Abschnitt 7

1. Körnige Kalksteine oder echte Marmore

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So genannt zum Unterschied von dem Marmor der Technik, mit welchem Namen jeder politurfähige gefärbte oder ungefärbte, einfarbige oder bunte Kalkstein bezeichnet wird.

Die körnigen Kalksteine bestehen im Wesentlichen aus einer Anhäufung von grob- bis feinkörnigen, wasserhellen Kalkspatteilchen, die fest miteinander verwachsen sind. Die Größe der Körner schwankt zwischen 0,2 und 5 mm. Auf der Bruchfläche zeigt dieses Gestein einen schimmernden Glanz. Der parische Marmor lässt am meisten Licht durch, selbst noch bei einer Plattendicke von 35 mm, der beste carrarische noch bei 25 mm, der pentelische bei 15 mm. Die herrschende Farbe ist Weiß in den verschiedensten Tönen, seltener sind dunkle Farben. Die grauen und schwärzlichen Farben werden durch kleine Schuppen von Graphit oder Anthrazit erzeugt.

Durch Verringerung der Korngröße geht der körnige Kalk in dichten Kalk über. Die körnigen Kalksteine nehmen eine schöne Politur an und wurden schon im Altertum wegen ihrer reinen weißen Farbe für die edelsten Bildhauer- und Architekturwerke benutzt. Die antiken Marmore sind – im Gegensatz zu den modernen Marmoren vorwiegend italienischen Ursprungs – aus den uns erhalten gebliebenen Denkmälern bekannt, und nur einzelne von ihnen werden heute noch verwendet. Man rechnet zu den antiken Marmoren:

  1. Den pentelischen Marmor , schneeweiß oder milchweiß mit einem Stich ins Gelbliche; feinkristallin mit feinkörniger, matter Grundmasse. Er enthält häufig Glimmer- und Eisenerzkörner, die durch ihre Umwandlung in Brauneisenstein die Bildung einer goldbraunen Patina veranlassen (Erechtheion, Parthenon, Propyläen usw.).
  2. Den hymettischen Marmor , grau bis blaugrau (durch feine Kohlenstoffteilchen), feinkörniger und dichter als der pentelische, wenig durchscheinend, die Grundmasse überwiegt (Ornamente und Denkmäler).
  3. Den attischen Marmor von Agrilesa, hellbläulich-grau und ebenso gestreift; die Grundmasse tritt zurück. Beinahe eisenfrei und daher ohne Patina (Athene-Tempel auf Sunion).
  4. Den karystischen Marmor von Karystos auf Euböa; sehr glimmerreich, weiß bis hellgrau, auch grünlich und gelblich, feinkörnig, wellig-streifig durch Glimmer (Säulen und Wandverkleidungen in Rom).
  5. Den parischen Marmor (marmo greco duro) von Paros. Schneeweiß und sehr rein, zuweilen mit einem Stich ins Bläulich-Graue. Gleichmäßig körnig, keine Grundmasse oder größere Kristalle; sehr durchscheinend und sehr fest, glimmerfrei, etwas bituminös. Als bester Statuenmarmor, nur etwa 2 bis 4 m mächtig, ungeschichtet; für die hervorragendsten Bildwerke des antiken Griechenlands verwendet.
  6. Den Marmor von Naxos, hellgrau mit dunkleren Streifen und Flecken, undurchscheinend, grobkörnig, bituminös.

Daran schließt sich als „moderner Marmor “ der in der Renaissance und Neuzeit beinahe ausschließlich als bester Statuenmarmor verwendete Marmor von Carrara und Seravezza an. In den feinsten Arten ist er dem parischen ähnlich; rein weiß, sehr durchscheinend, gleichmäßig zuckerkörnig.

Die beste Sorte (Statuario di Falcovaja, Monte Altissimo) besitzt einen Stich ins Gelbliche und im polierten Zustand einen fett- bis wachsartigen Glanz. An der Luft wird er gelblich und bräunlich, und zwar umso rascher, je schlechter die Politur ist.

Die zweite Sorte (Statuario Carrara) ist weiß, aber etwas gefleckt, leicht glimmerhaltig und empfindlicher gegen Witterungseinflüsse.

Die dritte Qualität, die gewöhnlichste (Statuario ravaccione), ist weiß, grau gefleckt oder geädert, undurchscheinend, ziemlich wetterbeständig und bleibt weiß; sie ist glimmer- und quarzhaltig. Diese Sorte wird vorzugsweise in der Architektur verwendet.

Ähnliche Marmore wie Carrara liefern die Umgebungen von Laas und Sterzing in Tirol, Saint-Béat (Hauts-Pyrénées) und Gabas (Basses-Pyrénées) in Frankreich usw. Eine große Anzahl farbiger und bunter körniger Marmore kommt in den älteren Sedimentärschichten Deutschlands, Österreichs, Skandinaviens usw. vor.

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