Abschnitt 294

Wasserglas

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Wasserglas ist chemisch ähnlich wie gewöhnliches Glas zusammengesetzt, da es aus kieselsaurem Kali, kieselsaurem Natron oder einer Mischung beider Silikate besteht. Man unterscheidet demnach: Kaliwasserglas, Natronwasserglas und Doppelwasserglas.

Das Wasserglas ist eine flüssige Masse. Getrocknet wird es zu einer spröden, farblosen oder gelblichen, glasartigen Masse, die sich in kochendem Wasser auflöst. Durch Säuren wird das Wasserglas zersetzt, wobei sich Kieselsäure als gallertartiger Stoff ausscheidet.

Wasserglas wird im Bauwesen für viele verschiedene Zwecke verwendet. Vielfach dient es als Bindemittel für Farbanstriche, wie später im entsprechenden Kapitel beschrieben wird. Wasserglasanstriche schützen Holz, Papier, Gewebe usw. vor dem Entzünden und werden deshalb häufig für Theaterdekorationen und Ähnliches verwendet. Wichtiger ist die Verbindung von Wasserglas mit Kalk: Dabei bildet sich kieselsaurer Kalk, der einen harten, witterungsbeständigen Überzug darstellt. Man überzieht daher Kalksteinflächen, ganze Gebäude, Marmorfiguren usw. mit Wasserglas . Auch Sandsteine werden damit behandelt, wodurch sich eine harte, feste Kruste bildet – besonders dann, wenn der Sandstein zuvor mit Kalkwasser getränkt wird. Letzteres erledigt der Regen bei den meisten Bauten von selbst, indem er den Kalk teilweise aus dem Fugenmörtel herausspült.

Eine wichtige Anwendung hat Wasserglas in der Malerei für die sogenannte Stereochromie gefunden, die vielfach an die Stelle der Freskomalerei tritt.

Der Untergrund der Bildfläche wird aus gutem Kalkputz hergestellt und anschließend mehrfach mit Wasserglaslösung getränkt. Danach trägt man einen ganz dünnen Oberputz auf, für den man anstelle von Sand zerstoßenen Marmor oder sehr harten Kalkstein verwendet. Dieser Putz wird, sobald er ausgetrocknet und abgeschliffen ist, erneut mit Wasserglas getränkt; am besten verwendet man hierzu das etwas teurere Doppelwasserglas. Auf diesem Untergrund wird mit Wasserfarben gemalt, und das fertige Gemälde wird durch Aufspritzen von Wasserglas fixiert. Hierzu bedient man sich des Fixierungswasserglases, einer besonderen Mischung aus Kali- und Natronwasserglas (wie bei den Malereien von Kaulbach im Treppenhaus des Neuen Museums in Berlin).

Wasserglas wird auch zur Herstellung künstlicher Steine, der sogenannten Ransome-Steine, verwendet (siehe unten „Künstliche Steine“).

Wasserglas wird schließlich auch zur Herstellung von Kitten (siehe dort) für Steine, Glas und Metalle verwendet.

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