Gipsmarmor besteht aus fein gesiebtem Gips, Leimwasser und Farbstoff. Als Farbstoff verwendet man Kienruß, Eisen- und Kupfervitriol, Umbra, Mennige, Zinnober, Chromgelb und verschiedene Abkochungen von Farbhölzern usw. Leim setzt man nur so wenig zu, dass die Masse in etwa einer halben Stunde erhärtet. Aus der Mischung formt man Kugeln verschiedener Größe und Färbung. Man drückt auch weiße Gipsstücke ein oder bestreut sie stellenweise mit feinem Gipspulver, um weiße Flecken zu erzielen. Die Kugeln werden zusammengepresst und zu einer Platte ausgewalzt, die mit jener Farbe begossen wird, in der man die Marmoradern wünscht. Die Platten werden dann wieder zusammengeknetet und mittels Draht in dünne Scheiben geschnitten, die in Wasser getaucht und mit der Kelle auf die Wandfläche aufgebracht werden. Die Wandfläche muss vorher einen Gipsbewurf oder Kalkputz erhalten, der vor dem Aufbringen des Gipsmarmors gründlich vorzunässen ist. Nach dem Erhärten der Fläche wird diese abgehobelt, mit Bimsstein abgeschliffen, dann mit Gipsbrei, der mit starkem Leimwasser angemacht ist, dünn überzogen, um die Poren zu schließen. Hierauf wird sie mit fein gepulvertem Tripel und einem Leinwandballen poliert und zuletzt mit einer leicht mit Öl besprengten Bürste abgerieben. Man kann auch mit einem wollenen Lappen darüberreiben, auf den eine Lösung von Wachs in Terpentinöl aufgestrichen ist.
Stuckmarmor. Weit häufiger als um echte Gesteinsarten handelt es sich bei Wandbekleidungen und Säulen um künstliche Nachahmungen derselben. Marmor verstand man schon in der Antike täuschend echt nachzubilden. Nach dem Untergang Roms ging diese Technik einige Zeit verloren, wurde aber im späteren Mittelalter in Italien neu belebt, und noch heute sind es Italiener, die die schönsten Arbeiten dieser Art liefern. Die Herstellung von Stuckmarmor erfordert ein umständliches und kostspieliges Verfahren, gestattet jedoch sogar mosaik- oder intarsienartige Einlagen. Solcher Stuckmarmor erhält, wenn die Flächen nach dem Abhobeln fachgerecht poliert werden, ein makellos schönes, sehr haltbares und vollkommen naturgetreues Aussehen.
Stukkolustro . Weitaus preiswerter als Stuckmarmor ist der sogenannte Stukkolustro , bei dem die Aderungen, statt durch die Mischung verschiedenfarbiger Stoffe, vor dem Polieren einfach mit dem Pinsel auf den feuchten Grund aufgetragen werden.
Marezzomarmor . Eine Zwischenstufe zwischen Stuckmarmor und Stukkolustro bildet der Marezzomarmor , der nicht direkt an der Wand hergestellt, sondern in Platten auf Spiegelglas gegossen und nach dem Erhärten montiert wird.
Inkrustat . Die älteren Verfahren zur Herstellung von Stuckmarmor, Marezzomarmor und Stukkolustro werden heute durch das von Matscheke & Schrörl in Wien erfundene Inkrustat übertroffen. Mit diesem lassen sich alle Marmorarten, aber auch Granit, Sandstein und Kalkstein so täuschend nachahmen, dass eine Unterscheidung von echten Werkstücken mit bloßem Auge kaum möglich ist.
Zur Herstellung des Inkrustats werden zerkleinerte Abfallstücke der jeweiligen Steinart unter Zusatz eines chemisch wirkenden Mittels zu Mörtel verarbeitet. Hierbei ist es möglich, Gesimse, Zierformen usw. daraus zu formen und Gussstücke in Leimformen zu stampfen. Die Oberfläche kann nach Wunsch rau bleiben, geschliffen oder poliert werden. (Wände der Wandelhalle des Reichshauses in Berlin.)