Die Bindekraft von Portlandzement soll durch die Prüfung einer Mischung aus Zement und Sand ermittelt werden. Die Prüfung der Zug- und Druckfestigkeit muss nach einer einheitlichen Methode erfolgen, und zwar mit Probekörpern von gleicher Form und gleichem Querschnitt sowie mit denselben Geräten.
Zusätzlich empfiehlt es sich, auch die Festigkeit des reinen Zements zu bestimmen.
Die Zugproben (Zerreißproben) sind an Probekörpern mit einem Bruchflächenquerschnitt von 5 cm², die Druckproben an Würfeln mit 50 cm² Grundfläche durchzuführen.
Begründung zu V.
Da man erfahrungsgemäß aus den Festigkeitswerten von reinem Zement (ohne Sand) keine verlässlichen Rückschlüsse auf die Bindefähigkeit mit Sand ziehen kann – besonders wenn man Portlandzemente aus verschiedenen Fabriken vergleicht –, ist es notwendig, die Bindekraft des Portlandzements unter Sandzusatz zu prüfen.
Die Prüfung des Zements ohne Sandzusatz empfiehlt sich besonders dann, wenn Portlandzemente mit Mischzementen und anderen hydraulischen Bindemitteln verglichen werden sollen. Die Eigenfestigkeit (Selbstfestigkeit) bringt die höhere Qualität bzw. die besonderen Eigenschaften des Portlandzements, die den übrigen hydraulischen Bindemitteln fehlen, deutlicher zum Ausdruck als die Prüfung mit Sand.
Obwohl das Verhältnis von Druck- zu Zugfestigkeit bei den verschiedenen hydraulischen Bindemitteln unterschiedlich ist, wird vielfach nur die Zugfestigkeit als Maßstab herangezogen. Dies führt jedoch zu einer Fehlbeurteilung. Da Mörtel in der Praxis vor allem auf Druck beansprucht wird, kann als maßgebliche Festigkeitsprüfung nur die Druckprobe dienen.
Um die nötige Einheitlichkeit bei den Prüfungen zu gewährleisten, wird empfohlen, solche Apparate und Geräte zu verwenden, wie sie bei der Königlichen Prüfungsstation in Charlottenburg-Berlin in Gebrauch sind.