichtete Ziegel erst recht schnell abblättern. Durch das Dämpfen oder Erzeugung einer leichtflüssigeren Schicht infolge reduzierender Ofengase wird eine graue bis schwarze Oberfläche erzielt; eine Dichtung wird aber nur durch einen gleichzeitig scharfen Brand erreicht.
Die gebräuchlichsten Arten der Dachziegel sind:
- Biberschwänze oder Dachplatten, Plattziegel, Dachzungen;
- Halbe Ziegel, Ortziegel zur Herstellung der Eindeckung im Verband;
- Hohlziegel (Firstziegel) zur Abdeckung von Firsten und Graten von halbkreisförmigem Querschnitt;
- Dachpfannen, Passziegel oder Breitziegel, ~ geformte Ziegel, sind in Norddeutschland und Holland üblich;
- Schlusssteine, Krempziegel, Krumpziegel oder Blattsteine;
- Falzziegel ;
- Schuppenziegel;
- Lichtziegel;
- Kehlziegel.
Biberschwänze , Flachziegel oder Zungenziegel sind Dachsteine aus gebranntem Ton von der Form eines länglichen Rechtecks, welches an der unteren Schmalseite abgerundet, zugespitzt oder ausgeschnitten ist und an der oberen Schmalseite mit einer sogenannten Nase, d. h. einem Vorsprung zum Aufhängen an die Dachlatten, versehen ist. In Deutschland ist auf Veranlassung des deutschen Vereins für Fabrikation von Ziegeln, Kalk und Zement seit 1888 für die Biberschwänze folgendes Normalformat aufgestellt: Länge 36,5 cm, Breite 15,5 cm, Dicke 1,2 cm. Die zulässige Abweichung von diesem Normalformat beträgt höchstens 5 mm für die Länge und Breite und höchstens 3 mm für die Dicke.
Die Biberschwänze sollen möglichst eben und so stark gebrannt sein, dass die Porosität des Steines trotz der geringen Dicke desselben kein Durchsiggen des Regenwassers gestattet. Die Porosität soll, um Schutz gegen Durchsickern und gegen Frost zu gewähren, nicht größer sein als 16 Prozent. Kalkgehalt und schwacher Brand wirken schädlich auf die Dauerhaftigkeit ein.
Die , , zeigt Biberschwanz-Dachsteine in Normalformat mit Segmentschnitt, Rundschnitt, gotischem Schnitt und Spitzschnitt; die , , zeigt Turmziegel bzw. kleine Biberschwänze mit Segmentschnitt, Rundschnitt, gotischem und spitzem Schnitt.
Sämtliche der genannten Ziegel entstammen den Fabriken der renommierten Firma: Eustach Neumann in Berlin O. 27, Holzmarktstraße 15 bis 18.
Biberschwänze , sowohl im gewöhnlichen Format als auch im kleinen Format ($30 \times 15 \times 1\text{ cm}$), Turmziegel und Turmschuppen etc., werden auch von den bekannten Schlesischen Dachstein- und Falzziegel-Fabriken , vormals G. Sturm, Aktien-Gesellschaft in Freiwaldau (Kreis Sagan, Bezirk Liegnitz), in gutem Material und sauberer Arbeit hergestellt.
Bemerkenswert sind auch die Kehlsteine genannter Firma, welche in langer und kurzer Form nach den und , , hergestellt werden. Die langen Kehlsteine sind 45 cm, die kurzen 37 cm lang; zu 1 m Kehle braucht man 24 Stück lange in Verbindung mit 16 Stück kurzen Kehlsteinen.
Mit Hilfe dieser Kehlsteine lässt sich eine Kehle wasserdicht mit Biberschwänzen eindecken ohne die Zuhilfenahme von Zink.
Tafel taf-14 (noch nicht verfügbar)
Zur Grateindeckung bei Biberschwanzdächern stellen die Schlesischen Dachstein- und Falzziegel-Fabriken vorm. G. Sturm, Aktien-Gesellschaft in Freiwaldau (Kreis Sagan) besondere Schwenk- oder Walmsteine in breiter und schmaler Form her, welche in den und , , dargestellt sind. Die Kopfbreite der breiten Form beträgt 6 cm, die der schmalen Form 3 cm. Für 1 m Grat rechnet man 12 Stück der breiten Form in Verbindung mit 12 Stück der schmalen Form.
