Abschnitt 63

Verblendsteine und Verblender

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Der Farbe nach sind die Ziegelsteine je nach dem größeren oder geringeren Eisengehalt und der Art des Brandes sehr verschiedenartig; die Färbung wechselt vom hellen Rosarot bis zum tiefsten Dunkelrot. Kalkhaltige Steine mit wenig Eisen geben je nach der Schärfe des Brandes eine hellgelbe bis grünliche Färbung; tonerdereiche und eisenfreie Steine sind weiß. Häufig bekommen die Ziegelsteine zur Erzielung einer bestimmten und gleichmäßigen Farbe vor dem Brennen einen Überzug aus Tonschlamm, Engobe, oder sie werden mit einer Glasur versehen.

Besondere Sorgfalt und eine besonders günstige Beschaffenheit der Tonmischung erfordert die Herstellung der Verblendziegel, die für die äußeren Ansichtsflächen der Mauern bestimmt sind. Die Verblendziegel müssen sehr hart gebrannt und außerdem von durchaus gleichmäßiger Färbung sein. Damit die Verblendsteine beim Brennen weniger leicht Risse bekommen, werden sie stets hohl, d. h. mit Längs- oder Querkanälen geformt. Hierdurch wird außerdem eine sparsamere Verwendung des teuren Tons und ein geringeres Gewicht, somit eine Verbilligung der Fracht erzielt. Aus denselben Gründen wählt man für die Verblendung gewöhnlich keine ganzen, sondern nur halbe und Viertelsteine. Ein Behauen dieser Steine bei der Verarbeitung ist schwierig und muss tunlichst vermieden werden. Für bessere Bauten bedient man sich daher für Ecken, Bögen, Gesimse usw. besonderer Formsteine.

Verblendsteine sind jetzt fast in allen Farben zu haben und zwar in Weiß, Gelb, Lederfarben, Rot und Braun in den verschiedensten Abstufungen als naturfarbene Steine, in den übrigen Farben als Engoben oder Glasursteine. Das Format der Verblendsteine ist im Allgemeinen das hierfür bestimmte Normalformat von $252 \times 122 \times 69\text{ mm}$.

Um regelrechte Verbände zu erzielen, genügen aber diese ganzen Steine noch nicht; es sind noch Stückwerke notwendig, die durch Halbteilung und Viertelteilung gebildet werden. Bei Maschinenverblendern werden diese Teilstücke ebenfalls durch Maschinenformung hergestellt, während man sie bei Handstrichsteinen durch Behauen herstellt, was viel Verhau (Abfall) und Zeitverlust ergibt. Stücke von voller Steinbreite und drei Viertel der Länge heißen Dreiquartier, Stücke von der vollen Steinbreite und zwei Viertel der Länge Zweiquartier (halber Stein), Stücke von der vollen Steinbreite und ein Viertel der Länge Quartier (Einquartier), Stücke von der ganzen Länge und halber Breite Riemchen oder Längsquartier.

Die und , , zeigen Normal-Verblendsteine als Loch- und Vollsteine in verschiedener Größe, als ganzer Stein, halber Stein, Dreiquartier, Riemchen usw., wie sie von Oskar Zucker, Generalvertreter der größten und renommiertesten Verblendsteinwerke in Berlin C., Neue Promenade 7, in den Handel gebracht werden.

Fig. 80: Eine Übersichtstafel standardisierter Verblendsteine als Lochsteine mit präzisen Maßangaben.
Fig. 81: Historische Zeichnung verschiedener Ziegelformate von Vollsteinen und eines Rollschichtsteins mit Maßangaben (Fig. 81).

Um das Behauen von Verblendsteinen zu erleichtern und die Schwierigkeiten der Beschaffung von verschiedenen Teilstücken zu beseitigen, hat Rühne die sogenannten Universalverblender eingeführt. Dieselben gestatten ein bequemes Teilen durch Zerschlagen und deshalb die Bestellung nur weniger Sorten. Für die Flächen werden $2/4$ Steine und für die Ecken $3/4$ Steine verwendet, die mit einem Spaltschlitz zwischen zwei Hohlräumen und mit einer entsprechenden Nut auf einer Seite versehen sind, wodurch beim $2/4$ Stein die Trennung in zwei $1/4$ Steine und beim $3/4$ Stein in ein $1/2$ Steinstück und ein $1/4$ Steinstück mittels eines Schlages mit dem Maurerhammer ermöglicht ist. Diese Steine werden auch Universalsteine genannt.

Die und , , zeigen J. F. Rühnes Patent-Universal-Verblendziegel. (J. F. Rühne in Berlin NW., Kruppstraße 6, und Helmstedter Tonwerke, Rühne & Komp. in Helmstedt.)

Fig. 82: Isometrische Darstellung eines Rühne'schen Patent-Universal-Verblendziegels (Halbstein) mit Maßen, Hohlräumen und Sollbruchstellen.
Fig. 83: Technische Zeichnung eines Patent-Universal-Verblendziegels (Dreiquartier-Mauerstein) nach J. F. Rühne mit detaillierten Maßen.

