Abschnitt 206

Schnelles und langsames Erhärten des Gipses

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Durch verschiedenartige Zusätze kann die Erhärtung des Gipsmörtels beschleunigt oder verzögert werden.

Mittel zur schnelleren Erhärtung des Gipsmörtels, wodurch gleichzeitig die Dauerhaftigkeit erhöht und die Härte vergrößert wird, sind folgende:

  1. Man tränkt den gebrannten Gips mit einer Lösung von 1 Teil Alaun in etwa 12 Teilen Wasser, lässt ihn trocknen und brennt die Masse nochmals bei Rotgluthitze. Das Gipspulver wird dann mit der genannten, gleich starken Alaunlösung angerührt. Die aus einer solchen Masse gefertigten Gegenstände lassen sich mit feuchter Leinwand polieren. (Keenes Marmorzement.)
  2. Anmengen des Gipses mit saurer Milch oder Sauerkleesalz.
  3. Der gebrannte Gips wird mit verdünnter Schwefelsäure (1 Teil Schwefelsäure auf 10 bis 12 Teile Wasser) getränkt und nochmals bei Rotgluthitze gebrannt.
  4. Durch einen Zusatz von 10 Prozent Kalk wird gleichzeitig die Wetterbeständigkeit erhöht.
  5. Durch mehrmaliges Eintauchen in Wasser direkt nach dem Erstarren des Gipses wird ebenfalls die Härte vergrößert.

Gips darf stets nur in kleinen Mengen zum Wasser gegeben werden, niemals umgekehrt. Das Einrühren muss schnell erfolgen, da sich der Gips sonst verklumpt. Um beim Gips eine spätere Wasseraufnahme zu verhindern, muss der fertige Gegenstand mit einer Lösung von Wachs in Terpentinöl, Firnis usw. bestrichen werden.

Mittel zur Verzögerung des Abbindens sind folgende:

  1. Um einen widerstandsfähigen Gips zu erhalten, wird folgendes Verfahren vorgeschlagen: 6 Teile Gips werden mit 1 Teil feingesiebtem, gelöschtem Kalk gemischt, woraufhin man die Mischung wie gewöhnlichen Gips verwendet. Die daraus hergestellten Gegenstände sind nach gründlichem Trocknen mit der Lösung eines Sulfats, am besten mit Eisen- oder Zinksulfat, zu tränken. Verwendet man Zinksulfat, bleibt der Gegenstand weiß; bei der Verwendung von Eisensulfat wird er erst grün und nimmt dann die charakteristische Färbung von Eisenoxid an.
  2. Gips, der mit 2 bis 4 Prozent gut gepulverter Eibischwurzel gemischt und mit 40 Prozent Wasser zu einem Teig geknetet wird, ergibt eine zähe Masse, die erst nach etwa einer Stunde erhärtet und sich schneiden, feilen, drehen und bohren lässt. Noch später erhärtet der Gips und noch zäher wird die getrocknete Masse, wenn man 8 Prozent Eibischwurzel hinzusetzt.
  3. Anstelle der Eibischwurzel kann man auch Leim, Gummi arabicum und Dextrin benutzen.

Kessler empfiehlt zum Härten von frischen Gipsgegenständen deren Behandlung mit Gipsfluat, das die Farbe des Gipses nicht verändert und bei einem späteren Anstrich der Gipsgegenstände mit Ölfarbe die Grundierung überflüssig macht. (Vgl. „Die Kesslerschen Fluate“ von Professor Hans Hauenschild, Berlin 1895, 2. Auflage.)

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