Hohlziegel oder Firstziegel sind 35 bis 40 cm lang, an dem einen Ende 12 cm, am anderen 15 cm weit. Sie haben die Form einer halben Röhre; der Kreisbogen des Querschnitts entspricht einem Zentriwinkel von 150 Grad. Diese Ziegel dienen hauptsächlich als Firstziegel.
Hohlziegel werden auch zur Eindeckung ganzer Dächer benutzt, indem sie abwechselnd mit der inneren und äußeren Mantelfläche nach oben gelegt werden. Die Längsfugen werden hierbei vollständig gedichtet, sodass ein vollkommen sicheres Dach entsteht.
Die unten liegenden Pfannen, welche mit der Höhlung nach oben gerichtet sind, heißen Nonnen, die anderen Preißen oder Mönche.
, , zeigt einen einfachen glatten Firstziegel, 39 cm lang, , , einen Firstziegel mit Wulst, 40 cm lang; beide von Eustach Neumann in Berlin O. 27, Holzmarktstraße 15 bis 18.
Die und , , zeigen Dachgauben derselben Firma, und zwar , , eine solche von 1 Ziegel Größe (15 cm breit), die , , eine zwei Ziegel große Dachgaube von 32 cm Breite.
Dachpfannen oder holländische Ziegel sind 35 bis 40 cm lang, 25 bis 30 cm breit und gewissermaßen aus zwei Hohlziegeln zu einem $\sim$-förmigen Ganzen zusammengesetzt. Die holländischen Dachpfannen bieten viele Vorteile und bilden eine wirksame Dachfläche.
, , zeigt eine holländische Dachpfanne und , , eine Nonnen- und Mönchspfanne nebst deren Eindeckung. Die genannten Ziegel sind in Naturrot, Braun, Schwarz und Grün glasiert bei Eustach Neumann in Berlin O. 27, Holzmarktstraße 15 bis 18, erhältlich.
, , zeigt eine Holländerpfanne der Firma: Dampfziegelei und Tonwerke Hennigsdorf a. H. August Burg, Aktiengesellschaft, Berlin W. 64, Behrenstraße 20.
Breitziegel, Schluss-, Kremp- oder Krampziegel sind in Norddeutschland übliche flache Dachziegel, welche nach Art der holländischen $\sim$-förmigen Dachpfannen an den beiden Längsseiten zu einem 2 cm hohen Falz in entgegengesetzter Richtung umgebogen sind, sodass eine Überdeckung der Stoßfugen stattfindet. Die abwärts gebogene Seite heißt die Schlusskrampe, die aufgebogene die Wasserkrampe. Die Länge schwankt zwischen 35 und 45 cm, die Breite zwischen 20 und 30 cm.
Falzziegel sind Dachziegel mit falzartigen Vorsprüngen, sodass sowohl der untere Ziegel als auch der an einer Seite liegende vom Falz überdeckt wird; seinerseits wird der Falzziegel vom oberen Ziegel und dem auf der anderen Seite liegenden durch Falze überdeckt.
Die jetzt zur Anwendung kommenden Falzziegel wurden von Gilardoni in Altkirch im Elsass erfunden; sie werden als „französische Falzziegel “ bezeichnet. Das älteste Modell dieser Falzziegel ist der sogenannte Rauten- oder Herzziegel, der 1841 patentiert wurde. Um einen richtigen Anschluss am Dachgiebel bei dieser Deckung zu erreichen, sind an den Seiten des Daches auch halbe Ziegel zu verwenden. Da die Verwendung halber Ziegel nicht immer erwünscht ist, erfand man Formen, bei denen sich die einzelnen Ziegel nicht mehr kreuzweise (im Verband), sondern geradlinig überdecken.
Außer großen Falzziegeln, von denen etwa 14 bis 15 auf 1 m² Dachfläche kommen, sind namentlich in Nordfrankreich und in Nordwestdeutschland auch Falzziegel in Gebrauch, von denen 22 auf 1 m² Dachfläche erforderlich sind. Dies sind die nach ihrem Erfinder benannten Boulet-Ziegel.