Es ist bekannt, dass bei der getrennten Fabrikation von Vierteln, Halben und Dreiquartieren die Erzielung von genau gleichen Abmessungen und Farben nicht unerhebliche Schwierigkeiten macht, die Herstellung eines sauberen, gleichmäßigen Mauerwerkes aber ungemein erschwert wird, wenn Farben und Maße der Verblendziegel ungleichmäßig sind. Diese Übelstände vermeidet man am besten dadurch, dass man die Zahl der zu einer Fassade anzuliefernden Verblendsteine möglichst vermindert und dieselben unter sich gleichartig formt.

, zeigt einen geformten Halbstein, welcher in der Mitte mit einem Spaltschlitz und an beiden Seiten mit Markiernuten versehen ist und es so gestattet, dass man dieselben sowohl als Halbe wie auch durch Teilung, die sich durch einen Schlag mit dem Maurerhammer leicht bewirken lässt, als Viertel verwenden kann. Weitergehend in dieser Richtung ist von verschiedenen Praktikern gewünscht worden, dieselbe Neuerung an Dreiquartieren anzubringen. Bei diesen sind, wie , zeigt, zwei Spaltschlitze angewendet, wodurch man erreicht:

  1. dass in jedem Dreiquartier ein Viertel und ein Halber enthalten ist;
  2. hat man die Wahl zwischen 2 Spaltschlitzen und so auch unter den 3 Verblendflächen die eine oder andere zu einem Viertel oder Halben zu verwenden, eventuell aber kann man dieselben auch zu viertel oder halben Ecken verarbeiten, während der ganze Stein ein normales Dreiquartier ist. Diese Ziegel besitzen somit die größte Verblendfläche bei geringstem Materialinhalt;
  3. haben sämtliche Steine gleichartige scharfe Kanten;

Tafel taf-12 (noch nicht verfügbar)

Taf. 12. Fig. 80-87. I. Normale Verblendsteine (Fig. 80: Lochsteine, Fig. 81: Vollsteine), Patent-Universal-Verblendziegel (Fig. 82, 83), Verblend- und Formsteine (Fig. 84, 85), Normal-Formsteine (Fig. 86), Profilsteine (Fig. 87).
  1. ist die Stärke der Steine durchweg gleichmäßiger und somit auch die Fuge;
  2. hat man die Bequemlichkeit, nur ein Ziegelmaterial kaufen und verarbeiten zu müssen.

Von Verblendsteinen aus teuren Rohstoffen, namentlich auch bei Glasursteinen, werden jetzt auch $1/8$ Steine oder Plättchen hergestellt in einer Größe von $122 \times 69 \times 20\text{ mm}$. In dieser Form kommen vielfach die weißen Porzellansteine aus Kaolinerde und weiße Steinzeugverblender vor; sie geben dann mit $1/4$ Steinen aus demselben Rohstoff in abwechselnden Schichten eine durchaus solide Verblendung für Durchfahrten, Lichthöfe usw.

Eisenschmelzverblendsteine sind neuerdings sehr in Aufnahme gekommen. Sie werden unter Beimischung von Eisenschlacke hergestellt und wegen ihrer Festigkeit und dunklen Färbung vielfach zu Sockelverblendungen benutzt.

, zeigt einige Verblend- und Formsteine der Kunstziegelei Seiffert in Liegnitz, welche sich als wetterbeständig bewährt haben.

Fig. 84: Darstellung verschiedener profilierter Verblend- und Formsteine (Hohl- und Profilziegel) der Kunstziegelei Seiffert in Liegnitz.
c) Poröse Ziegel, Tuffziegel

Die porösen Steine sind leichtere Ziegel, welche aus fettem Ton, vermischt mit brennbaren Stoffen wie Sägespänen, Torfgrus, Braunkohlengrus usw. bestehen. Durch das Brennen werden die organischen Stoffe zerstört, wodurch Hohlräume zurückbleiben, welche das Gewicht des Ziegels bedeutend verringern, allerdings auch die Druckfestigkeit. Mauern aus porösen Ziegeln dürfen daher nie stark belastet werden.

Datenansicht

Eine Übersichtstafel standardisierter Verblendsteine als Lochsteine mit präzisen Maßangaben.

Fig. 80

Eine Übersichtstafel standardisierter Verblendsteine als Lochsteine mit präzisen Maßangaben.

Historische Zeichnung verschiedener Ziegelformate von Vollsteinen und eines Rollschichtsteins mit Maßangaben (Fig. 81).

Fig. 81

Historische Zeichnung verschiedener Ziegelformate von Vollsteinen und eines Rollschichtsteins mit Maßangaben (Fig. 81).

Isometrische Darstellung eines Rühne'schen Patent-Universal-Verblendziegels (Halbstein) mit Maßen, Hohlräumen und Sollbruchstellen.

Fig. 82

Isometrische Darstellung eines Rühne'schen Patent-Universal-Verblendziegels (Halbstein) mit Maßen, Hohlräumen und Sollbruchstellen.

Technische Zeichnung eines Patent-Universal-Verblendziegels (Dreiquartier-Mauerstein) nach J. F. Rühne mit detaillierten Maßen.

Fig. 83

Technische Zeichnung eines Patent-Universal-Verblendziegels (Dreiquartier-Mauerstein) nach J. F. Rühne mit detaillierten Maßen.

Darstellung verschiedener profilierter Verblend- und Formsteine (Hohl- und Profilziegel) der Kunstziegelei Seiffert in Liegnitz.

Fig. 84

Darstellung verschiedener profilierter Verblend- und Formsteine (Hohl- und Profilziegel) der Kunstziegelei Seiffert in Liegnitz.