Abschnitt 304

Oelfarben

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Ölfarben sind Mischungen aus pulverförmigen Farbstoffen mit trocknendem Öl (Leinöl, Mohnöl oder Nussöl) oder mit Leinölfirnis. Farben, die über längere Zeit aufgewahrt werden sollen, sowie empfindliche Farbtöne wie Weiß, Hellgelb, Rosa usw. dürfen nur mit trocknendem Öl und niemals mit Leinölfirnis angerieben werden. Jede Ölfarbe sollte eine salbenartige Konsistenz besitzen und völlig klumpenfrei sein. Zur Verdünnung verwendet man Leinölfirnis oder Terpentinöl; eine Verdünnung mit reinem Leinöl führt zu einer langsameren Trocknung.

Ölfarben übertreffen hinsichtlich ihrer Haltbarkeit und einfachen Anwendung alle zuvor genannten Anstrichmittel. Sie liefern dauerhafte, ansprechende Oberflächen, lassen sich leicht verarbeiten, ermöglichen jeden beliebigen Farbton und sind mit Wasser abwaschbar; selbst wenn sie nach Jahren völlig verrußt sind, können sie leicht gereinigt werden. Die Ölfarben gehen auf Holz, Stein, Stoff und Mauerwerk eine feste mechanische Verbindung mit dem Untergrund ein. Bei fachgerechter Anwendung und Vorbereitung haften sie auch auf Metallen besser als andere Anstrichmittel.

Ein Voranstrich mit Leinöl oder Leinölfirnis ohne Pigmente ist – besonders, wenn das Öl heiß aufgetragen wird – äußerst vorteilhaft. Das Öl dringt tief in Holz, Stein und Mauerwerk ein und sorgt für eine besonders feste Haftung der nachfolgenden Anstriche.

Ölfarbe ist zwar in der Verarbeitung praktisch, zersetzt sich im Freien unter dem ständigen Einfluss von Feuchtigkeit, Trockenheit, Hitze und Kälte jedoch relativ schnell und kreidet mit der Zeit ab. In Innenräumen hält sich die Farbe wesentlich besser; hier stört allerdings oft ihr starker Glanz. Durch die vielfältigen Lichtreflexionen ist die farbliche Wirkung der Arbeit häufig nur von einem bestimmten Standpunkt aus zu beurteilen und wird manchmal sogar gänzlich verfälscht. Ein Zusatz von Wachs erhöht zwar die Haltbarkeit und verleiht der Farbe eine matte, nicht glänzende Oberfläche, was die störenden Reflexe weitgehend beseitigt. Dies bringt jedoch den Nachteil mit sich, dass schon eine leichte Berührung (beispielsweise mit dem Ärmel) ausreicht, um an dieser Stelle wieder Glanz entstehen zu lassen.

Trocknende Öle. Die flüssigen fetten Öle bleiben entweder flüssig, wie z. B. das Olivenöl, oder sie erstarren und trocknen, wie z. B. das Leinöl. Im letzteren Fall tritt kein Verdunsten ein, sondern das Öl nimmt Sauerstoff aus der Luft auf, wodurch ein Erstarren und Trocknen eintritt. Die Sauerstoffaufnahme und somit das Trocknen des Leinöls wird beschleunigt, wenn das Öl mit Sauerstoff abgebenden Stoffen (Bleiglätte, Braunstein, Zinkoxid, Salpetersäure usw.) erhitzt wird. Der so bereitete Ölfirnis ist umso besser, je rascher er trocknet, und umso heller, je niedriger die Siedetemperatur war.

Dunklen Leinölfirnis bleicht man in mit Glasplatten zugedeckten Bleikästen, die man längere Zeit den Sonnenstrahlen aussetzt.

Die Trockenmittel (Sikkative). Soll das Öl aus seinem flüssigen Zustand in einen festen überführt werden, so muss es mit dem Sauerstoff eine Art chemische Verbindung eingehen. Diese Verbindung zu erleichtern bzw. zu beschleunigen, dient das Mangan- und Bleioxid. Öl allein kann eine merkliche Menge des Sauerstoffs der Atmosphäre in sich aufnehmen, ohne sich mit der Luft zu verbinden, d. h. ohne zu trocknen. Das Manganoxid besitzt die Eigenschaft, den Sauerstoff aufzunehmen, wo es ihn findet, und verwandelt sich dann in Doppeloxid. Am besten verbindet sich das Öl mit dem Sauerstoff, wenn es eine Verbindung verlässt, um eine andere einzugehen, was aus Folgendem klar ersichtlich ist: Das Manganoxid eignet sich nicht nur den in der Luft befindlichen Sauerstoff an, sondern es nimmt sogar denjenigen, welchen das Öl mitbringt und welcher noch nicht mit ihm verbunden war, in sich auf und wird Doppeloxid. Dann hat das Bleioxid das Bestreben, den Sauerstoff bzw. das Hyperoxid des Mangans an sich zu reißen, wird aber zum größten Teil vom Öl aufgenommen, und zwar in dem Augenblick, in dem es vom Mangan zum Blei übergeht. Aus diesem Grund darf man dem Öl nicht Mangan oder Bleioxid hinzufügen, sondern beides, und zwar zu gleichen Teilen. Ein sehr bekanntes Trockenmittel ist Siccatif de Courtrai. Im Allgemeinen ist vor dem Gebrauch der Trockenmittel zu warnen, da sie, in großen Mengen angewendet, durch Einführung zu großer Mengen Sauerstoff leicht ein Rissigwerden oder Abbröckeln der Farben veranlassen.

Ein Ersatz für Ölfarbe besteht aus 10 Teilen Kölner Leim, 15 Teilen Leinölfirnis, 2 Teilen Kaliumchromat, 100 Teilen Wasser und 100 bis 130 Teilen Farbstoff.

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