Die Falzziegel sollen möglichst leicht sein, um den Vorteil größtmöglicher Preisgünstigkeit zu erzielen; außerdem müssen sie sehr wetterbeständig sein. Die Wetterbeständigkeit lässt sich durch eine Verminderung der Porosität erreichen, und zwar entweder vor dem Brennen durch entsprechende Magerung des Tons oder durch einen bis zur Erweichung gesteigerten Brand. Der Brand muss durch die gesamte Masse gleichmäßig scharf sein, da sonst Abblätterungen entstehen.
, , zeigt einen Dachfalzziegel der Falzziegelfabrik von F. W. Siebel in Küppersteg bei Köln am Rhein. Diese Falzziegel werden als wasserdichte, undurchlässige, naturrote Muldensteine oder in Schwarz, Braun, Gelb, Grün, Blau und Weiß glasiert geliefert. Auch Schuppenfalzziegel und Falzziegel für Türme werden von der obengenannten Fabrik hergestellt. Über die Wetterbeständigkeit und Haltbarkeit dieser Ziegel liegen günstige Ergebnisse vor.
, , zeigt einen Patentfalzziegel mit doppelten Seitenfalzen, dreifacher Kopfdichtung und Schneeleiste der Firma Brüggener Aktiengesellschaft für Tonwaren-Industrie in Brüggen (Rheinland), und zwar in der Ansicht, im Querschnitt und in zwei Schnitten durch die Kopf- und Seitenfalze (15 Stück = 1 m²; Lattung 33,5 cm).
, , zeigt einen Muldenfalzziegel derselben Firma, der einen Seitenfalz und doppelten Kopfschluss aufweist. Dargestellt sind die Ansicht des Ziegels und Schnitte durch Seiten- und Kopffalze (15 Stück = 1 m²; Lattung 33,5 cm).
, , zeigt einen Dachfalzziegel mit doppeltem Kopffalz und doppeltem Seitenfalz der Firma Leon. Coppes in Brüggen im Rheinland. Dieser Ziegel eignet sich sowohl für die Paralleldeckung als auch für die Verbanddeckung, wie die und zeigen.
Die , und , , zeigen einen Patentfalzziegel von Karl Ludowici in Ludwigshafen am Rhein und Jockgrim (Pfalz) in der Ansicht sowie im Schnitt durch die beiden Anschlussstellen oben bzw. unten und an der Seite (D. R. P. 16757, 17940, 33553). Daraus geht hervor, dass die Falze überall doppelt angeordnet sind. Dieser Ziegel zeichnet sich durch die tief eingeschnittenen, parallelen Abflusskanäle, den vertieften doppelten Kopfschluss und den eigentümlichen doppelten Schluss der Falze aus. Er wird für flache und steile Dächer verwendet und sowohl in Rot, Schwarz imprägniert, Braun als auch Schwarz glasiert angefertigt.
Der altdeutsche Ziegel, , , eignet sich für die Umdeckung alter Burgen, Schlösser usw.
Tafel taf-15 (noch nicht verfügbar)
Der Schuppenfalzziegel, und , , wird jetzt auch mit beidseitigem, doppeltem Schluss angefertigt und besitzt ein Nagelloch (für Kirchendächer, Türme, größere Landhäuser usw.).
Die und , , zeigen den großen und den kleinen Turmfalzziegel, die für Dachgauben und kleinere Türmchen verwendet werden.
Die Firma Karl Ludowici in Ludwigshafen am Rhein und Jockgrim bemüht sich seit vielen Jahren, eine reiche Auswahl an Turm- und Schuppenziegeln, Falzziegeln, altdeutschen Ziegeln sowie First- und Walmziegeln mit Blättern, Krabben usw. herzustellen. Alle Ziegel werden in Naturfarbe, rot engobiert, schwarz imprägniert oder glasiert in den Farben Schwarz, Braun, Gelb, Grün, Blau und Weiß geliefert; die First- und Walmziegel jedoch nur schwarz oder braun glasiert.
, , zeigt Dachfalzziegel der Siegersdorfer Werke Friedr. Hoffmann in Siegersdorf in Schlesien. Ein Quadratmeter (1 m²) Dachfläche erfordert 18 Stück Falzziegel bei einer weiten Lattung von 27 bis 28,5 cm. Dieselbe Firma liefert auch Falzziegel mit einer eingesetzten Glasscheibe (, ) sowie zur Lüftung des Dachbodens geeignete Lukensteine, die mit Kappen versehen sind (, ).
