Die Kalkspatkörnchen, aus denen er zusammengesetzt ist, sind so klein, dass sie sich mit bloßem Auge nicht unterscheiden lassen. Die Bruchflächen sind matt, nicht schimmernd, flachmuschelig und splitterig. Die dichten Kalksteine treten in allen Formationen auf; besonders reich sind die marinen Schichten des Mittel- und Oberdevons, des Kohlenkalks, des Zechsteins, Muschelkalks, der Juraformation und der Trias in den Alpen. Die Bezeichnungen Alpenkalk, Jura-, Muschelkalk usw. geben nur die Herkunft oder Zugehörigkeit zur Formation an, bedeuten aber sonst keine Abweichung hinsichtlich der stofflichen oder strukturellen Zusammensetzung.
Als Abweichungen des dichten Kalksteins hinsichtlich der stofflichen Zusammensetzung gelten:
- Dolomitischer Kalkstein mit mehr oder weniger Gehalt an kohlensaurer Magnesia, von höherem spezifischen Gewicht als reiner Kalkstein , zuweilen porös, gelblich-grau.
- Kieselkalk, der sich durch einen hohen Gehalt an Kieselsäure (bis 48 Prozent) auszeichnet, welche teils gleichmäßig, teils in Nestern und Adern als Hornstein oder Chalcedon im Kalkstein auftritt. Hierdurch erhält der Stein einen hohen Härtegrad (bis Härte 6). Solche Kalksteine sind für Bauzwecke und als Straßenbaumaterial sehr gut geeignet. Eine gleichmäßige Politur nehmen sie wegen der weit auseinanderliegenden Härtegrade (3 und 6) nur dann an, wenn die Kieselsäure gleichmäßig im Stein verteilt ist (z. B. Neubeurer Marmor , Granitmarmor). Zum Brennen ist der Kieselkalk untauglich.
- Toniger Kalkstein , der bis zu 25 Prozent kieselsaure Tonerde enthält, meist gelb oder grau, ziemlich weich, oft erdig und in Mergel übergehend. Wegen seiner großen Weichheit ist er selten politurfähig, dagegen oft zur Herstellung von Zement geeignet.
- Faserkalk (Kalknierenschiefer, Nierenkalk, dichte Kalklinsen oder Nieren) ist mit Tonschiefer wellig durchflochten und verwachsen. Sind Kalk und Schiefer verschieden gefärbt und ist das Gestein gleichzeitig fest, so werden solche Faserkalke als Marmor geschliffen und poliert.
- Stinkkalk, reich an Bitumen und beim Anschlagen, Erwärmen oder Ritzen danach riechend, ist ein meist grauer, gelblicher oder brauner Kalkstein . Meist ist Ton beigemengt; vielfach enthält der Stinkkalk auch Asphalt, und bitumenreiche Stinkkalke werden auch zur Asphaltgewinnung genutzt.
Diejenigen dichten Kalksteine, die sich polieren lassen, werden ebenfalls als Marmore bezeichnet und zeichnen sich in der Regel durch bunte, dunklere Farben und Zeichnungen (Aderung, Bänderung, Streifung, Fleckung, Tigerung) aus. Ihre Verwendung für Wandverkleidungen, Baluster, Treppenstufen, Säulen, Kapitäle, Gesimse und Sockel für Denkmäler usw. ist sehr weit verbreitet, besonders in Italien. Da die Farben oft nicht wetterbeständig sind und sich verändern, eignet sich dieses Material vorwiegend für die Innendekoration. Man unterscheidet:
Lichten Marmor , weiß, gelblich, hellrot oder hellgrau. Hierher gehören: Marmo Cipollazzo, weiß und violett; Marmor Fior di Persico, weiß und grau mit roten Flecken; Marmo di Sette Basi, weiß mit roten Adern; Marmo Rezziato, weiß mit gelben Streifen; Marmo Palombino, weiß; Untersberger Marmor vom Untersberg bei Salzburg, hellrötlich mit weißen Flecken; Karstmarmore von Nabresina (Nabresinastein), hellgrau mit schwarzen Punkten; Istrianer Marmore, hellgelblich; Großkunzendorfer Marmor (Schlesien), hellgelblich bis weiß.
Gelber Marmor (Marmo Giallo): Antike Sorten aus Mazedonien und Algier, dottergelb; Giallo di Siena (Italien) wird viel verwendet.
Brauner Marmor : Marmo Occhio di Pernice mit weißen Flecken; aus Adnet bei Salzburg und aus Mecklinghausen (Westfalen), Letzterer von dünnen, dunkelgrauen Streifen von Tonschiefer durchzogen.
Roter Marmor : Marmo Rosso Antico (Ägypten), dunkelrot mit schwarzen Punkten, sehr wertvoll und berühmt; Marmo Fiorito (bei Carrara), rot und weiß gefleckt; Marmo Africano, ebenso gefärbt; Marmo Rosso Broccatello aus Verona; rote Marmore aus Kaufungen in Schlesien, Blankenburg am Harz, Diez in Nassau, Enzenau in Bayern (sehr fest).
Grüner Marmor , ziemlich selten; Marmo Verde Pagliocco, antikes Material, grüngelb; Marbre de Maurin (Basses-Alpes, Frankreich).
Blauer Marmor , sehr selten: Marbre bleu des Grisons et du Valais (Schweiz).
Grauer Marmor aus Köflach in der Steiermark, aus Vilmar in Nassau, Rübeland und Blankenburg am Harz (mit roten Flecken), Raeren bei Aachen (sehr fest), Neubeuren in Südbayern (sehr fest, hellgrau), St.-Annen-Marmor aus Maubeuge, schwarzgrau mit weißen Adern und Flecken, viel gebraucht für Tischplatten und Wandverkleidungen.
Schwarzer Marmor : Marmo Nero d'Egitto von Lesbos, ein antiker Marmor , weiße Adern in blauschwarzem Grund, für Skulpturen verwendet, ebenso Breccia Pavonazza mit weißen Flecken; zahlreiche Fundorte in Frankreich, Belgien, Italien und Vorarlberg (Au, Auerkalk).
Hieran schließen sich die aus Muschelresten und Bruchstücken von Versteinerungen oder von Kalkstein selbst bestehenden Muschelmarmore und Brekzien- oder Trümmermarmore mit größeren Bruchstücken an, sowie Broccatello, ein Scherbenkalk mit kleineren Bruchstücken. Unter den ersteren sind die Muschelmarmore von Bleiberg in Kärnten und von Solothurn, unter den Brekzien diejenigen von Seravezza bei Carrara und von St. Antonin in Frankreich zu nennen. Die Muschelmarmore erhalten ein außergewöhnliches Farbenspiel, wenn die Perlmuttschicht der verkitteten Schalen noch erhalten geblieben ist.
Als Ruinen- und Florentiner Marmor wird ein dichter gelblicher oder graubrauner Kalkstein bezeichnet, der auf den Schliffflächen Zeichnungen zeigt, die Ruinen oder Felsen ähneln und durch erdigen, fein verteilten Brauneisenstein erzeugt werden.