Für Fußböden in Magazinen, Getreideböden, Kellern usw., wo Feuersicherheit, Reinlichkeit und Kühle verlangt werden, eignet sich ein Zementestrich, zumal dieser auch von Ungeziefer nicht durchfressen werden kann.
Zementestrich wird auf hochkant oder flachseitig mit offenen Fugen verlegtem Ziegelpflaster oder auf einer Betonunterlage angeordnet. Werden schwere Lasten auf dem Fußboden bewegt, so empfiehlt sich hochkantiges Ziegelpflaster. Die zur Pflasterung verwendeten Ziegel müssen scharf gebrannt, wasserbeständig und, wenn der Estrich im Freien verlegt wird, auch wetterbeständig sein. Man unterscheidet: ungeglätteten und geglätteten oder abgebügelten Zementestrich. Das Glätten erreicht man dadurch, dass man die Fläche, sobald der abgeriebene Mörtel zu binden beginnt, mit Zementpulver bestreut und mit einem eisernen Reibebrett durch Hin- und Herbewegen überfährt, bis Glanz entsteht. Der ungeglättete Estrich ist dem geglätteten vorzuziehen; besonders haltbar wird der ungeglättete Zementestrich durch mehrmaliges Überziehen mit Wasserglas.
Nach den Erfahrungen, die die Aktiengesellschaft für Monierbauten, vormals G. A. Wayss & Co. in Berlin, gemacht hat, eignet sich das Mischungsverhältnis von 1 Teil Portlandzement und drei Teilen Sand nicht vorteilhaft zur Herstellung von Zementestrich, weil die Abnutzung eines derartig zusammengesetzten Estrichs eine zu bedeutende ist. Es ist daher vorteilhafter, Zementestrich im Mischungsverhältnis 1:1 herzustellen; diese Mischung wird zwar teurer, hält sich aber auch entsprechend längere Zeit unversehrt. Von vielen Besitzern von Zementestrichböden wird über die Staubentwicklung derselben geklagt, die ihren Grund nur in der schnellen Abnutzung haben kann.
Die feinen Haarrisse in Zementbekleidungen entstehen sowohl infolge der besonderen Eigenschaften verschiedener Zemente als auch durch deren unsachgemäße Verarbeitung. Durch Benutzung der Kesslerschen Fluate (Vertreter Professor Hauenschild, Berlin, Reinickendorfer Straße 2b) werden diese Haarrisse vermieden. Nach dem „Zentralblatt für die österreichische Papierindustrie“ 1892 wird durch Beimischung von Zellulose die Bildung dieser Risse ebenfalls verhindert. Die Zellulose wird in möglichst feinem, aufgelockertem Zustand dem Anmachwasser des Zements zugesetzt. Die feinen Fasern der Zellulose quellen im Wasser auf und tragen zum gleichmäßigen Erhärten und Zusammenziehen des Zements wesentlich bei, sodass feine Haarrisse in diesem Fall nicht auftreten. Auch die Imprägnierungsmasse der firma George & Werner in Berlin SW., Belle-Alliance-Straße 70, leistet gute Dienste, und hierdurch wird gleichzeitig das Ausschlagen der Salze auf dem Zementputz oder Zementstein verhindert. („Baugewerks-Zeitung“ 1894, S. 501 und 512.)
Zementestrich bzw. Zementbeton wird außerordentlich fest und widerstandsfähig gegen Abnutzung, selbst bei ganz bedeutendem Sandzusatz, wenn er mit den Kesslerschen Fluaten gehärtet und gedichtet wird. Selbst die denkbar magerste Zementmischung von 1 Teil Zement zu 10 Teilen Sand nutzt sich fluatiert bedeutend weniger ab als eine unfluatierte Mischung von 1 Teil Zement zu 2 Teilen Sand.