Diese Falzziegel ergeben trocken – das heißt ohne Mörtel eingedeckt – ein sehr dichtes Dach. Für überstehende Dachteile (Traufschichten usw.) werden Falzziegel mit einer besonderen Vorrichtung zur Befestigung (Ohr) geliefert. Durch die Verwendung dieser Steine erübrigt sich jede Schalung überstehender Dachteile (, ). Die Befestigung geschieht durch einen dünnen Kupferdraht, der durch das Ohr gesteckt und an der Latte befestigt wird.
Falzdachpfannen von E. von Kobylinski, Woeterkeim an der Südbahn (Ostpreußen), D. R. P. Nr. 27611. (Mitgeteilt von Fr. Engel, Königlicher Baurat, Berlin, in der Baugewerks-Zeitung.) Die von dem Rittergutsbesitzer E. von Kobylinski auf Woeterkeim (Ostpreußen) erfundenen und im Deutschen Reich vom 5. August 1883 an patentrechtlich geschützten Falzpfannen sind in den und , , in ihrer Ansicht von oben und unten dargestellt.
Die circa 35 cm langen, 21,1 cm breiten und durchschnittlich 13 mm starken Falzpfannen haben ein Durchschnittsgewicht von etwa 2,5 kg. Sie sind unter Beibehaltung des muldenförmigen Querschnitts der holländischen Pfannen mit Längs- und Querfalzen versehen. An der oberen und an einer Seitenkante der Pfanne (vgl. , ) erheben sich die Ränder $a$ und $e$, während an der Unterfläche (, ) durch die zwei Seiten der Pfanne einfassenden Doppelleisten $b$, $c$, $d$ und $f$ Falze gebildet werden. In diese legen sich bei der Eindeckung die an der Oberseite des Steins befindlichen Ränder bzw. Leisten $a$ und $e$ hinein und bewirken an allen vier Seiten der Pfanne deren Überfalzung, was (ohne vorherige Einschalung der Dachfläche mit Brettern) das Eindringen von Schnee und Regen in das Innere des Gebäudes verhindert. Die muldenförmig vertiefte Oberfläche der Falzpfannen begünstigt den schnellen Abfluss des Wassers.
Die Eindeckung der Dachflächen erfolgt auf Latten, deren Oberkanten etwa 30 cm weit voneinander entfernt sind, sodass die Querleiste $c$ der oberen Pfanne stets auf dem Rand $a$ der unteren Pfanne ruht und sich somit die erstere auf die letztere stützt. Zum Belegen der Firste und Grate dienen die bisher gebräuchlichen Firststeine (Dachreiter, Holfter).
Über die bei der Eindeckung mit seinen Falzpfannen zu beachtenden Vorgaben äußert sich von Kobylinski folgendermaßen: „Man muss genau darauf achten, dass jede Pfanne zu Beginn des Verlegens unten an der rechten Ecke so weit (etwa 3 mm) schräg gelegt wird, dass die beiden zusammenstoßenden Leisten (die stehende und die herabhängende) in der oberen Ecke Platz finden (siehe , ). Durch diese Schräglage wird jedes Beschneiden der zusammenstoßenden Ecken und deren Schwächung vermieden. Die Pfannen können dabei, wie es die Ansicht der äußeren Dachfläche (, ) zeigt, dennoch in gerader Linie aufsteigend eingedeckt werden. Man gewinnt dabei noch den Vorteil, das abfließende Wasser noch mehr zur Mitte der Mulde zu leiten. Sehr feiner Schnee, der bekanntlich durch die feinsten Fugen getrieben wird, findet in den Längs- und Querfalzen einen ihn zurückhaltenden Damm. Die einzige Stelle, an der ihm das Eindringen nicht ganz verwehrt werden kann, ist die Fuge in jener Ecke, in der die beiden Pfannen mit den Leisten aneinanderstoßen; sie muss mit Mörtel verstrichen werden. Speziell geformter halber Falzpfannen zum Abschluss der Reihen bedarf es nicht; sie lassen sich leicht zurechtbeauen.“
Um den Abzug von Kondensationswasser (Schwitzwasser), das sich unter Umständen an den Innenflächen der Pfannen ansammeln kann, nach außen zu ermöglichen, ist die Querleiste $c$ an der tiefsten Stelle der Pfanne (in bei $g$) mit einer schmalen Öffnung versehen, durch die das angesammelte Wasser auf die Oberfläche der unteren Pfanne und damit nach außen abfließt.
