Lincrusta . Unter Lincrusta versteht man ein englisches Fabrikat, das im Wesentlichen aus einer Masse aus Holzschliff, oxidiertem Leinöl und einigen geheim gehaltenen Zusätzen besteht, die auf Leinwand aufgestrichen ist.
^Nöthling, Baustofflehre. 21
Lincrusta aus der Fabrik von Fred. Walton in Hannover sind Patent-Relieftapeten aus einer linoleumähnlichen Masse mit massivem Relief, abwaschbar und unempfindlich gegen Nässe und Hitze. Lincrusta-Walton bildet eine dauerhafte und elegante Wandbekleidung für Rauchzimmer, Treppenhäuser, Badezimmer und ist ein Ersatz für Holzvertäfelungen bzw. Ledertapeten .
Lincrusta . Dieses aus England zu uns gekommene Wandbekleidungsmaterial hat sich trotz schwieriger und langsamer Einführung behauptet und sein Absatzgebiet erheblich vergrößert. Lincrusta besteht, wie schon die Zusammensetzung des Wortes (linum = Leinöl, crusta = Rinde) andeutet, der Hauptsache nach aus einem Gemisch von Leinöl, das durch einen Oxidationsprozess zu einer kautschukartigen Konsistenz gebracht wurde, und verschiedenen anderen Zusatzmitteln, die das Ausprägen der Masse zu harten, massiven Reliefs ermöglichen. Die Herstellung der Tapete erfolgt in der Weise, dass das mit der Masse beschichtete Papier zwischen Walzen hindurchgeführt wird, von denen eine glatt ist, während die andere das eingravierte Muster enthält. Anschließend wird die Deckschicht nach einem besonderen Verfahren mit Farben bedruckt bzw. – da es sich um Reliefdruck handelt – mit Prägemaschinen mit vertieften Mustern versehen.
Bei der neuen, von der Rheinischen Linoleumfabrik in Bedburg bei Düren hergestellten Lincrusta legt man Wert auf folgende vorteilhafte Eigenschaften: Unempfindlichkeit gegen Feuchtigkeit, Widerstandsfähigkeit gegen Stoß, Druck und Reibung, große Haltbarkeit und leichte Reinigung.
Die preiswerte Lincrusta eignet sich hervorragend als Ersatz für Holzvertäfelungen; auch gegen Feuchtigkeit erweist sich sie sich als sehr widerstandsfähig. Als Untergrund eignet sich Zement-, Gips- oder Kalkputz sowie Holz. Dagegen sollte sie nicht auf mit Leimfarbe gestrichene Wände, alte Tapeten oder sonstiges Papier geklebt werden, da diese die schwere Lincrusta leicht herunterziehen würden. Als Klebstoff verwendet man eine dickflüssige Mischung aus $\frac{2}{3}$Tapezierkleister und$\frac{1}{3}$ Tischlerleim. Für feuchte Wände empfiehlt die Fabrik einen speziellen Lack, mit dem die Wand vor dem Aufbringen der Klebemasse zweimal zu streichen ist. Um das Ablösen der Lincrusta von der Wand vor dem Trocknen des Klebstoffs zu verhindern, wird der obere Rand mit kleinen Stiften angeheftet. (Deutsche Bauhütte 1898, S. 390.)
Pegamoid . Pegamoid ist, wie Reinhold Weinhold im „Polytechnischen Centralblatt“ berichtet, eine gallertartige, kristallklare Masse, die 1894 von einem Londoner Lithografen erfunden wurde. Werden Papiere, Leder, Baumwolle, Leinwand, Wolle, Asbestgewebe oder andere Stoffe durch ein unkompliziertes technisches Verfahren mit Pegamoid imprägniert, so werden sie nicht nur wasserdicht, sondern auch unempfindlich gegen Staub, Fett, Öl, Säuren und Tinte sowie resistent gegen Insekten. Verschmutzte Pegamoid-Gegenstände kann man sofort mit einem nassen Schwamm reinigen. Mit Pegamoid-Papiertapeten bezogene Wände können gewaschen und gescheuert werden, woraufhin sie wieder wie neu aussehen.
Durch die Imprägnierung von Samt (Velvet) mit Pegamoid werden hervorragende Lederimitationen in allen Farben erzeugt. Pegamoidleder-Bezüge auf Polstermöbeln sind von echtem Maroquinleder nicht zu unterscheiden; ebenso werden sie durch Hitze, Nässe oder Rauch nicht beeinträchtigt. Pegamoidleder lässt sich auch vorteilhaft gaufrieren, und die so hergestellten Tapeten haben nicht die Nachteile der echten Ledertapeten , die bekanntlich leicht zusammenschrumpfen oder sich wellen und zudem Abdrücke von dagegen geschobenen Stuhllehnen zeigen. Pegamoid-Rollos und -Markisen verbleichen und verfaulen nicht und können gewaschen werden.