Das beim dichten Eindecken der gewöhnlichen holländischen Dachpfannen zur Erzielung möglichst dichter Seitenfugen nötige Behauen oder „Krempen“ der Längskante jedes einzelnen Steins wird durch den an den Kobylinski'schen Pfannen befindlichen Längsfalz überflüssig. Dadurch wird viel Arbeit und Fugenverstrich gespart. Dank der fünf an allen Seiten der Pfanne befindlichen Leisten besitzen diese eine bedeutende Widerstandsfähigkeit.
Auch fehlerhaft hergestellte Falzpfannen sind noch verwendbar. Passen zum Beispiel bei ungleichen Längen zweier Pfannen die Querleisten $a$ und $c$ auf deren Unterseiten nicht aufeinander, so kann eine davon, ohne die Pfanne zu schwächen, abgeschlagen und die Fuge im Bedarfsfall durch Verstreichen abgedichtet werden. Ebenso hilft man sich bei ungleicher Breite der Pfanne, ohne die Fuge zu vergrößern, indem man die zu breite Pfanne etwas zur Seite über den Rand der nebenliegenden schiebt.
, , zeigt einen Kehl-Anschlussziegel (D.R.G.M. Nr. 34170) zum wasserdichten Anschluss einer Ziegelkehle an ein Falzziegeldach, wie er von den Schlesischen Dachstein- und Falzziegel-Fabriken vorm. G. Sturm, Aktiengesellschaft, in Freiwaldau, Kreis Sagan, hergestellt wird. Die Länge eines solchen Ziegels beträgt 36 cm; auf 1 m Dachkehle entfallen 8 Stück.
, , zeigt den Rathenower Patent-Dachfalzziegel (D. R. P. Nr. 9741) aus der Dampfziegelei von C. G. Mathes in Rathenow, der aus bewährtem und wasserbeständigem Material hergestellt ist.
Tafel taf-16 (noch nicht verfügbar)
, , zeigt rheinische Muldenfalzziegel neuesten Systems (D. R. P. 80080) mit dreifachem Kopf- und doppeltem Seitenschluss von Eustach Neumann in Berlin O. 27, Holzmarktstraße 15 bis 18. 15 Stück decken 1 m²; Lattung 33 cm; Gewicht pro 1 m² etwa 40 kg. Diese neuesten Muldenfalzziegel haben drei kräftige, tief liegende Kopffalze und zwei tiefe Seitenfalze, die zusammen einen dichten Kopf- und Seitenschluss ergeben.
, , zeigt den Dichtungsfalzziegel „Herkules“, System Peetz, patentamtlich geschützt, erfunden vom Schieferdeckermeister Joh. Peetz in Werdau.
Um dem Übel des Eindringens von Ruß und Schnee in das Innere des Daches abzuhelfen, werden die bisherigen Längsfalzziegel neuerdings teilweise mit Kalk eingedeckt. Da jedoch die Längsnuten viel zu klein sind, um das Bindemittel in ausreichender Menge aufzunehmen, und zudem die Stoßfugen nach außen offen liegen, ist das Bindemittel den Witterungseinflüssen ausgesetzt. Diese zerstören es besonders bei flachen Dächern und machen das Dach schnell undicht. Zudem fällt der Mörtel ab, wodurch die klaffenden Stoßfugen noch viel größer werden.
Bei dem Dichtungsfalzziegel „Herkules“ sind diese Mängel behoben. Der Dichtungsfalzziegel „Herkules“ ist an der zu überdeckenden Fläche auf der Oberseite mit einer größeren Nut, der sogenannten „Füllnut“, versehen, die zur Aufnahme des Bindemittels dient. An der Unterseite der Überdeckungsfläche befindet sich dagegen eine „Quetschrippe“ (die in der Abbildung oben links gekennzeichnet ist). Letztere presst beim Verlegen der Dichtungsfalzziegel „Herkules“ das Bindemittel in die Füllnut, während die äußere seitliche Rippe bzw. der Falz den unteren Ziegel vollständig überdeckt, sodass das Bindemittel – wie bereits erwähnt – von außen wie von innen abgeschlossen ist und nasse Witterung sowie Frost nicht zerstörend einwirken können. Ein weiterer Vorzug dieses Dichtungsfalzziegels besteht darin, dass er einen hervorragenden Kopfverschluss besitzt und sich daher auch für flache Dächer bewährt; zudem kann man ihn sowohl übersetzt als auch parallel eindecken. Dieser Ziegel kann außer aus Ton auch aus Zement und Sand hergestellt werden. (Die Kunststeinindustrie 1901, S. 325.)
Die , , zeigt einen verbesserten Muldenfalzziegel mit zwei Kopffalzen und zwei Seitenfalzen, hergestellt in der Dampf-Falzziegelfabrik von Ackeren & Canoy in Gillrath bei Geilenkirchen (Rhld.). Auf 1 m² Dachfläche werden 15 Stück dieser Ziegel benötigt.
, , zeigt einen Knickfalzziegel (D. R. P. Nr. 101630) der Firma: Dampfziegelei und Tonwerk Hennigsdorf a. H. August Burg, Aktiengesellschaft, Berlin W. 64, Behrenstraße 20.
Patentierte Dachziegel mit seitlichem Falz und teilweise niedergedrückter Mittelrippe bzw. ausgeschnittener Falzüberdeckungshöhlung von Emil Schmid-Kerez in Zürich. Bei diesem Strangfalzziegel mit zwei erhöhten seitlichen Rippenfalzen und erhöhter Mittelrippe wird laut „Töpfer- und Ziegel-Zeitung“ die Fläche $h$ (, ) statt durch Wegschneiden eines Teils der Mittelrippe $e$ durch Niederdrücken der Mittelrippe $e$ in die Ebene des Mittelbandes $b$ mittels Matrize und Gegenmatrize hergestellt, sodass der Falzziegel in seinem oberen Teil ein flaches Hauptband besitzt.
Die und zeigen deutsche Falzziegel (D. R. P. Nr. 24564) nach dem System von Otto Bock, Ziegelei-Ingenieur in Berlin, welche ohne Gipsformen und Nachputzen direkt mit jeder Ziegelpresse hergestellt werden können.
Strangfalzziegel werden in neuerer Zeit vielfach hergestellt. Sie sind eigentlich nur verbesserte Biberschwanzziegel und weisen nicht alle guten Eigenschaften der eigentlichen Falzziegel auf.
, , zeigt den deutschen Hohlstrangfalzziegel (D. R. P. 45165) vom Friedrichsruher Tonwerk bei Reinbek, der sich wegen seiner lüftenden Hohlkanäle besonders zur Eindeckung landwirtschaftlicher Gebäude eignet.
, , zeigt den Freiwaldauer Strangfalzziegel aus Steingutton, der glashart gebrannt, absolut wetterbeständig ist und kein Wasser ansaugt. Die „Freiwaldauer“, auch „Schlesischen“ oder „Sturm'schen Ziegel“ genannt, werden von den Schlesischen Dachstein- und Falzziegel-Fabriken vorm. G. Sturm, Aktiengesellschaft in Freiwaldau (Kreis Sagan) hergestellt und haben sich einen wohlbegründeten, guten Ruf erworben. Die Lattung muss hier nicht so exakt ausgeführt werden wie bei Falzziegeln mit „Kopfverschluss“, da sich diese Steine beliebig ineinander schieben lassen. Zunächst waren diese Ziegel nur für die Bedachung einfacherer Gebäude vorgesehen; in der Praxis hat sich jedoch mit der Zeit herausgestellt, dass sich diese Strangfalzziegel ebenfalls vorteilhaft zur Eindeckung anspruchsvollerer Gebäude verwenden lassen. Der für die schlesischen Dachsteine verwendete Rohstoff ist Braunkohlenton, dessen herausragendste Eigenschaft es ist, einen völlig unporösen Ziegel zu liefern. Wie die amtlichen Prüfungszeugnisse der Königlichen Prüfungsstation für Baumaterialien in Berlin belegen, nimmt der Stein keinerlei Wasser auf und ist deshalb von hervorragender Wetterbeständigkeit und Haltbarkeit.
, , zeigt einen patentierten gelochten Falzziegel von L. Schmelzer in Magdeburg.
















































